Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Ich habe zu Beginn meiner Schreibtätigkeit an dieser Stelle behauptet, der Alltag sei Quell verschiedensten Irrsinns und habe dies wohl in den meisten meiner Einträge zu Genüge bewiesen. Hilfreich ist dabei auch, wenn man mit einer überbordenden Phantasie beschenkt wurde, denn so erkennt man oft in Banalitäten noch einne Grund zum Schmunzeln. Dumm ist, wenn man sich dann minutenlang über etwas ausgeschüttet hat und dies dann Menschen mit weniger Hang zur Abstraktion des täglichen Lebens erzählt und in starre Gesichter blickt. Da bin ich schon sehr froh, dass ich mit einer ähnlich kranken Person zusammenlebe, die mich versteht. Meistens. Ausgenommen bei gewissen Werbespots. Da lache ich über den Spot und sie über mich. Das macht mir aber nichts. Es macht mir auch nichts, wenn SIE einen Kuchen backt für mich und meine Bürokollegen. Also ich meine, es macht mir nichts, wenn sie mir den einpackt und sagt: „Der schmeckt irgendwie seltsam. Sag einfach, DU hättest ihn gemacht“. So sind wir. Was sich liebt, das neckt sich. Wir machen uns auch gerne über Pseudomultikultiges lustig, weil Deutsche und SChweizer ja SO verschieden auch nicht sind. Sie sagt gerne mal, dass wir Schweizer eine seltsame Sprache haben. Das beweist sich dann, wenn sie wortspielern will, einem Freund eine „Happy Bürstday“-SMS schickt und ich ihr dann erklären muss, dass „bürsten“ in der Schweiz nicht nur im klassischen Sinne verstanden wird sondern auch als – sagen wir es mal vorsichtig – „vögeln“. Ratet mal, wer da MEHR gelacht hat.
Aber nochmal zum Zusammenleben und abstraktem oder bizarrem Denken. Inzwischen habe ich mich an das neue Zuhause gewöhnt und schätze durchaus einige der Features. Zum Beispiel, dass es zwei Toiletten gibt. Wir denken immer wieder gerne zurück an Situationen, wo wir nach Hause kommen von einem Ausflug oder von extensivem Einkaufen und wie das Schicksal so will: Beide haben unterwegs reichlich getrunken und sturmflutmässig bahnt sich nun etwas durch die internen Kanäle. Eigentlich heisst es ja „ladies first“ oder „Frauen und Kinder zuerst“, doch in Notsituationen ist sich jeder selbst der Nächste. Das Bewusstsein, dass zwei Personen genau jetzt und genau hier vorhanden sind, aber nur ein Klo, reduziert sofort alles aufs existenzielle Minimum. Die ganze Welt schrumpft auf die paar Kubikmeter, die Zeit stolpert und friert ein zu einem zähflüssigen Brei. Zwei Menschen schiessen los, so schnell sie können und bewegen sich doch nur in zähem Zeitlupentempo, beidseitig bewusst um die Wichtigkeit des Schnellerseins. Du oder ich. Sie oder er. Nass oder trocken. Von hinten scheinen sich Gummiseile um die Glieder zu legen, von Vorne zieht das Grundbedürfnis, der laut erschallende Ruf der Natur. Wie das von Hand Bild für Bild vorwärts geschaltete Videoband des Lebens bewegen sich zwei Geister und Körper, alles überlagert vom Soundtrack aus „Chariots of Fire“ Bam BammBam Bam BAMM Bam, Bam BammBamm Bamm Baaamm. Bein stellen, Haare ziehen, Ellbogen ins Gesicht schlagen, alles ist erlaubt, vor nichts schreckt man zurück. Krass. Wenn ich dann den Kopf schüttle platze ich wieder in die Realität zurück und bin durchaus froh, dass uns das für immer erspart bleibt. Auch wenn wir fürs Gästeklo ein Frankenstück brauchen, weil wir immer noch das Drehkreuz installiert haben.
Apropos schütteln: Was soll es bitte bringen, wenn ich mich schüttle, bevor ich einen Fruchtsaft öffne? Hat das einen kosmisch kausalen Zusammenhang?
Ja, hat es. Vor allem beim Necktartrinken. Sowie beim Nektartrinken. Meint man.
Immer diese Wortspiele. Schlimm.
Nichts kosmisches; ein praktischer Ratschlag soll das sein:
Stell Dir doch einfach mal vor, Du würdest Dich WÄHREND dem Trinken des Fruchtsaftes schütteln… Die praktisch kausal daraus folgende Sauerei zu vermeiden muss wohl der wahre Grund für den Warnhinweises gewesen sein.
THEORETIKER!!!