Read my lips

Wieder einmal zerrt eine Zeitung die schon recht angestaubte Untersuchung an den Tag, dass zehn Minuten Brüstegucken pro Tag lebensverlängernde Einflüsse hat. Das gründe auf verbesserte Durchblutung und die Ausschüttung von Endorphinen. Nein, das hat nichts mit Flipper zu tun. Also singt man nicht täglich sein „OMMMM!“, sondern zieht sich Seite 3 einschlägiger Printprodukte rein und schon tritt man dem Tag stramm entgegen. Statt Prozac ein Jahresabo von Praline. Warum auch nicht? Ja, warum? Ganz einfach. Es gibt in den meisten Beziehungen einen ganz klaren Grund, warum auch nicht: die Partnerin. Last mich das mal erklären. Der Mann an und für sich ist ein Gaffer. Boah, guck‘ ma‘! So in dem Stil. Augen starr und eine durchtrainierte Nackenmuskulatur. Doch eines Tages passiert es und in der Regel gerät er an eine Frau, mit der er sich zusammentut und die offensichtliches Gaffen nach anderen Weibchen zutiefst primitiv und völlig unpassend findet. Das sagt sie ihm natürlich auch umgehend. Deutlich. Das sieht dann ungefähr SO aus:

Zehn Minuten gucken, längeres Leben, aber nichts davon haben, weil mann zwei Wochen nicht ran darf. Also mutiert das Männchen zum Kopfneiger und wird darauf konditioniert, eben genau NICHT zu kucken. Er wird zur Spezies des verhinderten Gaffers (luckus geilus vulgaris). Das wiederum bedeutet nun, schenken wir der oben angeführten Studie Glauben, dass durch fehlendes Betrachten von nackten Brüsten das Leben kürzer wird. Ja, warum sterben Männer früher als Frauen? Weil sie es WOLLEN! Ich nicht. Ich habe eine Freundin, die ist da ganz anders. Irgendwie erschreckend. An Kiosken habe ich ja schon manche Stunde meines Lebens verbracht. Ähnlich wie Bücher finde ich Zeitschriften überaus interessant (naja, nicht alle), das mag wohl daran liegen, dass beides aus Papier ist und entweder Buchstaben oder bunte Bildchen drin sind. Nun schlender ich da so lang und da fragt mich doch meine Eine: „Du sieh mal, willst du nicht noch den Playboy mitnehmen?“ Schocksekunde. Und ich denk: „FANGFRAGE“! Aber falsch! Sie meinte das wirklich so. Ich liess dann schnurstracks mein früheres Leben kurz Revue passieren und kam zu dem Schluss, dass da doch irgendwas nicht stimmen konnte. Tat es aber, ich hätte da eigentlich alles mitnehmen können. Wollte ich aber nicht. Auch nicht den Playboy. Da sind die Mädels nämlich nackig. Was ja an und für sich nicht schlimm wäre, nicht dass mir da jetzt jemand eine Miss versteht.
Aber ich griff dann doch beherzt zur Maxim (oder FHM, hallo Göögle), weil ich mag nun mal das etwas verhüllte, wo der Kopf auch noch an der Betrachtung beteiligt ist. Was hab ich davon, wenn ich bei einem Model die Mandeln erkennen kann? Von UNTEN? Nichts. Erotische Spannung, sage ich da nur. Nicht niederstes Bumsbudenniveau. Wenn ich sowas haben will, dann schalt ich auf RTL2. Nach Mitternacht. Nur für die Werbespots. Da hin, wo Frauen aus meiner Nachbarschaft aus Leidenschaft Bekanntschaft suchen. Wenn DIE in meiner Nachbarschaft wohnen würden, ich wär der erste, der die Türen und Fenster vernageln würde. VER, klar? VER!

Aktuell im Ohr: Depeche Mode – In Your Room (Portishead Remix)