Das Leben ist keine DVD

Obwohl, gewisse Ähnlichkeiten hat es ja doch. Ganz am Anfang, da drückt jemand auf PLAY und los geht es. Aber mehr oder weniger war es das dann auch schon. Denn: Wenn ich in den Laden gehe und mir DVD’s ansehe, dann kann ich mehrere auswählen und mir dann eine oder zwei rauspicken, die mir gefallen könnten. Auf den Hüllen sind Bildchen und die Story wird in der Regel kurz erklärt. Nicht so beim Leben, da gibt es keine Klappentexte und üblicherweise ähnelt das Endprodukt auch eher einem Experimentalfilm eines Kunsthochschulstudenten als an eine durchorganisierte Hollywoodschaukelproduktion. Auch wenn die Scheibe dann einmal läuft, da ist nichts mit Menü und Kapiteldirektanwahl, da geht man eins nach dem anderen an. Keine Sprungfunktion für Unerfreuliches und kein Replay für Dinge, die einfach toll waren. Allerdings ist ja wiederholtes Betrachten auch nicht mehr das Gleiche, denn der Überraschungseffekt ist weg. Dann doch lieber immer wieder neue Erfahrungen? Zugegeben, Sound und Grafik ist beim Leben nicht zu toppen, schliesslich hat man ständig Surround-Sound und glasklares Bild, auch ohne fündundzwanzig Kilometer Kabel durch die Wohnung zu ziehen und am Ende zu rätseln, welcher Stecker jetzt in welche Buchse kommt. Das geht unmittelbarer.
In der Regel hast du beim Leben auch keine Collectors Edition mit zusätzlichem Bonusmaterial. Was denn? Die Geburt Reloaded? Making Of erstes Mal? Die Zusammenstellung der Dinge die etwas schief gelaufen sind mögen durchaus die Länge des Hauptfilmes übertreffen und ich muss nun ehrlicherweise auch nicht aus fünf Kameraperspektiven sehen, wie ich vom Fahrradsattel gerutscht bin und mir gewisse Zentralorgane gequetscht habe. Natürlich kann man, wie ich das auch schon einmal angeregt habe, die SLOW-Taste drücken und dadurch etwas zurücklehnen und die Welt um sich betrachten, aber PAUSE und aufs Klo rennen oder kurz zum Kühlschrank, damit kann „Leben – Der Film zur Realität“ nicht dienen. Echtzeit, unverfälscht, ganz grosses Kino oder einfach billiges Reality-TV, abhängig davon, was man daraus macht. Keine Fortsetzung, aber immerhin auf Dauersendung. Wie Teleshopping, was den qualitativen Vergleich jetzt natürlich etwas hinken lässt. Natürlich hätte beides seinen Vorteil (ich denke jetzt an die Sprachumschaltung, was Ferien in fremden Ländern überaus erleichtern würde), aber wir sind nun an das eine gebunden und verwenden das andere zur Unterhaltung. Selbstverstänlich kann man auch „Leben – Das Leben zum Leben“ zur Unterhaltung verwenden. Wenn man es geniesst und wirken lässt. Dabei dann nur noch daran denken: Es gibt gute und schlechte Filme, wenn man aber Regisseur, Autor, Produzent UND Darsteller in einer Person ist, was hält einen davon ab, einen guten Film daraus zu machen? Bräute in engen Lederklamotten und mit Kanonen MÜSSEN ja nicht unbedingt dazu gehören. Jemand Popcorn?

Aktuell im Ohr: Stille. Die ganzen Radio-Besitzer sind schon nach Hause

3 Comments on “Das Leben ist keine DVD

  1. "Geburt Reloaded" wäre doch mal fein. Und Susan Stahnke wäre zu Demonstrationszwecken da sicherlich eine adäquate Kandidatin. Die Regionen des Geschehens liegen ja doch unmittelbar beieinander.

    Meine allzu rege Fantasie bringt mich irgendwann noch um.

  2. Hey aber das Leben geht auch weiter wenn man schläft (standby) ist.
    Nicht zu vergessen ist die taktile Wahrnehmung. Das fehlt bei DVD komplett auch Gerüche sind komplett weg.