Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Liebe Verkäuferinnen, ich habe da eine kleine Bitte: Zieht euch was an. Oder anders gesagt, macht das, was ihr anhabt zu. Auch wenn es langsam auf Weihnachten zugeht, die Glocken läuten im Kirchturm und die Kugeln gehören an den Christbaum. Schliesslich soll ich ja was kaufen und nicht auf eure… öhm… Augen starren, oder? Da vergisst man doch als Kunde, was man eigentlich wollte. Oder ist das Taktik, um einem hinterher jeden Stuss aufschwatzen zu können, weil man(n) sowieso dank Blutsturz keinen klaren Gedanken mehr fassen kann? Da ist wohl System dahinter, denn sonst würde kaum einer der erfolgreichsten Autoersatzteilhändler seine Kataloge mit Leichtgeschürztem versehen. Das geht so weit, dass Jugendliche, die zu jugendlich für die Ab-18-Ecke sind, sich schon mal einen Autokatalog als Wixvorlage besorgen. Die sind dann auch zu jung um einen Führerschein zu haben, fahren aber zu Automessen, weil sich da die Halbnackigen auf den Prototypen und Luxuskarossen räkeln. Da bekommt die Werbung für Einspritzmotoren ganz neue Dimensionen. Aber zurück zum Einkaufen. Nein, ich habe da nichts gekauft und ich habe auch nichts gestarrt, schliesslich war ich auf einer Mission zum Essen kaufen. Die ganzen Präsentierhühner standen aber in der Parfumabteilung, was in Warenhäusern generell eher ein Hort des Grauens ist. Aha! Die Damen lenken mit den… öhm… der… den Dingens halt von ihrem GESICHT ab! Ich finde es wohl gut, wenn man im Verkauf seine Produkte auch präsentiert, aber nicht alle 37 Kosmetikprodukte im GLEICHEN Gesicht. Spachtelmasse kaufe ich im OBI, wenn ich sie brauche und wer sich freiwillig hergibt, seine Arme jedem als Teststreifen zur Verfügung zu stellen, verdient den Namen Duftschlampe.
Parfum gehört auf die Haut des Trägers, weil jeder stinkt für sich allein. Nun kommt aber der leicht trottelige Weihnachtsgeschenkkäufer und sucht ein Duftwässerchen für seine Partnerin. An sich selber testen ist ja doof, schliesslich ist er ein mann und er muss es ja an einer Frau riechen, also soll die Verkäuferin das ausprobieren. In Läden, wo es noch keine papierenen Teststreifen gibt, tun die das auch tatsächlich. Anscheinend betäubt zuviel Stinkstink die Restintelligenz. Nach drei verschiedenen Bemusterungen ist nicht mehr zu erkennen, wonach die Dame eigentlich riecht. Was also tun? Doch an sich selber ausprobieren? NIEMALS! Sonst kommt der Herr nach Hause und hat einen Frauenduft an sich. Wie könnte das enden? Eben. Funktioniert selbstverständlich auch geschlechtertauschend. Also wenn Frau sich mit Männerduft besprüht. Eau de Toilette (Toilettenwasser? YUCK!) zu verschenken ist sowieso nur dann zu empfehlen, wenn man den bevorzugten Duft des Beschenkten kennt. Oftmals wäre es allerdings sinnvoller, einfach ein Duschmittel zu schenken, weil ein gewisser Grad an Sauberkeit vorgängig erreicht werden sollte, bevor ein anderer Duft überhaupt wahrgenommen werden kann. Aber das könnte als taktlos ausgelegt werden. Also lieber was anderes suchen. In anderen Abteilungen tragen die Konsumgutanbieterinnen auch nicht so krass enge Fummel. In der Küchenabteilung zum Beispiel. Da gibt es auch sehr schöne Geschenke.
Oh, Klasse geschrieben. Da kann ich in allen Punkten nur beipflichten