Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Darf ich im Abwesenheitsassistenten meiner Büro-Mailbox den Eintrag hinterlassen „Wegen so Idiotenmails wie IHREM muss ich mir heute einen Tag frei nehmen“? Oder „Wenn mir alle Leute so einen Mist schicken würden wie SIE, dann müsste ich dauernd besoffen sein, um es zu überstehen“? Darf ich das? Schliesslich ist es ja ehrlich. Nicht ganz höflich, wie man es in Kreisen der Puderzucker-in-den-Arsch-Bläser so gerne propagiert, aber ehrlich, aus tiefstem Inneren. Wahr. Darf ich zum Chef einer anderen Abteilung gehen und um Entlassung einer Mitarbeiterin bitten, weil die blöd wie ein Kartoffelkäfer ist und auch noch so aussieht? Nur viel grösser. Abwahl wegen kompletter Unfähigkeit und Verfehlen des Berufes um Hundertgazillionen Prozent. Darf ich das? Oder muss ich das sogar? Darf ich einem Autofahrer, der mir auf dem Zebrastreifen fast sein Profil auf die Schuhe zeichnet hinten in den Kotflügel treten und ihn danach auf Schmerzensgeld verklagen, weil ich den härtesten Teil des Autos getroffen habe? Steht alles nicht im Knigge oder anderen Benimmbüchern. Das sagt einem im Normalfall auch niemand. Dass man am Esstisch nicht popelt hat sich rumgesprochen, dass man als Mann in Begleitung nicht dauernd anderen Frauen auf die… in die Augen starrt, ist auch sehr verbreitet. Für so viele Dinge gibt es Bücher, Anleitungen, Gebrauchsanweisungen. Steht eigentlich in diesen Auto-Handbüchern drin, dass sich Frauen nicht die Nägel machen sollten während dem Fahren? Oder dass Schminken beim Überholen ganz, ganz schlecht ist? Eben. Keine Tiere in Mikrowellen zu trocknen braucht man auch nur wegen der Amis zu verbieten.
Hm. Ich glaub der letzte Satz war grammatikalisch etwas schief. Aber Grammatik war nie meine Stärke. Dafür war ich in Rechtschreibung mies und in Interpunktion schwach. Fälle. Wenn ich das schon schreibe! Fälle. Rettet dem Dativ. Aber ich kenne sie alle. Akkusativ (hat nichts mit Batterien zu tun), Dativ (öfters in P*rn*s eingesetzt), Genitiv (das Gegenteil davon) und Nominativ (da fällt mir nun aber nichts zu ein). In der heutigen Zeit müsste man die Grammatik eigentlich noch um zwei weitere Fälle erweitern. Das würde dann SO aussehen:
Akkusativ: Der Herd ist für die Frauen.
Dativ: Die Frau steht vor dem Herd.
Genitiv: Die Frau steht an der Vorderseite des Herdes.
Nominativ: Die Frau kocht.
Primitiv (m): Koch was!
Sensitiv (w): Schatz, gehn wir ins Restaurant?
Schlechtwetter-Addon: Darf ich diesen verkniffenen Muffeln, die bei Regen den Schirm so tief halten, dass man fast nur noch ihre Fussspitzen sieht, entgegen springen und vorne aufs tragbare Regendach hauen und hoffen, sie erleiden einen Schock? Darf ich? Oder darf ich ich Bilder knipsen von Leuten, die voll bescheuert rumlaufen und sie ins Internet stellen um die Welt teilhaben zu lassen? Nein, darf ich nicht, ich weiss. Persönlichkeitsschutz. Als ob DIE Persönlichkeit hätten. Aber nur weil es ein bisschen regnet gleich einen der hässlichsten Hüte aufzusetzen ist nun echt nicht nötig. Das Teil sah aus wie diese genoppten Siebzigerjahre-Badekappen. Um auf der Strasse Badekappen zu tragen ist es nun hundertprozentig noch nicht nass genug.
Und wir schreiben den 8. Oktober. Sachmal, wie lange bist’n du unterwegs?
Vielleicht wurde das ja noch schlimmer und er kommt erst am Wochenende an?!
darf ich im geschäftlichen Umfeld …
… die Frage "kann ich Sie mal was Fragen" mit "tut mir leid, aber das müssen Sie selber ausprobieren" beantworten??
… oder "haben Sie Stelle frei zum putzen" mit "ja,putz dich"??
… oder "können Sie mal in mein Büro kommen" mit "könnte rein theoretisch schon,aber da Sie was von mir wollen, müssen Sie sich schon bequemen bei mir vorbei zu kommen"??