Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Frauen haben nicht nur ihre Tage, sie haben auch ihre Valentinstage. Jedes Jahr, pünktlich zum Vierzehnten Februar, dieses Jahr genüsslich und prägnant direkt hinter Freitag dem Dreizehnten angesiedelt. Hätte man am Freitag schon des Samstags Damoklesschwert erkennen sollen? Letztes Jahr habe ich die Theorie vertreten, der V-Day sei von Geschäftsleuten im Allgemeinen und Blumenvertickern im Speziellen eingeführt worden. Falsch. Der Tag wurde von den Frauen erfunden zum Namenstag der heiligen Valencia, aber damit es nicht so auffällt, wurde der Tag umbenannt. Warum der Aufwand, mag man sich fragen. Keine X-Akte, keine Twilight Zone, alles ganz banal: Die männliche Vergesslichkeit. An einen Geburtstag oder an Hochzeitstage, da muss sich jeder individuell erinnern, das fällt schon mal zwischen Sportübertragung oder Besäufnis. Aber ein Tag, an den sich alle Männer erinnern sollen, auf EINEN Schlag, der multimedial und an jeder Ecke angekündigt und beworben wird, wie kann man DAS übersehen? Nicht. Tag der Verliebten, ja, ja, klar. Sicher doch. Nicht mit dem Zaunpfahl wird gewinkt, sondern mit mit einem kompletten Viehweidenzaun. Australische Abmessung.
Also sollte man denken, dass die Typen das verinnerlichen und rechtzeitig für benötigte Heuchelstauden sorgen. Und genau an dieser Stelle offenbart sich der weibliche Denkfehler: Männer haben nicht nur kein Erinnerungsvermögen an Daten generell sondern auch keines für aktuelle Wochentage. Wie sonst könnte es sonst sein, dass am Samstag, den 14.2. vor und in jedem Blumenladen rege Schlangenbildung herrscht? Interessanterweise lauter geschleimte Kravattenträger, Marke COOL, Label „Ich bin der Geilste“, nur auf dem Waschanleitungszettel steht „Intelligenzquotient wie Aubergine“ oder seine Adresse, weil er zu hohl ist, sich den Heimweg zu merken. Die haben also alle in letzter Sekunde bemerkt, dass sie abends nicht rüber dürfen, wenn sie kein Grünzeug anschleppen (wobei Salat nicht zählt) und benehmen sich am Blumenstand wie die Möven bei Finding Nemo.
Vielleicht wollen aber Frauen gar keine Blumen. Vielleicht soll es einfach nur ein bisschen mehr Aufmerksamkeit sein. Oder ein bisschen Zurückhaltung. Dass man sie beim Autofahren nicht aus Versehen fragt, seit wann die Strassenverkehrsämter auch Waffenscheine ausstellen. Dass man sich Zeit nimmt. Zusammen kochen, einen Spaziergang machen, ein Kärtchen schreiben mit einem Gedicht. Es macht nichts, dass neunundneunzig Prozent der Männchen sich schriftlich-romantisch nicht wirklich artikulieren können und meistens was Schweinisches raus kommt. Der Wille zählt. Aber was tut der digital erzogene Mensch in unserer analogen Welt: SMS schreiben. So lässt sich verhindern, dass man einen Gedanken grösser 160 Zeichen fassen muss. Ist schnell erledigt und man kann es fürs nächste Jahr abspeichern. In der Schweiz wurden am Valentinstag achtzehn Millionen SMS verschickt. Bei grade mal so um die sieben Millionen Einwohnern. Aha! Wer hat da wohl mehr als ein Eisen im Feuer?
SMS = Schnell, Mach Schnell!
Fehl am Platz finde ich SMS nur zu wirklich persönlichen Anlässen. Der Valentinstag zählt für mich nicht zur Kategorie persönlicher Anlass.
Umso origineller fand ich in Punkto ‚Valentin‘ in diesem Jahr übrigens Freitag, den 13. Februar.
;)