Gezeitenwechsel

Früher: „Schatz, wenn ich Dich sehe, bin ich aufgeregt.“
Später: „Schatz, wenn ich Dich sehe, rege ich mich auf.“
Erstaunlich, wie ganz kleine Variationen im Umgang zweier Menschen auf den weiteren Verlauf eines Gesprächs erheblichen Einfluss haben können.
ups, Mittagspause… kommt gleich mehr… – Zugegeben, ich hab es nicht ganz geschafft. Aber jetzt bin ich zurück. Wenn auch zwei Tage später. Egal
Also, kleine Variationen entweder im Text oder im Raumzeitkontinuum oder ganz einfach beim Mageninhalt können enorme Unterschiede machen. Dabei gibt es ein grundsätzliches Problem: Frauen wollen reden. Halt, nein, das ist nur bei den meisten Männern ein Problem, bei den anderen ist es nicht die Tatsache, DASS Frauen reden wollen, sondern WANN. Bei wiederum anderen Männern ist das Problem nicht, dass sie WOLLEN, sondern es TUN, aber das gehört nicht hierher. Frauen suchen sich meistens ziemlich ungünstige Gelegenheiten aus. Actionfilm-Showdown, Kampfhundattacke, Intensivstation (da wehrt er sich wenigstens nicht) und so weiter. Oder: Wenn man nach einer Rückenzerrung ein Medikament bekommt, das die Muskeln (nicht nur) entspannt (und zwar SEHR entspannt) und man das kurz vor dem Schlafengehen einnehmen soll, dann ist das eigentlich im Bezug auf die Genesung eine gute Sache. Jetzt bekommt aber Frau Lust, unmittelbar NACH der Einnahme ein Gespräch zu beginnen. Das klappt so lange recht gut, bis man sich fragt, warum Tweety um ihren Kopf flattert und Shakespeare rezitiert. Genau ab dieser Sekunde entgleitet einem in unwesentlichem Ausmass die Kontrolle über den Gesprächsverlauf. Also sitzt das Männchen angespannt da und strengt sich an, nicht die Herrschaft über die nun schon recht gut entspannte Muskulatur zu verlieren und mit dem Gesicht dem Weibchen in den Ausschnitt zu fallen um dort mit der Nase hängen zu bleiben. An den Schläfen machen sich kleine Himbeeren und Ananasse… Ananasen… Orangen mit so Stangen zu schaffen und versuchen die Augenlid-Jalousien runterzukurbeln. Gegenüber macht jemand, den man liebt und schätzt, Fischmaulbewegungen, man verkneift sich ein Lachen und verweigert krampfhaft Nickbewegungen, um nicht etwas zuzustimmen, was man später vielleicht bereuen könnte (pastellene Tapeten, Garten-Windrädchen, zwei Wochen Urlaub in einer Müeslifresser-Kommune, etc.). Die Zunge formuliert dann dumpf die Worte „Orry, Atzi, ch glaub, ch mus mch hinlgnnn, aber chhhhhhhhhhhh“ und man kippt vornüber und bleibt mit der Nase im Ausschnitt hängen. Ich möchte darauf hinweisen, dass solche Vorkommnisse KEINE Absicht sind. Sondern Unfälle. Oder Umfälle. Nur nicht aufregen. Wir kommen aber gern auf das Thema zurück, Tweety. Wie aufregend.

Aktuell im Ohr: Five & Queen – We Will Rock You

4 Comments on “Gezeitenwechsel

  1. …tja Lydile, du wolltest es ja nichts anders :), jetzt ham se dich auch assimiliert, die Schweizer die…