Peitsch mich, schlag mich, gib mir Pflanzennamen!

Gewisse Menschen sollte man nicht unterschätzen. Sehen nett und freundlich aus, geben vor, dir etwas Gutes tun zu wollen, aber irgendwo tief drin, da sind sie Abkömmlinge von Marquis de Sade und leben das nicht nur aus, nein, sie bekommen auch noch Geld dafür! Von Krankenkassen! Bei uns im Haus tragen die allerdings kein Leder sondern blaue Baumwolle und nennen sich nicht Dominas, sondern Physiotherapeutinnen. Mel Gibson konnte sich in Braveheart beim Foltern wenigstens einfach hinlegen, aber nein, ICH muss schuften! Eigentlich eine clevere Entwicklung, der Kunde tut sich selber weh und die Anpeitscherin hat Spass dran ohne was zu tun. Dabei wäre das am Morgen so schön, man liegt auf der Matte, überlegt sich seine Übung und wünscht sich eigentlich nur, dass jemand kommt und einen zudeckt, aber das geschieht natürlich nicht. Eher steht jemand neben einem und sagt: „So, jetzt will ich aber was sehen“. Schon geht das Geackere los. Dann wird auch noch gemeckert, wenn ausnahmsweise ein Muskel nicht korrekt gespannt wird. Na hallo, arbeiten, bezahlen UND noch rumkommandiert werden? Hm. Waren Physiotherapeutinnen in einem früheren Leben Anpeitscherinnen auf Galeeren oder sind es einfach Reinkarnationen des Drill Sergeants aus „Full Metal Jacket“? Ja, ich weiss, ich meckere hier über Leute, die mir Gutes tun. Nein, ich meckere nicht über die Menschen, sondern über die Methoden. Es ist doch noch MORGEN! Aber dass die Muskulatur wächst und gedeiht ist doch auch was Schönes. Also nicht stänkern.
Nur ist es ja generell so, dass man Schlechtes eher hört als Gutes. Sei es als Lob im Job oder in den Nachrichten. Aber die Menschheit scheint ja so geil drauf zu sein, von anderer Unglück zu hören. Hauptsache die und nicht ich. Deshalb sind die News und Zeitungen voll mit negativen Nachrichten, weil der Mensch von heute das will, andererseits dabei auch konsequent abstumpft. Oh sieh mal, schon wieder ein Krieg. Erst der zweite diese Woche. Ob wir wohl noch einen bekommen? Man sieht nicht mehr auf die Wetterkarte sondern auf die Weltkarte und denkt: Ob’s heute wohl noch kriegt? Mitschuldig an der ganzen Sache ist bestimmt das Zusammenrutschen des Planeten durch die technischen Möglichkeiten in der Nachrichtenübermittlung. Die Welt ist heute nicht schlechter als früher, man bekommt nur jeden Mist mit. Wenn in einer Am-Arsch-der-Welt-Provinz Chinas einem Reisbauern das Fahhrad geklaut wird, dann kann ich das dreissig Minuten später im Internet lesen oder am nächsten Tag in der Zeitung als Randnotiz (etwas grössere Randnotiz, wenn dadurch ein Bürgerkrieg ausgelöst wurde), aber interessiert es mich? Nein. Aber ich denke dann: Boah, in China klauen die auch Velos. Ist ja wie in Amsterdam. Bloss liegt da zusätzlich noch Hundekacke rum. Stellen wir uns mal vor, eine ganze Tagesschau würde mit positiven Nachrichten gefüllt. Da würde jeder weiterzappen, weil er denkt, er sei in der falschen Sendung gelandet. Würde auch keiner hören wollen, dass es einem anderen Menschen besser geht. Da kommt dann der Neid zum Vorschein und manch einer denkt sich, dass man demjenigen, dem es gut geht, eigentlich auf die Fresse hauen sollte. Womit sicher gestellt wäre, dass am nächsten Tag die Nachrichten wieder das zeigen, was wir so gewohnt sind. Warum lassen wir die anderen nicht einfach mal so wie sie sind? Nicht besser und nicht schlechter als wir selber? Ich will nicht beim Urlaub in Australien in einer Randnotiz lesen müssen, dass in der Schweiz ein Chinese mit gestohlenem Fahrrad überfahren wurde, weil sich zwei zivilisationsgestresste Autofahrer (die nicht wirklich Probleme haben ansonsten) wegen Ersparnis einer Minute auf dem Arbeitsweg gegenseitig die Vorfahrt zu klauen versuchten. Und bitte, was mach ich mit einer Vorfahrt? Ins Regal stellen? Nein, also bitte.

Aktuell im Ohr: Pearls – When Winter Calls

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