Jahresverwechsel

2005. 2005. 2005. Langsam gewöhne ich mich dran. Der Übergang von alt zu neu lief dieses Jahr überaus spassig ab, locker, entspannt und mit Wohlfühlgefühl. Dabei hätte alles ganz anders kommen können. Fast hätten wir das miezmiez am Flughafen verpasst, weil wir in die Betrachtung schwedischer Pornomodels versunken waren (O-Ton Oh-li). Diskretes Hüsteln aus dem Hintergrund holte uns dann allerdings auf den Boden wohlgeformter Tatsachen zurück. Oh, da bist du ja. Wo kommst DU denn plötzlich her? Oh, wir haben dich üüüberall gesucht! Was gar nicht so falsch war. Doch eigentlich schon, wir haben sie lange gesucht, aber da kamen auch so viele Blondinen aus der Tür.

In den darauf folgenden Tagen konnte ich mir verschiedentlich ein überraschtes Gesicht nicht verkneifen. Wenn eine Frau einen Mann fragt, was sie (bei zwei Varianten) anziehen soll und der Mann antwortet, dann macht Frau genau das Gegenteil. Aber es geht auch anders! Das war eine durchaus interessante und gar nicht unangenehme Erfahrung. Im Gegensatz zur Feststellung, dass BoFrost die Rezeptur ihrer Piadine angepasst haben muss und die plötzlich mit Knoblauch belegt werden. Machte aber gar nichts, denn die katza ist zwar halb so gross wie ich, kann aber doppelt soviel Futter verdrücken wie ich.

Was war sonst noch los? Ein Besuch im Papiliorama, einer Einrichtung, wo tropischer Regenwald nachgebaut wurde, und einem tausende Schmetterlinge und Kolibris um die Ohren pfeifen. Dabei lassen sich interessante Beobachtungen machen, wie zum Beispiel das einfache Erkennen des schmetterschen Geschlechts. Die schwarzen mit den zerfetzten Flügeln und dem kamikazeartigen Flugverhalten sind Männchen. Diejenigen, welche über die Pflanzen zappeln und Anstalten machen „Hach, hier setz ich mich nicht, das ist nicht grün genug“ oder „Neinein, da piekt’s“ oder „Ich sitz hier auf diesem Blatt, oder nein, doch besser hier auf diesem, oder neiiin, da drüben ist noch besser, oder NOCH besser ist der Baum da am anderen Ende“, DAS sind Weibchen.

Seltsamerweise reizen so zarte filigrane Geschöpfe zu sehr schmutzigen Sprüchen. Nein, nicht die Weibchen, die Flatterdinger. Gut, die anderen zwar auch. Wollte ich doch kurz zuhause auf katzas Website und öffne in den Favoriten statt des Ordners (Hallo Doc: GENITIV) „Friends“ den mit der Aufschrift „Dirty Stuff“. War wohl Wunsch Erzeuger des Gedanken. Aber zurück zu den Schmetterlingen. Die sitzen da so an der Nektarbar und spielen mit ihrem Rüssel. Was bitte soll einem da anderes einfallen? Wenn dann noch der Satz fällt „da muss man nur von hinten blasen, da spreizt der die schon“, da bekomme ich NICHT das Gefühl, mich an einem Ort der unbedarften Zoologie zu befinden. Um hier Auklärung zu schaffen: Will man einen Schmetterling fotografieren, der die Flügel zusammenhat, dann schiebt man nicht die Wurstfinger dazwischen wie dieses Krückenmonster, das ich zusammenscheissen musste, dass sogar die Rüsselspieler rot wurden (vorher blau), sondern man pustet sie von hinten leicht an. Klapp, auf. Geht leider nur bei Schmetterlingen.

Daneben in der nächsten Kuppel befindet sich das Nocturama, wo der Tag/Nachtwechsel umgedreht wurde, damit wir nachtaktive Tiere in Aktion beäugen können. Dort ist es also dunkel, wenn es draussen hell ist. Und umgekehrt. Frauen mit langen Haaren sollten diese vorher dutten oder zopfen, denn auch die Fledermäuse sind aktiv und frei fliegend. Nun kann zwar eine Fledermaus durchaus mit einer Frau umgehen, im umgekehrten Fall ist dies nicht hundertprozentig gegeben. katza musste mehr oder weniger zum Einpacken genötigt werden, weil ich vermutete, die will welche fangen und mit nach Hause nehmen. Zum Auspacken hingegen kamen wir ganz leicht.

Auf dem Heimweg fuhren wir streckenweise in einem Wagen mit ohne Heizung. Bei Aussentemperaturen von einem Hauch unter Null eine dumme Idee. Harte Säue, die wir waren, wollten wir eigentlich die Fahrt durchhalten, tiefgefrorene Rinderhälften, die wir kurz darauf waren, wechselten wir dann doch in wärmeres Gefährt. War aber eigentlich egal, denn kurz darauf warfen wir uns im Aquarena in warmes gethermtes Wasser. Leider schneite es andem Abend nicht, das kommt besonders gut in der Aussenanlage. Und ich hätte zu gerne gesehen, wie jamend im Bikini rausklettert und einen nackigen Schneeengel macht. Schneengel? Sieht beides doof aus. Als wir nach draussen schwammen mussten wir allerdings feststellen, dass wir zwar einen kühlen Kopf bekamen, aber nichts sehen konnten. Aussentemperatur Luft ungefähr -2 und Wassertemperatur ungefähr +30. Da hat jemand auf der Nebelbank ein feines Konto angelegt. Zur Sicherheit der Blindfische gibt’s an gezielt ausgewählten Stellen kleine rote Säulen mit der Aufschrift „SOS“. Nicht „SMS“, Mädel! Ausser du wärst egoistisch und willst wirklich nur deine Seele retten.

Flussbad. Strömung. Stromschnellen und Stromlangsamen nach zu urteilen, ist das ein Spass, den sich jede Altersklasse gönnt. Bei den ersten paar Durchgängen lag die katza jeweils vor mir und da war es mir durchaus egal, wenn ich durch spontane Beschleunigung dank Wasserkaft, ein bisschen angebumst bin. Nur bei der letzten Runde hat sich das Kräfteverhältnis leicht verdreht und ich wurde mit mehr Tempo, als es für meinen Seelenfrieden gut gewesen wäre auf eine alte Schaluppe zugeschossen. Zeichentrickfilm: Die Hauptfigur treibt in einem Fluss auf den Wasserfall zu und paddelt wie wild, um sich vor dem übelsten Übel zu retten. Realität: ICH paddle. Ich kraule, ich werfe Anker und kann mich in der letzten Sekunde um die Ecke in Sicherheit bringen. Sonst hätte ich ernsthaft den SaveMySkin-Button hauen müssen.

Die ganzen Tage waren von überaus gutem Timing geprägt, ausser bei diesem depperten Taxifahrer. Und bei der späteren depperten Busfahrerin. Merke: Keine Frauen oder Handys am Steuer. Wegen beidem haben wir nämlich einen Zug oder Bus verpasst. Gestrandet in Brugg (wo ich ja schon immer gerne mal wieder hinwollte), Notverpflegung mit BiFi im Teig und gemeinsam an einer Limoflasche nuckeln. Aber wir kamen trotzdem nach Hause und dann gab’s lecker essen. Ich behaupte mal, es sei lecker gewesen, weil wenn jemand mit grossen Augen und Napf… Schüsselchen in der Küche steht und FÜLLEN plärrt, kann es entweder gut sein oder das einzige, was es seit Wochen gab.

Den Zoobesuch werde ich etwas später noch erwähnen, da waren wir zwischen der ganzen Esserei und vielen vielen bunten Smarties (kennt die eigentlich noch jemand oder bloss noch M&M?) ähm… Freunden auch noch. Wir hatten es mit Tieren und Essen, aber was erwartet man bei katza und keks. Silvester, um das hier noch kurz anzubringen, war ganz cool, danke an Tschamp für das tote Tier und an Rent-a-to (kann für Geburtstagsparties oder Silvester kurzfristig als Gast angefordert werden) für die Unterhaltung und das Abwimmeln der besoffenen Tussi am Hauptbahnhof. Die stand bestimmt auf dich. Der Ort des Flascheköpfens war zwar nur suboptimal, hat sich aber auch in unserem Gedächtnis festgebrannt. Das Feuerwerk war auch sehr schön. Warum aber die Idee, dass bei solchen Menschenmengen nachts auf der Strasse sofort alle Geschäfte aufzumachen seien, AUSGERECHNET von der einzigen Ausländerin in der Gruppe kommen musste, sollte uns Schweizer beschämen. Besonders im Angesicht des neben uns gelegenen Nationalbankgebäudes. Wo hatten wir da nur unsere Köpfe? Wahrscheinlich war da dieser schwarzrote Ausschnitt massgebend beteiligt…

Aktuell im Ohr: Nik Page – Herzschlag

4 Comments on “Jahresverwechsel

  1. Frauen benötigen die Meinung der Männer doch meistens, um herauszufinden, was sie NICHT wollen. Da ist diese Reaktion doch logisch.

  2. Da lässt man Oh-li mal mit nem Keks über’n Hof und dann das….!
    (Will nächstes mal auch mit!)

  3. *G* Eine seeehr gute, passende Zusammenfassung .. nur hast du vergessen, dass katza versucht hat, den Schweizern ein gutes Stück deutsche Fernsehkunst nahezulegen. Ich sag nur "MIST" ;)