Riech mal

Kann ich meine Aussagen zum Thema „Zug und Bus“ revidieren? Danke. So langsam erhöht sich aber auch die Konzentration an unliebsamen Ereignissen. Vorhin sass direkt vor mir im Bus ein junger Mann, eingehüllt in eine Duftwolke, die sich am ehesten als eine Mischung aus Fisherman’s Friend, Domestos, Rattengift und der Duftdrüse am Arsch eines Frettchens bezeichnen liess. Oder es war ganz einfach Fahrenheit oder ein ähnliches Duftwässerchen mit KO-Tropfeneffekt. Gewisse Eau de Toilettes gehörten entweder genau dort hin oder gemäss Genfer Konvention verboten. Coole Werbung gaukelt einem vor, wie supi das doch duften würde und wenn man es dann mal zur Probe aufs Handgelenk gesprüht hat um es anzutesten (weil es ja auf der Haut erst seine richtige Wirkung entwickelt) und dann daran riecht… Wenn sich einem dann die Zehennägel nach hinten rollen und man nach minutenlangen Schrubbereien unter dem Wasserhahn nur noch schreien will „Bitte amputiert mir den Arm, das stinkt ja widerlich“, dann kann man davon ausgehen, dass sich dieses Produkt bestimmt niemals im heimischen Spiegelschränkchen einfinden wird. An und für sich habe ich ja nichts gegen Parfums und Verwandte, solange sie nicht exzessiv verwendet werden und nicht zum alleinigen Zweck der Balz aufgesprüht werden. Kommt hin und wieder vor, weil ja schliesslich Moschus jede Frau in Sekundenbruchteilen geil bekommt und sie nichts anderes will, als sofort vom Duftträger gevögelt werden. Moschus stammt von den Hormondrüsen eines Ochsen. Verwendet wird der Duft (DUFT?) von ebensolchen. Lieber was dezentes. Bei Herren wie Düften. Aber zurück zum eigentlichen Thema, den Insassen von Bussen. Nachdem die Ansammlung von Betäubungsversuchen ausgestiegen war, stiegen hinten im Bus ein paar Jugendliche ein, die so freundlich waren, das Fahrzeug mit jeweils dreissig Sekunden langen Anfängen von Musikstücken zu beschallen. Dann wurde weiter geswitcht. Dreissig Sekunden. Aber dafür laut. Und Hip Hop. Türkischer Hip Hop. Hüp Hüp? Nun stehe ich grundsätzlich den Erzeugnissen rhythmischen amerikanischen Sprechgesanges schon eher skeptisch gegenüber, denn nur weil ein Brotha mit den Armen wedelt, „Yo“ und „Mothafucka“ sagt, dazu ein Bassloop dreht und im Hintergund ein paar Halbnackte Frauen dicke Hintern kreisen lassen, gerate ich noch nicht in musikalische Verzückung. Nun stelle man sich das im Lokalkolorit südosteuropäischer Prägung vor, der Bassloop unterstützt durch orientalisches Gebimmel und alles leicht atonal. Das gibt den Ohren zu denken. Den Augen gibt zu denken, dass der Inhaber des Pseudoghettoblasters (grössenreduziert um in Schuhschachteln für Sneakers zu passen) aussieht wie mein Kleiderständer zu Hause. Zumindest in Kopfhöhe. Ich habe an selbigem verschiedene Baseballcaps aufgestülpt. So ähnlich sah der auch, allerding smit dem Unterschied, dass zuunterst ein Stirnband angebracht war, das wohl die drei darüber befindlichen Kopftücher davor bewahren sollte, über die Augen zu rutschen. Was eigentlich schwer sein müsste, denn das darüber gezwänge Cap (Schirm nach schräg hinten) quetschte die ganze Kombination auf den schmalen Kiddiekopf. Aber hey, Man, voll Respect, das muss ich zugeben, das sieht voll fett aus und macht dich zum Master of the Hood. Hat mich echt beindruckt. Dass du dich so aus dem Haus traust.

Aktuell im Mund: Chrizo – Chön Charf
Aktuell im Kopf: Chatzi – Chauch Chön Charf