Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch

Ich schlag dir gleich auf den Magen, du!

Abgelegt unter: Allgemein | 12.09.2003 (18:08) |

Ist es einem gestattet, über das Personalrestaurant zu lästern, in dem man jeden Tag isst? Ich finde: JA. Obwohl man ja so sagt, man solle die Hand, die einen füttert, nicht beissen. Aber ich beisse ja auch nicht den netten Herrn mit der Schöpfkelle (ist das dann eigentlich “Der Schöpfer”?), sondern äussere mich halt bloss. Ich weiss, ich gehe da freiwillig hin, schliesslich ist es eine Kanntine und keine Musstine. Aber ein bisschen Mühe darf man sich schon geben, auch wenn nur die innerhäusischen Menschen da essen gehen. Was mir nicht passt? Zum Beispiel das Wandgemälde. Von einem echten Künstler! So einer muss einach Künstler sein, denn es IST eine Kunst, so einen Schwachsinn wie da an der Wand pappt VERKAUFEN zu können. Ein Geschliere und Geschmiere, dass ich mich immer mit dem Rücken zur Wand setzen muss, weil ich sonst schlicht in den Teller kotzen müsste. Essen ist an und für sich Genuss, aber wenn das Auge ja angeblich mit isst, dann ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass der Maler sonst nur Kantinen von Blindenheimen oder Tunnelinnenseiten bemalt. Schlimm sowas. Aber was das mit der eigentlichen Unzufriedenheit zu tun hat? Nichts im engeren Sinne, ich wollte es nur gelegentlich loswerden. Ansonsten? Dass ich ein Stück Braten bekomme, das so trocken ist, dass ich es mit Kartoffeln runterspülen muss. Mit trockenen Kartoffelwürfelchen. Ohne Sauce. An der Sahara lutschen ist ohne Zweifel ein erfrischendes Erleben der absoluten Feuchtigkeit im Vergleich zu dem dehydrierten Stück, das auf meinem Teller lag. Ob das bei längerem Liegenlassen zerfällt und dann auf dem Teller eine kleine Düne bildet? Vielleicht sollten wir in die Küche wandern und dem Koch Supportentzug androhen, wenn er weiterhin jegliches Feuchtigkeitsmolekül aus unserem Mittagsfleisch enfernt. Oder wir holen uns auf der Abteilung Spritzen und hauchen den ausgenuckelten Steaks auf diesem Weg neue Verzehrfähigkeit ein.
Wenn wir grad bei Verzehrung sind, da fällt mir Wegzehrung ein. Also wenn ich mir unterwegs etwas für unterwegs hole. Ich stelle mich also an einen der Stände (egal was, ist immer wieder reproduzierbar) und verlange, wonach es mich zu diesem Zeitpunkt kulinarisch gelüstet. Zum Beispiel: “Einen Nussgipfel bitte, zum gleich essen”, damit ihn die Bedientrulla nicht extra einpackt und deswegen ein weiterer Baum sterben muss. Schliesslich werden zu Weihnachten noch genug Bäumchen niedergemetzelt, aber das hatten wir schon. Also packt sie einen Nussgipfel mit der Operationszange und entfernt ihn von seinen Artverwandten. Dann greift sie mit der anderen Hand nach einer Papiertüte und ich sag nochmal, dass sie ihn nicht einzupacken braucht. Dass ich das Ding sofort töten werde. Aber was macht sie? Sie schaltet auf Durchzug, schliesslich muss man ja nicht etwas, was man schon so oft getan hat, aus einem sinnvollen Grund plötzlich anders machen. Aber was soll das? Will sie dem Nussgipfel künstlich das Leben verlängern? Schliesst sie ihn nach einmal Abbeissen ans Lebenserhaltungssystem für komatöses Gebäck an? Oder denkt sie, dass er friert? Darf ich ihn nicht anfassen? Was soll das also? Ich weiss: Die wollen den Kunden an sich verscheissern, das ist es. Mit Absicht und boshaft. Wi sonst wäre es zu erklären, dass ich zwar den Nussgipfel zum Sofortessen eingetütet kriege, aber der Apple Pie zum Mitnehmen so lausig eingepackt wird, dass er mir innerhalb fünf Minuten die Tasche eingesaut hat und mein Laptop nach Apfel&Zimt riecht? Eben.

Aktuell im Ohr: Peter Gabriel – Biko

So klappt das aber nicht

Abgelegt unter: Allgemein | 12.09.2003 (12:43) |

Einmal mehr frage ich mich bei einer Werbekampagne, was das eigentlich soll, was die da machen. Nicht bei den beiden Tussen, die im Auto in Eisteeflaschen singen zu einem Song, den keine Sau kennt, weil die Macher zu knickrig waren, um was Bekanntes zu kaufen. Auch nicht die neue Alldays, wo eine Frau ihre Slipeinlage der halben Stadt zeigt, während sie ballettänzelnd einem verirrten Banker den Weg mit dem Fuss zeigt. Ich lasse auch die ganzen anderen Spots oder Plakate mal neben mr zu Boden fallen, die uns täglich an den Kopf geknallt werden, die sind meist einfach nur doof oder sinnlos oder langweilig. Aber ich frage mich echt, was das hier soll:

Die Gemüsefresser versuchen wieder, mich zu überzeugen, dass ich doch desertieren soll und mich fleischfrei ernähren soll. Die Absicht, wie sie das umsetzen ist ja originell, aber sollte man das mit der bildlichen Darstellung von etwas Fleischlichem tun, wo man definitiv lieber dran rumknabbern würde als an einer Karotte? Anfänger! Da bekomm ich doch erst recht Lust auf ein Schnitzel! Bestenfalls noch auf junges Gemüse, wenn schon. Nein, so nicht. Dann doch lieber einfach nur etwas (sündenfrei aufbereitete) Schokolade.

Mist, verdammt. Nicht an rosarote Elefanten denken! Aber kaum hat man was im Kopf, geht’s nicht mehr weg. Ich brauch jetzt wirklich was Gesundes. Zwei Melonen wären jetzt gut. Glaub ich.

Aktuell im Ohr: Marc et Claude – Tremble (das war das mit den halbnackigen… ach MIST!)

Schreib doch mal was Schönes…

Abgelegt unter: Allgemein | 10.09.2003 (15:10) |

Sagt sie so einfach. In einem Kommentar weiter unten legte man mir ganz diskret nahe, nicht immer so böse zu sein. Was Schönes schreiben. Hm. Palmenstrand. Sonnenuntergang. Ferien. Erholung. Schwarzwäldertorte von der Migros. Das muss reichen. Vor einigen Jahren, als ich ein paar ziemlich üble Kurzgeschichten verbrochen habe (es gab jedesmal mindestens eine Leiche) wurde ich von Arbeitskolleginnen auch drum gebeten, “mal was Schönes zu schreiben”. Eine Liebesgeschichte oder so. Mit einem gewissen Widerwillen, es aber als Auftragsarbeit betrachtend, schreibselte ich also eine Story zusammen, wie sie schöner in Mädchen, Girl oder Wendy (nur spielte halt kein Pferd mit) nicht hätten erscheinen können. Die Leserinnenschaft war’s denn auch zufrieden, aber ein Statement ist mir geblieben: “Also, weisst du, ich find die Geschichte ja schon irgendwie gut, aber so im Nachhinein lese ich deine kranken Geschichten doch lieber, da weiss man, dass sie von ganz tief drinnen kommen”. Hätte mir das zu denken geben sollen? Die in Arbeit befindlichen Long- oder Short-Stories werden nach wie vor mehr oder weniger blutig sein. Und so richtig sarkastisch bin ich doch gar nicht, ich gebe dem Alltag nur den Umgangston, den er sich verdient hat. Meistens. Ab und zu. Hin und wieder.
Apropos hin und wieder: Hin und wieder verarbeite ich gerne Werbung. Sei es in Textform oder in bildlicher Variante, wenn sich etwas anbietet, dann ab und drauf. Muss dann noch nicht einmal bösartig oder fies sein, wie folgendes Beispiel zeigt:

Hat auch irgendwie was Schönes. Also beide jetzt. Nur dass bei einem von beiden das Gegackere vorbei ist. Wobei mir im Zusammenhang jetzt noch eine Aussage unseres Schwedenimports einfällt: “Mit der perfekten Zubereitung eines Spiegeleis kann man eine Frau sehr beeindrucken”. Realitätstest, wie stelle ich mir das vor? So? Ich bin in der Stadt unterwegs und hab in meinem Rucksack einen Campingkocher, Campingkocher, eine kleine Bratpfanne, Salz, Gewürze und ein paar Eier. Dann treffe ich auf eine Frau, die mir gefällt. Als erstes bitte ich sie drum, sich etwas Zeit zu nehmen, biete ihr einen holländischen Klappstuhl an und mache mich daran, ein Spiegelei zuzubereiten. Dann wird das Ding in die Pfanne gehauen (Ei, nicht Frau) und nachdem ich ihr ein Ei, ein gespiegeltes, präsentiere, mit perfekt gerundetem Dotter und das Eiweiss wunderschön weiss ums Zentrum fliessend, da sagt sie: “DICH behalt ich, mir hat noch keiner so ein tolles Spiegelei gemacht!”. Da tippe ich mir doch an die Stirn und frage mich, wie sich die Schweden eigentlich so lange auf der Landkarte der Evolution halten konnten. Oh, hoppla, das war jetzt böse, oder? Hm. Sonnenuntergang! Kuschelbärchen!

Aktuell im Ohr: Kajagoogoo – Big Apple

Tjuu-Ning

Abgelegt unter: Allgemein | 08.09.2003 (11:52) |

Oder: Das fehlgeleitete Optimieren von Mensch und Maschine. Eigentlich ist Tuning ja die nachträgliche Leistungsverbesserung eines Fahrzeuges. Sagt zumindest Herr Duden, Band 5. Üblicherweise gelten allerdings mehrheitlich die Wagen als getunt, deren optischer Kotzfaktor gesteigert wurde. Das reicht von Chiemsee-Aufklebern in Fallschirmgrösse über Peniswunschgrössenauspuffrohre bis zu Spoilern, die einen Düsenjet am Abheben hindern würden. Die meisten dieser Windleitbleche sehen in der Regel wie Handgriffe zum Wegwerfen des daran befindlichen Automobils aus und haben indirekt einen Nutzen von plusminus Null, weil die Wirkung erst bei einer Geschwindigkeit eintritt, die entweder auf unseren Strassen nicht realisierbar oder von betreffendem Fahrzeug gar nicht zu erreichen ist. Das Ausrüsten von italienischen Kleinfahrzeugen mit Schürzen und Verbreiterungen lässt vielleicht den haargeschleimten Besitzer vor Stolz fast platzen, aber ausser einer IQ-neutralisierten Beifahrerin teilt wohl nicht ernsthaft jemand seine Begeisterung. Warum auch dieses Rumgeschraubse, ein paar Farbtupfer können viel mehr aus einem Auto machen. Gut, die Achtziger-Jahre-Airbrush-Bildchen mit nackten Frauen auf Delphinen, die vor einem Sonnenuntergang übers Bild hüpfen sind out (obwohl man das gerne auf von Countrymusik grölenden Fahrern gelenkten Trucks noch bewundern kann), aber es gibt doch auch noch andere interessante Gestaltungsmöglichkeiten, die sogar aus ganz kleinen Autos ganz grosse Wirkung rauskitzeln. Zeigt auch sofort, dass an der Sicherheit nicht gespart wurde und Airbags mit eingebaut sind.
Boobs!
Jeans werden seit neuestem auch getunt. Früher: Hosenbund rundrum auf gleicher Höhe. Heute: Hosenbund je nach Zielgruppe tiefergelegt. Bei verschiedenen Trägern ist das nicht echt nötig, weil der Arsch schon tiefergelegt wurde. Wenn jemand zum Beispiel ein Steiss-Tattoo trägt (das sind die Verzierungen knapp oberhalb der Arschspalte, die bei Mädels nett aussehen mag, aber nicht beim Calgon vertretenden Waschmamschinenreparierer), dann kann man die rückseitig, mittig heruntergesetzten Jeans verwenden. Für Girlies, die dauernd gesagt bekommen, dass sie ihre Nieren nicht so freizügig zeigen sollten, weil sie später mal ganz arge Probleme bekommen würden (obwohl ihnen das zu der Zeit scheissegal ist, Hauptsache es sieht geil aus), gibt es die hinten HOCHgezogenen. So zeigen sie ihren Eltern “Guck mal, Nieren bedeckt” und die nun glücklichen Erziehungsbrechtigten lassen ihren femininen Nachwuchs ins Nachtleben ziehen, ohne mitbekommen zu haben, dass die Hosen zwar hinten hoch sind, aber als Ausgleich auf der Vorderseite so tief hängen, dass es bestimmt keine Diskussionen mehr gibt, in welcher Farbe entweder Unterwäsche oder Schambehaarung ist. Was noch fehlt sind die Vorne-und-hinten-hoch-aber-auf-der-Seite-tief-Jeans. Dann ist es endlich einfacher für die ganz hippen Chicks, ihre Billigstrings auf der Seite rausblinken zu lassen. Was wiederum aussieht wie Griffe zum hochheben und mitnehmen. Oder Wegwerfen. Womit wir wieder bei den Spoilern sind. Nur weil es getunt ist muss es nicht gut aussehen. Oder bessere Leistung bringen. Was wiederum auszutesten wäre.

Aktuell im Ohr: Space Frog feat. The Grim Reaper – I Feel Ur Pain

Papier ist geduldig. Leider.

Abgelegt unter: Allgemein | 05.09.2003 (11:31) |

Ab und zu wäre ich froh, wenn sich Papier wehren würde. Wenn es dem Beschreiber lautstark und heftig ins Gesicht schlagen würde ob dessen Unfähigkeit, Unwissenheit oder einfach Langeweileverbreitung. Das gilt natürlich auch für Computer oder Schreibmaschinen, die sollen sich auch wehren. Dass inzwischen wirklich schon jeder seine geistigen Auswüchse veröffentlichen kann ist ja eine durchaus schöne Möglichkeit, aber nur weil man es KANN, heisst das noch lange nicht, dass man es auch TUN sollte. Ihr ahnt es. Hobby-Homepages (Website wäre übertrieben, die meisten kommen über eine Seite ja nie raus). Online-Tagebücher. Webcams. Weblogs. Webcamlogs. Die Evolution des virtuellen Grauens und kein natürlicher Feind da, der es aufhält. Ich habe nichts gegen freie Meinungsäusserung, das mach ich ja ungefragt auch, aber sorry, einige da draussen haben nun mal ein Leben, das von Geburt bis Tod auf eine A4-Seite passen würde. In Grossschrift! Dass nicht auch noch die Volumenmasse des morgendlichen Stuhlgangs mitpräsentiert werden ist an und für sich schon erstaunlich, aber das wäre wenigstens abwechslungsreich im Vergleich zum Rest. Ich will auch niemandem zusehen, wie er oder sie am Rechner sitzt und tippt, ich weiss wie das aussieht. Wenn schon will ich was sehen, was ich sonst NICHT zu sehen kriege (nein, ich rede nicht von den Fick-o-Cams). Gibt’s irgendwo eine Papageien-Cam? Das würd ich mir geben. Aber nicht die hässliche Fresse von einem frustrierten Briefmarkensammler, der seine Märkli auch noch einscannt und online stellt. Alle 5000. Alle auf einer Seite womöglich. Als Bitmap. Sowas gibt es. Oder Leute, die ihre Weblogs nur aus dem einen Grund betreiben, dass sie möglichst viele Kommentare bekommen, weil sie so gerne “mit Menschen kommunizieren”. Wenn sie das tun würden, dann wären ihre Logs wenigstens unterhaltsam, weil dann auch mal was passiert. Aber die Mieze, die man jeden Tag füttert gibt nun mal nicht genug Material her, so vom kommunikativen Standpunkt aus gesehen. Und den Satz “Heute Morgen habe ich meine Muschi gestreichelt, weil sie so unruhig war” assoziiere ich auch nur bedingt mit Katzenpflege. Ich meine nur, ich will einfach nicht alles wissen. Brauche ich nicht zum Überleben. Es ist auch nicht so, dass ich danach suchen würde, aber es springt einen halt zum Teil so an, wenn man nach etwas sucht, aber dank unzulänglichen Suchmaschinen ganz woanders landet. Dann liest man ein paar Zeilen und schon befällt einen die Augennervkrätze, weil man es sich nicht verkneifen konnte und das zwischen den vierzehn unterschiedlichen animierten Bildchen lesen wollte. Selber schuld. Irgendwie. Aber schlagen sollte man sie trotzdem.
Aber auch Journalisten sind nicht vor Fehltritten gefeit. Oder, andersherum gesagt, es gibt Journalisten, die halten sich für die Krönung der schreibenden Zunft und leben im Irrglauben, dass ihre Hochwohlgeboren von und zu Feder und Tinte es nicht nötig haben, Recherche zu betreiben. Oder zu denken, bevor sie tippen. Denen teilweise schon Basisschulwissen abgeht. Die bei der Aufnahme von Allgemeinwissen einen direkten Windkanal zwischen allen aufnehmenden Sinnesorganen geschaffen haben und es sich dann aber herausnehmen und trotz allem Artikel schreiben. Ein schönes Beispiel für mich war der Verbrecher einer Filmbeschreibung, der bei einer hier in der Nähe ansässigen Zeitung darüber herzog, wie blöd “Herrschaft des Feuers” denn wäre. Filme sind Geschmackssache, der kann den blöd finden, ist mir egal, ich finde dafür IHN blöd. Aber der Satz “Völlig unlogisch ist, dass ein Drache einen Atomkrieg überleben, aber durch eine Axt getötet werden kann” zeichnet sich durch Fensterplatz bei Naturkunde aus. Denn es ist ja so, dass es sogar noch etwas banaler geht. Einige Lebewesen auf unserer Erde überleben locker jeden Atomkrieg oder Fallout oder Kometenabsturz (wurde ja auch schon wieder einer angekündigt), sind aber unter Einsatz eines handelsüblichen (beispielsweise) Turnschuhs zu erledigen. Kakerlaken zum Beispiel. SMACK! Da brauche ich keine Axt. Zugegeben, die sind unwesentlich kleiner als Drachen, aber trotzdem. Also wenn schon schreiben, dann bitte auch ein klein wenig informieren und wissen, was man tut (Stilfragen noch nicht berücksichtigt). Sonst gehe ich mal mit dem Turnschuh vorbei und teste aus, ob man Schuhrnalisten auch ohne atomaren Einsatz motivieren kann. Leichte Schläge auf den Hinterkopf sollen ja das Denkvermögen anregen.

Aktuell im Ohr: DJ Toxic – Secret Melody

Last night a DJ shaved my wife

Abgelegt unter: Allgemein | 03.09.2003 (9:58) |

Seltsame Einfälle, die einem so kommen. Nachts. Oder Tags. Oder nachdem man im Mystery Park gewesen ist. Was das ist? Ein Novum für die Schweiz, nämlich ein Themenpark. Theme Parks in Amerika haben die durchschnittliche Grösse eines Schweizer Kantons, deshalb ist es ja für uns einigermassen ungewöhnlich, dass wir auch was solchiges bekommen haben. Initiiert wurde das Ganze von Däniken, dem Erich. Oder eigentlich von von Däniken, denn der hat ja noch diesen Zusatz drin. Basiswissensverbreitung: EvD vertritt die Ansicht, dass früher früher früher einmal Ausserirdische auf der Erde zu Besuch gewesen waren und den primitiven Bewohnern unseres Planeten Wissen vermittelten. Wie macht man Toast, wie brennt man Schnaps, wie baut man Pyramiden ohne Werkzeug oder wie erfindet man als Buschhopser einen Kalender, der so genau ist, dass er 5000 Jahre später immer noch einwandfrei funktioniert. Oder Man stellt ein paar Steine auf, die Astronomie mit einer Genauigkeit darstellen, dass jeder heutige Wissenschaftler ohne Hochleistungsrechner sich vor Neid die Zähne am Labortisch ausbeisst. Von der Theorie kann man denken und halten, was man will, auf jeden Fall geschahen und geschehen auf unserer Erde Dinge, die man sich nicht erklären kann. Vielleicht wäre es wieder einmal Zeit, dass die primitiven, aber elektrifizierten Bewohner wieder ein klein wenig KnowHow vermittelt bekämen. Ob das nun mit einem Däniken-Buch funktioniert, sei dahin gestellt, eher zurückzugreifen wäre dann ja wiederum auf Ausserirdische, die aber entweder den Planeten in die Luft sprengen wollen oder sofort von dem Menschen in die Luft gesprengt werden oder klein und hässlich sind, einen Autschfinger haben und unsere Telefonrechnung in die Höhe treiben wollen. Aber grundsätzlich geht es darum, dass der Mystery Park unerklärliche Phänomene ins Bewusstsein bringt.
So weit ist die Idee noch gut. Wie wurde das nun umgesetzt? In der Nähe von Interlaken im Berner Oberland in wunderschöner Landschaft wurde ein kreisförmiger Komplex angelegt mit einem Zentrum und den Info-Pavillons drumherum angeordnet. So weit so gut. In den Pavillons gibt es in den meisten Fällen Sideshows (Ausstellungen) und Mainshows (Vorführungen). So weit so gut. Die Vorführungen reichen von Filmen über 3D-Filme bis zu Lasershows, die zwar nett gemacht sind (der eine Flugfilm war in einem Kino mit Glasboden, damit man auch unter sich gucken kann), aber irgendwie hat’s nicht so richtig gezündet. Vielleicht ist der Park noch nicht fertig oder sie haben was vergessen (nein, die Treppen sind Absicht…), auf jeden Fall ist… es… man… Nein, es fehlt was. Die Idee mit den Ohrclips, die mir die Infos übermitteln, abhängig davon wo ich mich hinstelle, ist gut. Die Geschichten sind gut und interessant, aber eben. Ich habe Optik und Akustik, aber die Haptik fehlt mir. Ich will etwas anfassen können. Im gesamten ist der Park wie eine Frau mit Körbchengrösse A. Beispiel: Nach der 3D-Show über Reisen zu anderen Planeten wird man mit den Worten entlassen von dem Alien-Tourist-Guide, man käme jetzt auf seine Welt. Dann latscht man zehn Meter gewunden durch eine kristalline Landschaft (hinter Glas) und das war es. Und in einem Merchandisingshop was holen, um was zum Fummeln zu haben kann es ja auch nicht sein. Multimedia-Rundgang kommt dem ganzen eigentlich nahe. Und dafür sind 48 Franken zuviel. Tipp: Macht mehr draus oder verlangt weniger dafür. Obwohl es im Puff ja glaub ich auch gleich viel kostet, egal wieviel dran ist. Hauptsache man kommt rein. Aber wahrscheinlich vergleiche ich da wieder einmal Äpfel mit Birnen.

Aktuell im Ohr: S Club 7 – Don’t Stop Movin’

Grabschänder

Abgelegt unter: Allgemein | 01.09.2003 (16:35) |

Jetzt weiss ich, warum die alten Ägypter oder Inkas, Mayas oder andere reiche Kulturen früher ihre Toten nicht nur einfach mit ihren Schätzen unter die Erde gebracht haben, sondern nebenbei auch noch etwas anderes hinterlassen haben. Ich spreche damit die eine oder andere Falle an oder auch die netten kleinen Flüche, welches zusammen genommen für eine lustige Dezimierung der Grabräuber sorgte. Vorausgesetzt, man glaubt daran, dass Flüche funktionieren und Fallen nicht nur bei Indiana Jones vorkommen. Ich bin der Überzeugung, dass auch in der heutigen Zeit solche Vorkehrungen noch Wirkung zeigen könnten, nicht unbedingt bei Gräbern, aber zum Beispiel bei Firmenkühlschränken. Man sollte meinen, dass persönliches Eigentum eine gewisse Bedeutung hat, also legt man seine Pausenverpflegung schon gerne in einen Kühlschrank, vor allem beim Umstand von über dreissig Grad draussen. Wenn die Pausenverpflegung (oder ein anderes Goodie) schokoladebasiert ist, trifft dies erst recht zu. Erstaunlicherweise kann man elektronische Geräte oder Schlüssel jedweder Art an beliebiger Stelle vergessen oder ablegen und nicht passiert, aber kaum ist eine Packung AfterEight (oder eine Kirschtorte oder Kekse oder Bonbons oder…) für einen kurzen Zeitraum unbeobachtet, stürzen sich Nachtschattengewächse wie die Hyänen auf die Leckerli. Der Mund soll euch zukleben, ihr Säue!
Gibt’s Maulseuche vom Klauen? Auf Kugelschreibern kann man gravieren “Geklaut bei kay-X”, aber auf einer Schoggi einen Text einzuritzen ist blöd. Chemikalien aufpinseln, die den Mund der verfressenen Ratte schrillpink färben für die nächsten (sagen wir) vier Wochen wäre eine interessante Alternative. Mäusefallen in harmlosen Verpackungen, warum nicht? Ich versuche es mit einer diskreten Kühlschrankaufschrift “Wer frisst hier hier anderen Leuten den Kram weg? Sparmassnahmen auch beim guten Benehmen? Um Ersatz wird gebeten”. Verworfen habe ich “Toucha my food and I breaka ya face” und “Ich weiss, wer du bist” ebenso wie “Ich weiss, was du letzten Sommer gefressen hast”. Ansonsten habe ich möglicherweise noch eine Webcam frei und streame zukünftig Keksentführer direkt ins Web. Verschlimmert wird das Ganze ja noch, weil ich die von meiner besseren Hälfte geschenkt bekommen habe. Verfluchen sollte ich vielleicht doch nicht, das fällt philosophisch betrachtet auf mich zurück, aber ein bisschen Blossstellung geht okay, Universum, oder? Oder ein bisschen wehtun? Ein ganz kleines bisschen? Für jedes Bisschen AfterEight ein bisschen AfterTritt? Ach komm! Dann sorg wenigstens dafür, dass die sich schämen und Ersatz liefern. Aber pronto!

Aktuell im Ohr: And One – Sometimes
« Vorhergehende Seite