Dichtung und Wahrhe… Dichtung

Der Regen prasselte auf die Plantage nieder. Die Äste der Bäume wiegten sich im Wind des Sturmes. Sie starrte in die Nacht hinaus und atmete schwer. Regen und Wind vermochten kaum die schwüle Hitze des Tages zu vertreiben. Ihr dünnes weisses Baumwollkleid war feucht, ein Schweisstropfen perlte zwischen ihre vollen Brüste, die sich gegen den weichen Stoff drängten. Wo war er nur? Er hatte doch sofort zurückkommen wollen. Sie hoffte inständig, dass nicht schon die Nordstaatler bis hierher vorgedrungen waren. Nein, da war er, er eilte die Stufen der Veranda hoch, riss die Tür auf und trat zu ihr in den Salon. Im Schein der flackernden Kerzen sah sie sein freches Grinsen. Seine Augen funkelten sie an. Sein nasses Haar hing im ins Gesicht, sein Oberkörper war nackt und er war nass von Kopf bis Fuss. Schnell trat er zu ihr und hob sie auf seine muskulösen Arme. Dann trug er sie die breite Treppe in das obere Stockwerk hoch. Ihr Herz klopfte, fast glaubte sie, man müsse es durch den Hauch von Stoff sehen können, wie ihre Leidenschaft pochte. Mit dem Fuss stiess er die Tür zum Schlafzimmer auf. Das weiss gedeckte Bett lag jungfräulich vor ihnen wie eine Blumenwiese voll Margariten. Er legte sie ab und kniete sich über sie. Sie reckte ihr Gesicht hoch und streckte ihm ihre vor Erwartung bebenden Lippen entgegen. Er küsste sie erst sanft, dann leidenschaftlicher und wilder. Ein warmer Strom durchfloss ihren Körper wie glühende Lava. Näher schmiegte er sich an sie und sie konnte die Hitze und Stärke seiner Liebeslanze spüren. Ein Nichts von dünnem, nassem Stoff trennte sie jetzt noch. Sie vergrub ihre Finger in seinen Haaren. Sie wollte nichts mehr, als dass er sie jetzt nahm, genau hier und jetzt. Er blickte ihr tief in die Augen. Seine Hände strichen über ihre nackten Schultern und schoben langsam das Kleid zur Seite. Plötzlich packte es das Kleid und zerriss es. Erst erschrak sie, doch dann, als sie so nackt vor ihm lag und seine Hitze mehr spürte als diejenige von draussen, da reckte sie ihm ihren Körper entgegen und… Nun aber mal ernsthaft, meine Damen. Solche Geschichten verkaufen sich zu Millionen an eure Gattung und werden verschlungen, im Bett, im Zug, in Cafés. Eigentlich immer wieder die gleichen Geschichten, aber halt variiert in der Zeit oder im Ort. Entweder das schwüle Südstaatenambiente, das noble englische Herrenhaus oder der abenteuerliche Aussenposten im afrikanischen Busch. Auf die extrem unrealistischen Arztromane will ich hier noch nicht mal eingehen. Seid ihr wirklich SO einfach gestrickt? Ihr gebt es aber nicht zu? Ist doch nicht schlimm. Sagt doch auch keiner was. Aber nur, wenn ihr euch in Zukunft verklemmt, über Geschichten das Maul zu zerreissen, wo der Hengst von einem Klempner an der Tür klingelt und wenn sich die Stute von einer Hausfrau vorbeugt, um ihm ihre Rohre zu zeigen, da zeigt er ihr erst mal seines. So was in der Art. Ist nicht so wahnsinnig viel anders als der Kram, den ihr euch reinzieht. Aber es ist an realistischeren Orten (für Männer): Autowerkstatt, beim Einstellungsgespräch, auf der Soldatenstube. Natürlich würde das auch an exotischeren Orten klappen, aber erwiesenermassen sieht ein Klempner am Palmenstrand ziemlich deplatziert aus. Ich warte immer noch auf den Moment, wo auf der Veranda in Georgia oder South Carolina ein bodygebuildeter Automechaniker steht und die Dame des Hauses (im weissen, aus handgepflückter Baumwolle hergestellten Kleid) fragt: „Darf ich Ihnen zeigen, wie ein Einspritzer funktioniert, Miss?“

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5 Comments on “Dichtung und Wahrhe… Dichtung

  1. …mich überkam ein leichtes Schockgefühl, anfangs zumindest…regte sich doch der unwahrscheinliche Verdacht, der Daniel wäre zur Gilde der 10-Groschen-Liebes-Roman Schreiber gewechselt…welch täuschend echte Verwirrungstaktik der Meister der Buchstaben doch hier wieder subtil einsetzt…..wenige Zeilen später gehen die Alarmheulen bei mir wieder aus und ein beruhigendes Gefühl des inneren Friedens kehrt wieder ein, .. hochwohlverehrter Daniel setzt mit einem unerwarteten und mitten ins Gesicht fliegenden Frontalangriff die Tatsachen wieder einmal in göttlicher Wahrheit dar und stellt ein für alle mal klar, wo der Bartel den Most herholt… Meine Verehrung, auf Wiedersehn…..

  2. als ich das wort "liebeslanze" hörte, wurde mir ganz schlecht….brrrrrr….

    vielleicht solltest du dir mal "ihre nacht" auf http://www.mondkuss.de unter den augenblicken durchlesen…

    es erzählt alles und doch nichts…smile

    aber keine angst…in meinem kopf nenne ich die dinge auch beim namen…

    und es ist schön so herrlich versaut zu sein ;o)