Da war doch noch was…

Stimmt. Genau. Jetzt fällt es mir wieder ein. Im vorigen Eintrag startete ich im Titel zwei Dinge, von denen ich aber nur eins abschloss. Weil zu Capri fällt mir ja dann eigentlich schon auch noch etwas ein. Da wär ich vor einigen vielen Jahren zwecks Ausflug. Grundsätzlich befand ich mich ja damals mit einer nicht näher erwähnenswerten Person auf einer Kreuzfahrt durch das östliche Mittelmeer mit einem dieser leicht pompösen italienischen Tuckenkutter. Das Schiff an und für sich war recht schick, nannte (und nennt sich heute noch) Costa Classica und hätte sicher auch Spass gemacht, wenn nicht das Publikum, das man darauf eingelagert hatte, aus zwei Gruppen bestand, die einzeln schon kaum zu ertragen sind. Anlass der ganzen Reise war, dass damalige Begleitperson die Reise bei der Glückspost (Schweizer Unterhaltungspostille für Halbsenile, etwa wie Post für die Frau, Herz für die Frau, Glück für die Frau, Kotztüte für den Rest) gewonnen hatte. Ich bin dann natürlich mit und habe unter dem Gedanken der mitkommenden Solidarität meine Reise komplett alleine gezahlt. Ich durfte dann andere Sachen regelmässig auch selber machen, aber das ist eine andere Geschichte. Hm. Obwohl, bei der Schmutzfantasie der hier verkehrenden Leser muss ich wohl doch präzisieren: Sport! Die gewonnene Kreuzfahrt wurde dann natürlich anlässlich einer Glückspost-Leserreise durchgeführt, in Begleitung von Beny Rehmann und Band. Wie soll ich den umschreiben? James Last für Arme? Helvetischer Umpta&Täterä-Sound für Halbtaube? Geschmacksexekutierer für musikalisch noch nicht total Verblödete? Egal, ich glaube, man erkennt, worauf ich hinaus will. Unnötig zu sagen, dass das gemeine Publikum aus der Schweiz sämtliche Hits möglichst atonal mitsummen konnte (glücklicherweise war kein Sangesverbrecher mit dabei). Und das bereits im Bus auf der Anreise nach Genua.
Die zweite Gruppe waren die italienischen, neureichen Altjugendlichen, die sich für was Besonderes hielten, weil sie sich eine Kreuzfahrt leisten konnten. Entsprechend hochnäsig sind die dann auch rumgestiefelt. Mit abgespreizten kleinen Fingern Puffbrause schlürfen erforderte dort noch nicht einmal Abkehr von der Heterofront, das gehörte einfach dazu. Von beidne Gruppen gab es selbstverständlich genügend Leute, die aus verschiedenen Intentionen den Tagesausflug nach Capri mitmachen wollten. Die Schweizer, weil das in diesen tollen Romanen und Filmen immer vorkommt, die Italiener, weil man dort völlig überteuert den gleichen Stuss einkaufen kann wie auf dem Festland, man dort aber nicht hip ist. Die Überfahrt von Napoli (für die Deutschen: Neapel) nach Capri (nein, das wurde NICHT nach den Hosen benannt, sondern umgekehrt, wie der Bikini nach dem Atoll und nicht umgekehrt) begingen wir mit einem Tragflächenboot, was bei leicht unruhigem Seegang für lustiges Gedränge vor der einzigen Toilette an Bord führte. Vor allem unsere lieben kleinen Japaner hatten interessante Gelbvarianten in der Gesichtsfarbe. Wenn man allerdings eine halbe Stunde lang kotzende Sushi-Sans an sich vorbeirennen sieht, dann wird einem doch auch leicht mulmig. Aber dann waren wir ja da. Wir haben die Sonne zwar nicht untergehen sehen (zu früh am Tag) und wir waren auch nicht in der blauen Grotte (zu viele Touristen), aber Capri war irgendwie nett anzuschauen. Nur, warum man dann in einer Parfumerie Duftwässerchen einkaufen geht, die es zuhause billiger gibt, das verstehe ich nicht. Wahrscheinlich, weil Sissi hier war. Die hat sicher auch dort eingekauft. Ja geh, Fraanzl, siagst di kootzenden Japaaana? Feeesch!

Aktuell im Ohr: Faithless – God Is A DJ