Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Freitag ist, der Dreizehnte des Monats, und viele Leute werden sich heute nicht aus dem Haus trauen, an Hasenpfoten reiben, Hasenpfoten in die Hose stecken, Salz über die Schulter werfen, statt nach vorne, weil der Gehweg vereist ist, eine rosarote Brille anziehen, damit die schwarzen Katzen weniger bedrohlich wirken. Und so weiter. Ich bin nicht abergläubisch, wobei ich aber glaube, dass es durchaus Dinge gibt, die sich nicht erklären lassen. Obwohl ich am heutigen Tag nicht im geringsten Sorgen habe, gebe ich ein anderes Phänomen zu: Ich kann nicht unter Leitern durchgehen. Geht nicht. No way. Ich klopfe auch nicht den ganzen Tag auf Holzköpfe, weil das was bringen sollte, ich rubble nicht an fremden Kaminfegern rum und Marienkäfer lasse ich in Ruhe. Aber die Leitern… Wo das wohl herkommt? Vielleicht hat das ja Gründe in einem früheren Leben. Vielleicht war ich ja mal Leiter von irgendwas und habe dort kläglich versagt. Oder ich bin von einer Leiter gestürzt und dabei in dieses Leben gekommen. Dann würde es aber mehr Sinn machen, nicht auf Leitern zu klettern, anstatt nicht unten durch zu gehen. Oder ich habe generell eine Abneigung dagegen, irgendwo unten durch zugehen. Ich bin ein Überflieger. Oder Tiefflieger. Oder ein Schieflieger. Was aber, wenn wirklich früher was war? Habe ich mir irgendwann ins Karma gespuckt?
Apropos Karma: Gibt es auch Karmaschinken? Ach, Quatsch, das wollt ich doch gar nicht fragen. Karma. All unser Tun und Handeln hat einen Einfluss auf unsere nächste Existenz. Deshalb habe ich bei meinen ganzen Lästereinträgen auch die Karma-Funktion ausgeschaltet, ich muss ja nicht jeden Tag sehen, dass ich eigentlich schon ein Plätzchen an einem sehr warmen Ort (nein, nicht die Karibik) auf sicher haben könnte. Wenn ich mir das recht überlege, dann habe ich mich ja eigentlich schon ziemlich tief reingeritten und demzufolge würde ich doch eigentlich jetzt karmassive Narrenfreiheit haben. Theoretisch. Dann könnte ich mich nämlich auch fragen, warum Opernsängerinnen in der Regel aussehen wie in Fesselballons gehüllte Seelöwen. Ich glaube es gibt nur eine, die auch optisch was hermacht. Von der könnte man im CD-Booklet dann doch eigentlich ein Mittelteilausklappbild machen, so wie es in anderen Magazinen, die ich noch nie gelesen habe, welche gibt. Das kann man mit normalen Jaultussen nicht machen, weil der Papierverbrauch für deren Poster mit den Holzvorräten des Regenwaldes radikal aufräumen würde.
Und was heisst wohl „Leck mich“ auf japanisch? Ein kleiner Knipstourist grinst dich an und will ein Foto von sich und a) seiner Frau, b) seinen 754 Begleitern aus dem gleichen Reisebus oder c) mit einem ortsansässigen Monument, bei dem er nicht mal weiss, aus welchem Land es stammt und er grade steht. Ihm Dann sowas vor den Kopf zu klatschen (lächelnd wie die aufgehende Morgensonne), das wäre sicher interessant. Ob er dann auch so grosse Augen macht wie Bambi bei der Begegnung mit den Scheinwerferkegeln eines Gemüselasters? Tja, wärst du bloss ein Elch und der Laster eine A-Klasse. Oder wärst du bloss nicht unter dieser Hochsitzleiter durchgegangen.