Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Kommt Moses vom Berg runter und sagt: „Eine gute und eine schlechte Nachricht. Die Gute: Ich hab ihn auf zehn runter gehandelt. Die Schlechte: Ehebruch ist noch dabei“. Sowas find‘ ich witzig, ich bekenne mich. Religion soll man ja nicht so verbissen tierisch ernst nehmen wie vieles anderes auch nicht. Ein gesunder Umgang ist vonnöten. Dringend. Ein bisschen locker werden. Warum? Weil man dann alltägliche Vorkommnisse in dem Zusammenhang anders fokussieren kann. In unserer Personalkantine hing ein Zeitungsausschnitt am Anschlagbrett mit der Schlagzeile „Eine Nonne geht ihren Weg“. Würde ich die Seelenversorger jetzt zu engstirnig betrachten, würden mir in einem solchen Augenblick keinesfalls Bilder ins Bewusstsein springen wie eine Nonne in Cowboystiefeln, in der einen Hand die Bibel, in der anderen Hand den Colt, wie sie die guten Botschaften verbreitet während hinter ihr ein Junge mit der Mundharmonika dieses „näääääänäänääääääääää-nääääää“ in den staubigen Wüstenwind bläst. Ein Zigarillo käme hier wahrscheinlich nicht so gut, aber so ein kleines Palmplättchen zum Rumkauen, warum nicht. Das leicht wettergegerbte Gesicht zu einem Lächeln verzogen, wenn sie den gefesselten und geknebelten Pistoleros von Sodom und Gonorrhoe vorliest. Halleluja und blaue Bohnen. Eine Nonne geht nach Westen. The Nun, The Bad and the Ugly. High Nun. Gary Cooper go home, John Wayne kann seine Koffer packen und Clint Eastwood verliert seinen Coolnessfaktor, wenn Schwester Quickhand in den Saloon trippelt und die unholy Whiskeybottles aus der (etwas rheumatischen) Hüfte zerschiesst.
Mut zu neuen Heldinnen (und Helden) im Film! Erschliesst in der langsam aber sicher überalternden Ära die Zielgruppen der bereits vorhandenen und in Kürze noch kommenden Rentner! Gut, die meisten Actionhelden der letzten paar Jahre gehen ohnehin selber schon auf die 60 zu oder bereits an Gehhilfen. Deren Filmtitel allerdings müsste man allerdings noch modifizieren, weil „Stirb langsam“ könnte ein ganz klein wenig in den falschen Hals geraten beim Filmabend im Seniorenzentrum. Wenigstens wären solche Actionkracher laut genug, also keine Problematik mit schlecht sitzenden Hörgeräten. Gab es eigentlich schon so eine richtig knackige Verfolgungsjagd in Rollstühlen in irgendwelchen Filmen? Oder eine voll gestylte Oldie-Kung-Fu-Nummer: Kein Rumgehüpfe sondern ein gezielter Schwung mit dem Fuss und der Gegner hat eine der stinkenden, vierzig Jahre alten Schlappen quer im Gesicht. DAS sind noch grausige Kampfmethoden. Auf die Fresse hauen bringt auch nicht mehr viel, sind ja keine Zähne mehr drin. Indiana Jones 15 – Jäger des verlorenen Gebisses.