Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Musik kann Reaktionen auslösen, sie bewegt. Einige Songs bewegen zum Tanzen. Einige Songs bewegen zum Schmusen. Einige Songs bewegen zum Kotzen. Einige Songs bewegen zu Gedanken an den Weltuntergang. Nehmen wir als konkretes Beispiel das aktuelle Stück von Mark Owen, der zu Zeiten von… hmm… was war der? Backstreet Boylie? En Syncer? Beim Poppen erwischter? Ach nein, Täik dät! Wo sich Milliarden Teenies in Antipickelcréme ersäufen oder mit Teddybären ersticken wollten. Also damals bereits Weltuntergangsstimmung. Aber wegen was anderem als diesmal. DIESES Mal nicht etwa, weil sich eine auf unnatürlichem Weg zustande gekommene Verbindung wieder auflöst oder weil die Musik einfach Kacke ist, nein, this time it’s different. Der Song ist nämlich ziemlich gut und deshalb ist es auch die Thematik desselben, der mich an Weltunter- oder aufgang denken lässt. Das Lied nennt sich „Four Minute Warning“ und es geht um die letzten Minuten. Also frage ich mich, was würde ich tun, wenn eine Warnung kommt, dass unsere blaue Kugel nicht mehr den langsamen Tod im Würgegriff des Menschen stirbt, sondern mit einem gleich grossen Knall abtritt, wie sie ursprünglich aufgetreten ist. Was tun, um die letzten Minuten nochmal so richtig zu nutzen. Oder auch nicht. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man es wirklich erst vier Minuten vorher erfährt, oder schon früher. Und ob man es als einziger weiss oder ob alle das wissen teilen. Wenn alle es wüssten, dann wäre das ziemlich doof, denn dann gingen die Plünderungen los, was völlig daneben ist, denn wenn’s kracht, ist auch Geklautes im intergalaktischen Arsch. Also gehen wir davon aus, dass nur ich es weiss. Dann aber abgestuft nach den folgenden Terminen. Was könnte man tun?
4 Wochen: Im Büro etwas veranstalten, was zu sofortiger Freistellung führt. Keine Rechnungen mehr bezahlen. Die Kreditkarte ausreizen. Ferien buchen an Orten, wo man schon lange hinwollte, die es aber nicht mehr lange machen würden. Ein ausführliches Nümmerchen.
4 Tage: Ganz viele Videos ausleihen und nicht zurückbringen. Skifahren lernen und sich nichts draus machen, wenn man sich am letzten Tag das Bein bricht. Am Strand oder in den Bergen einen extremen Sonnenbrand einfangen und auf Hautkrebs spucken. Krieg und Frieden lesen. Ein gemütliches Nümmerchen.
4 Stunden: Einigen Leuten sagen, dass man sie schon immer für ziemliche Arschlöcher hielt. Die vor fünf Wochen im Kaufrausch erstandene CD endlich hören. Mit der Freundin Schuhe kaufen gehen (okay, da reicht die Zeit nur für die Hälfte…). Lernen, wie man Sushi macht. Ein normales Nümmerchen.
4 Minuten: Drogen ausprobieren, die erst nach fünf Minuten beschissen werden. Ein Fallschirmsprung, der sechs Minuten dauern würde, einmalige Aussicht garantiert. Ausführlich an einer Blume, einer Frucht oder an einer Frau riechen. Ein Telefonanruf und auf dem Anrufbeantworter wüste Beschimpfungen hinterlassen. Ein sehr schnelles Nümmerchen.
4 Sekunden: Den geliebten Menschen noch einmal küssen. Das erste Mal von einem Chnoblibrot abbeissen (nicht die Reihenfolge verwechseln). Genussvoll einatmen. Hoffen, dass es auch wirklich eintritt, nachdem man es sich bei den vorherigen Stufen mit so ziemlich jedem versiebt hat. Ein extrem schnelles Nümm…
extrem gut…so wie immer
liebes grüßle
damaris
ps: hat lydi die mail bekommen???
Hat sie beide bekommen. Wie du weisst, dauert es üblicherweise drei Jahre, bis sie ihre Mails mal beantwortet…
Nicht jedoch heute: siehe Mailbox.