Drogen meiner Jugend

Auf den Nachhauseweg gestern bin ich an einem Radio-TV-Laden vorbeigekommen und zu Präsentationszwecken stehen dort üblicherweise Fernseher. Und was seh ich da? Die Wombles! Diese Ansammlung von Sack- und Packratten, die damals in einem Londoner Park hausten und den Kindern ein völlig falsches Verständnis von Abfall mitgegeben hatten. Abfall ist immer sauber, man kann sogar Wohnungen daraus bauen. Ja, klar. Von denen kam auch nie einer mit einem Joint oder einer Schnapsflasche nach Hause, geschweige denn, dass eines dieser putzigen kleinen Kerlchen (ausser diesem Strubbeligen, den mochte ich nicht) jemals knietief in Hundekacke stecken geblieben wäre. Nichts davon! Wahrscheinlich habe ich diese Serie einfach nicht verstanden oder ich hab es vergessen oder verdrängt. Verdrängen kann ich ja vieles, zum Beispiel den widernatürlichen Drang, im Mediamarkt die Barbapapa-DVD-Collection zu kaufen. Das waren ja eigentlich auch nur ausgelutschte Kaugummis mit Augen und einem eigenen Namen. Barbabi, Barbabo, Barbabu und Barbakotz. Lustige Verrenkungen alleine können es ja auch nicht sein. Oder heile Familie. ABer dafür gab es ja ein anderes Format, nämlich „Unsere kleine Farm“, wo Michael Landon jegliche Glaubwürdigkeit verspielte, die er sich bei mir als Little Joe in Bonanza geholt hatte. Diese weinerlichen Weiber auf dieser putzigen kleinen Farm, denen man allein schon wegen ihres konstant traurig grinsenden (man stelle sich das vor) Gesichtsausdrucks die geblümten Klopapierdeckelhäubchen ins Gesicht tackern wollte. Ein Dorf, das dermassen langweilig war, dass genau eine Familie gereicht hat, um die Dorfgemeinschaft jede Woche in Aufruhr zu versetzen. Ein Vater von Weichei, aber mit Laden, in dem er nichts zu sagen hat, einen rotzigen Balg von Sohn, die zapfengelockte Wildwest-Britney und der bissige Fräulein Rottenmeier-Verschnitt als „Mutter“. Als ob da jemand jemals freiwillig (und dann noch zweimal) drüber ging. Da hätte man einmal mit dem Pferd drüber gehen sollen, dann wäre die Rolle wieder frei gewesen, aber das Konfliktpotential innerhalb der Sendereihe total im Arsch. Wenn ich mir das genau überlege, war die Familie mit dem Laden eine Art Familie Bundy in der Beta-Version.
Apropos Fräulein Rottenmeier: Heidi war ja damals auch so topaktuell. Eigentlich eine schöne und extrem kitschige Geschichte (Sissi für Kinder), nur leider erlangte Heidi Weltruhm am meisten durch die Zeichentrickreihe von japanischen Fliessbandzeichnern. Heidi hatte keine Zähne, Augen so gross wie ein Zierfischbecken (und genauso nass beim Heulen) und sie konnte in der Folge „Heidi kehrt zurück“ wie Superman den Hang hinauf in Grossvaters Arme fliegen. Und alles ohne Cape. Die Zeichentrickfiguren sahen zu der Zeit ja alle ein bisschen gleich aus, weil wohl alles aus dem gleichen Haus stammte und bitte, wer hätte denn ernsthaft bemerkt, wenn auf der Wiese Willi und Maja gesessen hätten anstatt Heidi und der Geissenpeter? Heidi, wo bittu deenn? Vielleicht wären sie versehentlich von Schnucki (der Ziege) gefressen worden, die es in der Originalgeschichte soweit ich weiss gar nicht gab. Betrüger! Wer damals nicht betrogen hatte, das war Wickie, die wikingerische Beta-Version von MacGyver. Ein paar Mal Popel im Gesicht verreiben und schon kam die zündende Idee in Form von sprühenden Sternen. Nach Ansichtigwerden betreffender Sendung müsste sich eigentlich jeder Wikinger in seinem Grab in einen Ventilator verwandeln, denn wären die alten Seefahrer tatsächlich SO unfähig gewesen, sie wären direkt nach dem Auslaufen im Heimatfjord abgesoffen. Da reicht nämlich Nasereiben nicht mehr, da muss man schwimmen können. Und ich glaube echt nicht, dass Wickie an seiner Sackleinenbadehose einen Krebs oder ein Seepferdchen getragen hat. Überhaupt: Egal wie clever man ist, wer im Wasser ein Kettenhemd trägt, säuft ab. Aber Kindern kann man ja jeden Scheiss vorsetzen. Damals wie heute. Hm. Nein, heute bekommen sie noch den viel grösseren Scheiss. Winke winke!

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5 Comments on “Drogen meiner Jugend

  1. *lol*
    Der Unterschied zwischen damals und heute ist wahrscheinlich der, daß früher die Kinder für blöd verkauft wurden und die Fernsehserien dementsprechend gestaltet waren. Heute werden die Fernsehserien bewußt so gestaltet daß die Kinder verblöden…*grübel*…ja ich denk so ist das….oder?

  2. Hach was für Erinnerungen. Die WOmbles für die der Mike Batt einen dollen Preis bekam und in BRD von Dieter Hallervorden synchronisert wurden. Alle auf einmal!
    Orinoco hieß einer sogar…Seltsam.
    Barbabo war der haarige, der gefiel mir obwohl ich da eigentlich keine sexuellen Präferenzen habe.
    Kleine Farm. habe ich noch nie gesehen. Nach 10 Minuten konnt ich nimmer. Zuletzt sah ich das mal kurz. Mein Gott ..die machen so spannende Sachen wie "Laubsammelwettbewerb".
    Heidi sah ein bissl aus wie Cpt. Future, denn man als Teen nicht so gerne kuckte aus der Angst der könnte schwul sein.

    Aber früher war zwischen den Serien einfach eine Pause wo wieder was normales lief. Also es gab Donnerstags nur Wickie. Montags abends nur "Schweinchen Dick". Aber nicht alels auf einmal. Das Gehirn hatte quasi zeit zu defragmentieren und großzügig zu löschen.

  3. ich seh schon, ich bin nicht der einzige, der schädigungen davongetragen hat :)

    aber es gab ja noch die ganzen gewalttätigen sachen wie looney tunes und tom&jerry. das war balsam für die kindliche seele…

  4. brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr bei Wort Willi und Maja läuft es mir noch heute kalt den Rücken runter!!! Schrecklich dieser völlig verblödete kleine Bienesack Willi!!!!!!!!

    Dann doch lieber Pokemon;-)

  5. uhi…ich liebe die kleine farm und heidi war einfach himmlisch…

    und in den guten alten macgyver war ich unsterblich verliebt…

    nein, ich lasse mir das nicht ausreden…nein, nein, nein…

    smile…