Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Gestern glänzten nachmittags drei Leute unseres Teams durch Abwesenheit, alle bedingt durch denselben Grund: Zahnarztbesuch. Der eine wollte sich die Scharniere nachziehen lassen, der eine zur Dentalhygienikerin ohne BH und ich zur Krönungsvorbereitung. Besuche beim Kieferschlosser sind generell eher nicht in der Kategorie der freudenspendensten Unternehmungen einzuordnen, auch wenn die Engländer lieber zum Zahnarzt gehen statt Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Weil es weniger Stress ist. Engländer halt. Ich hingegen finde das Liegen auf anatomisch geformten Vertikallöffelchenpositionsstühlen nicht sehr erhebend und begebe mich dorthin auch nur in Fällen der absoluten Notwendigkeit.
In der Regel sind die dort werkelnden Personen durchaus darauf bedacht, panisch käsegeweisste Patienten entsprechend zu beschwichtigen, mit Betäubungsgewehren ruhig zu stellen oder laufend zu informieren, damit der Behandlungsempfänger mehr oder minder beruhigt liegen kann. Aber ab und zu fallen Sätze, die dann doch ein leichtes Unbehagen aufsteigen lassen. Wenn ich plötzlich höre „Können Sie mir bitte das Skalpell geben“, dann finde ich persönlich das leicht beunruhigend. Aber bei einem grösseren Eingriff kann das ja durchaus vorkommen, wenn da was im Weg ist. So weit, so gut. Aber gestern traute ich meinen Ohren nicht mehr. Zitat: „So, und jetzt geben Sie mir bitte etwas Vaseline“. WIE BITTE? WAS? Hab ich mich in der Tür geirrt? Ich habe mich dann zur Ruhe gerufen unter intern geistigem Hinweis, dass es erst dann heikel wird, wenn sie auch noch die bis zum Ellbogen reichenden Gummihandschuhe auspacken. Das blieb mir erspart. Wenn ich nach dem ganzen Prozedere inklusive Betäubungsorgie einigermassen artikulationsfähig gewesen wäre, dann hätte ich mich auch noch erkundigt. Das werde ich nächstes Mal nachholen. Wenn ich dann nicht durch anderweitige Bemerkungen in Schockzustand versetzt werde. „Kann ich bitte die Autobatterie und die Nippelklammern haben?“