Erlebnistourismus

Als Reiseleiter eures Vertrauens war es mir wieder einmal ein Anliegen, mich an einen Ort zu begeben, wo viele von euch sicher noch nie waren und sich möglicherweise ohne Begleitung auch nicht hintrauen. Es gibt sie in verschiedenen Städten, mehr oder weniger günstig gelegen und sie treten in verschiedenen Formen auf: Sex Shops. Da es mir nicht so liegt, in Rotlichtvierteln rumzuschlurfen und mich mit Hut und Mantel vor allfälligen Bekannten zu verbergen, die ihrerseits mit Hut und Mantel dasselbe versuchen, wählte ich die etwas freundlichere Umgebung. Nun befindet sich diese entweder in einem Beate Uhse Megastore (wo das Personal, das ich bisher da angetroffen habe – also nicht, dass ich jemals dort gewesen wäre – entweder eine etwas abgekämpfte Hausfrau oder ein schmierig grinsender Macho war) oder aber in einem Erotikmarkt. Uhse ist in rot und schwarz gehalten, wahrscheinlich um irgendwie an alte Zeiten zu erinnern, wo Sex noch als verrucht galt und unter der Bettdecke bei gelöschtem Licht stattfand und nicht bei Scheinwerferlicht im zentralen Touristenbrunnen der Stadt zur Haupteinkaufszeit. Weil halt grade ein Fernsehsender eine Reportage dreht. Im Erotikmarkt, in dem ich heute war, da war einerseits sehr freundliches, junges, aufgewecktes Personal, andererseits kam man sich eher vor wie im Supermarkt beim Spaghetti und Salat kaufen. Hohe Decke, viel Licht und übersichtliche Regale. Fehlten eigentlich nur die kleinen Schiebewägelchen um zwischen den Angeboten rumzukurven. Apropos Angebot: Gut zwei Drittel der Verkaufsfläche werden von Videos und DVDs eingenommen, die so ziemlich jede erlaubte Spielart von Körperkontakt aufzeigen und ich rede jetzt NICHT von Sport (Juhuu, ich bin schon wieder Erster!). Recht plakativ und offensiv bekommt man eine ganze Menge Fleisch zu sehe und ich rede jetzt NICHT von dem aus der Metzgerei (Darf es ein bisschen mehr sein? Oh, es wird ja schon mehr!). Effektiv geht es dabei um relativ unbekleidete (abgesehen von High Heels) Menschen, die sich miteinander vergnügen und ich rede jetzt NICHT von Scrabble (Wieviele Punkte gibt „Fellatio“? Eine Menge!). Interessanter wird es allerdings in der anderen Ecke, wo es losgeht mit Unterwäsche in allen Formen, Farben und Materialien. Da hat es Löcher an Stellen wo man sich fragen muss, wie jemand auf die Idee kam, dass es dort Löcher BRAUCHT. Spitze, Seide, Nylon, Latex, Lack und Gummi, Material bei denen einem heiss wird vom Hingucken oder wo es einem heiss wird, weil in eine knatschengen Gummiwurst stecken ist nicht sehr atmungsfördernd. Wenn man dazu noch eine Kopfmaske aus Lack oder eine Gasmaske trägt, dann weiss man zu hundert Prozent, wovon man schwitzt. Neben den Fummeln für verkappte Tiefseetaucher hängen gleich auch die mit Nieten versehenen Arschklopfer und Reitpeitschen, falls frau ihren Hengst mal ein bisschen zum Galoppieren bringen will. Das nächste Gestell bietet dann Hilfsmittel, die ich mir eigentlich eher im Baumarkt vorstellen könnte um Möbel zusammenzuklemmen als in einer Umgebung für erotische Hilfsmittel. So ganz erotisch ist der Name „Flutschi“ auch nicht, aber als Klassiker scheint sich das Mittelchen recht gut im Markt halten zu können und ich denk mal, damit kriegt man so ziemlich alles in alles rein. Sollten einige Autofahrer mal an ihre Stossstangen schmieren und NEIN, ich meine nicht DIESE Stossstangen sondern die am AUTO. Apropos Stangen: Inzwischen stand ich vor der überaus ansehnlichen (sprich: grosse Auswahl) an Menschenersatzteilen für Einsame und Einsamer. Was vor zwanzig Jahren in Katalogen noch vorsichtig als Allzweck-Massagestab angepriesen wurde, trägt heute Namen wie Superrammler oder Long Dong Silver. Selbstverständlich gibt es unzählige Form- und Farbvarianten, schliesslich ist es wichtig, dass das Design auf jeden Bereich übergreift. Wenn man dann allerdings aus Versehen den Vibrator statt des Stabmixers zum Bisquit schlagen verwendet, könnte das unwesentlich länger dauern. Auch sollte man sich nicht aus Versehen die Zähne ausschlagen, weil man dachte, die elektrische Zahnbürste in Händen zu halten. Für den Herren gibt es ja entsprechende Gegenstücke, unheimlich ansprechende Gummiteile, die mich in ihrem Anregungsquotienten an die singende Plastikforelle erinnern. Dann doch lieber fett Kohle abtreten und eine Gummisusi nach Hause nehmen. Lässt sich im Zweifelsfalle im Sommer auch als Lustma… Luftmatratze im Freibad verwenden. Macht dann besonders Spass, wenn die Eltern nebenan ihren Sprösslingen erklären müssen, was der Onkel da mit der Frau mit dem seltsamen Mund macht. Hm. Gummipuppen gibt es ja inzwischen auch für die extrem alleinstehende Frau, wobei ich mir da nicht genau sicher bin, wo genau sich das Ventil zum Aufblasen befindet. Wenn einem das alles zu wild ist, dann gibt es immer noch die Liebeskugeln, die sich auch für Koordinationsübungen der Finger benutzen lassen oder als Stressablenker. Bloss nicht im Businessmeeting. Es könnte jemand wissen, was es ist. Da wären sie dann an ihrem eigentlichen Bestimmungsort besser aufgehoben. Mit einem konstanten Lächeln wird das Meeting auch sicher gleich entspannter.

Aktuell im Ohr: Moby – In This World

9 Comments on “Erlebnistourismus

  1. …achja, wenn wir eigentlich wieder mal beim Thema Sex sind. Ich bin ja immer wieder tiefgründigst begeistert von den wertvollen Erkenntnissen über die Zusammenhänge unseres Lebens und dem Sex an sich, die ein sehr intelligenter junger Kerl, genannt "Das kleine Arschloch" (man verzeihe mir die Fäkalsprache) in literarischer Form der Nachwelt hinterlassen hat. Für nicht jugendfreie Unterhaltung verweise ich an dieser Stelle mit Vergnügen an: http://www.dj-orpheus.com/daskleinearschloch/schoenerlebenmitdemka.pdf

  2. Apropos "Hengst": "Mein erstes Ponyreitbuch" (Es ist trotz allem ein Kinderbuch!) ist da sehr zu empfehlen… ;-)

  3. Wir können ja mal eine Lesung machen: "Komm, mach das Maul auf![…]Bist Du bereit? […] Dann strecke ich mein rechtes Bein über Deine Kruppe und lasse mich in den Sattel gleiten." Mehr gibt´s auf Anfrage. Tel.: 0190-PONYBUCH! ;-)