Der Tag hat 24 Stunden

Wenn das nicht reicht, dann nehmen wir eben noch die Nacht hinzu. Wo kommt bloss die ganze Zeit hin? Wo kommen wir hin, wenn die ganze Zeit dauernd wegkommt? Ich war ja noch nie der Hellste (halt, stop, noch nicht freuen, der Satz geht noch weiter), was Zeitmanagement anbelangt. Hm. Warum heisst das eigentlich nicht Zeitwomanagement? Egal. Also in Sachen Zeiteinteilung, Zeitaufteilung und optimale Nutzung des Ein- und Aufgeteilten, da hapert es bei mir. Oder ich nehme mir einfach zu viel vor. Oder ich mache zu wenige Dinge gleichzeitig. Entweder habe ich zu wenig Schlaf, zu wenig Zeit zum Lesen, zu viel Zeit zum Werbespots schauen, zu wenig, zu viel, zu wenig, zu viel. So geht das nicht. Das muss optimiert werden. Optimierung durch gleichzeitige Abarbeitung verschiedener Tasks. Ich bin also kein Zeitmanager sondern ein Taskmanager. Wenn Windows das kann, warum dann nicht ich. Abstürzen geht ja schliesslich auch. Bloss die richtige Zusammenstellung muss erst gefunden werden, denn nicht alles was Sinn macht, ist technisch auch umsetzbar. Schlafen und essen gleichzeitig: nicht gut. Duschen und Toast machen: ungeschickt. Zähne- und Fensterputzen: optimal, solange man die gleichen Bewegungen machen kann, da meine zwei Hände gleichzeitig keine verschiedenen anspruchsvollen motorischen Bewegungen machen können. Fitnesstraining und Fernsehen passt auch, ausgenommen Bauchmuskeln in Kombination mit Hardcore-Comedy. Ist leicht irritierend. Für die Muskeln. Essen und Fernsehen. Eigentlich kann man beim Fernsehen fast alles machen. Ausser vielleicht Playstation spielen. Per Splitscreen. Versucht euch mal auf präzises Hüpfen und schiessen zu konzentrieren, wenn in der zweiten Bildhälfte Talkshows mit Hausfrauenstrip oder akustische Castingshowvergewaltigungen gezeigt werden.
Oder Dr. Stefan Krank, der Arzt, den die Frauen verhauen. War da eigentlich zuerst der Schundheftchenroman oder die Schundfernsehserie? Kürzlich angetroffen auf einem Wohnzimmertisch: Ein Exemplar von Frankschem Druckwerk, mit dem Untertitel „Von roten Rosen und falschen Schwüren“. Häh? Was hat das mit einem Arzt zu tun? So passt das auf die Heimatschiene oder zu Habib, dem romantischen Gärtner aus Leidenschaft. Bei einem Doktorchen muss das heissen „Von roten Rosetten und falschen Geschwüren“. Dann klappt es auch mit der Nachtschwester.
Apropos Ärzte und Schwestern: Wenn man in einem Spital genau zur gleichen Zeit essen geht wie die ärztliche und schwesterliche Belegschaft (belegt da eigentlich das eine das andere?), man kommt sich vor wie in einer Schneelawine. Da träume ich doch von bunten amerikanischen Kittelchen. Oder ich träume generell. Von einem Bett. Und viel Zeit zum Schlafen. Im übrigen werde ich zukünftig ein Pyjama tragen mit der Aufschrift: „Beim ersten Klingeln bitte wenden“.

Aktuell im Ohr: Annie Lennox – No More I Love You’s