Grabschänder

Jetzt weiss ich, warum die alten Ägypter oder Inkas, Mayas oder andere reiche Kulturen früher ihre Toten nicht nur einfach mit ihren Schätzen unter die Erde gebracht haben, sondern nebenbei auch noch etwas anderes hinterlassen haben. Ich spreche damit die eine oder andere Falle an oder auch die netten kleinen Flüche, welches zusammen genommen für eine lustige Dezimierung der Grabräuber sorgte. Vorausgesetzt, man glaubt daran, dass Flüche funktionieren und Fallen nicht nur bei Indiana Jones vorkommen. Ich bin der Überzeugung, dass auch in der heutigen Zeit solche Vorkehrungen noch Wirkung zeigen könnten, nicht unbedingt bei Gräbern, aber zum Beispiel bei Firmenkühlschränken. Man sollte meinen, dass persönliches Eigentum eine gewisse Bedeutung hat, also legt man seine Pausenverpflegung schon gerne in einen Kühlschrank, vor allem beim Umstand von über dreissig Grad draussen. Wenn die Pausenverpflegung (oder ein anderes Goodie) schokoladebasiert ist, trifft dies erst recht zu. Erstaunlicherweise kann man elektronische Geräte oder Schlüssel jedweder Art an beliebiger Stelle vergessen oder ablegen und nicht passiert, aber kaum ist eine Packung AfterEight (oder eine Kirschtorte oder Kekse oder Bonbons oder…) für einen kurzen Zeitraum unbeobachtet, stürzen sich Nachtschattengewächse wie die Hyänen auf die Leckerli. Der Mund soll euch zukleben, ihr Säue!
Gibt’s Maulseuche vom Klauen? Auf Kugelschreibern kann man gravieren „Geklaut bei kay-X“, aber auf einer Schoggi einen Text einzuritzen ist blöd. Chemikalien aufpinseln, die den Mund der verfressenen Ratte schrillpink färben für die nächsten (sagen wir) vier Wochen wäre eine interessante Alternative. Mäusefallen in harmlosen Verpackungen, warum nicht? Ich versuche es mit einer diskreten Kühlschrankaufschrift „Wer frisst hier hier anderen Leuten den Kram weg? Sparmassnahmen auch beim guten Benehmen? Um Ersatz wird gebeten“. Verworfen habe ich „Toucha my food and I breaka ya face“ und „Ich weiss, wer du bist“ ebenso wie „Ich weiss, was du letzten Sommer gefressen hast“. Ansonsten habe ich möglicherweise noch eine Webcam frei und streame zukünftig Keksentführer direkt ins Web. Verschlimmert wird das Ganze ja noch, weil ich die von meiner besseren Hälfte geschenkt bekommen habe. Verfluchen sollte ich vielleicht doch nicht, das fällt philosophisch betrachtet auf mich zurück, aber ein bisschen Blossstellung geht okay, Universum, oder? Oder ein bisschen wehtun? Ein ganz kleines bisschen? Für jedes Bisschen AfterEight ein bisschen AfterTritt? Ach komm! Dann sorg wenigstens dafür, dass die sich schämen und Ersatz liefern. Aber pronto!

Aktuell im Ohr: And One – Sometimes

One Comment on “Grabschänder

  1. …ach herje, alter Schwede. Dieses Phänomen der sich selbst ins nichts auflösenden Genussmittel in Firmenkühlschränken scheint ja globaler verbreitet zu sein als vermutet. Andererseits kann man sich mit dieser Erscheinung der Neuzeit auch durchaus arrangieren. Hier bei uns bringt halt jeder wieder mal einen Berg Leckerli mit der dann baldigst von allen anderen verfressen wird. Wenn das jeder in der Runde mal macht gleicht sich das A wieder aus und B kriegt man auch mal Fressereien, die man bis Dato noch gar nicht kannte, was in manchen Fällen durchaus auch einen positiven Eindruck auf den Geschmacksdings der Zunge hinterlassen kann….nuja….öh…..genau…..und überhaupt…..