Tu es nicht. TU ES NICHT!

Was denn? Die Freundin fragen, was sie denn gucken will, wenn man vor einem Stapel DVD’s sitzt. Und sie dann Lust auf einen Gruselfilm hat. Und sie aus Deutschland kommt, wo alle Horrorfilme kastriert sind und schon mal zwanzig Minuten kürzer sind als das Original (siehe „From Dusk Till Dawn“). Draussen ist es dunkel und ein Gewitter zieht auf. Das Licht in der Wohnung ist halb gedimmt und die Stimmung perfekt. Wir legen „Blair Witch 2“ ein (hatte bisher nur maue Kritiken gelesen, aber ein bisschen Popcorn-Kino muss auch mal sein) und starten. Ein bisschen Einleitung, ein bisschen Rückblende und dann der Vorspann. Eine interessante Farbwahl mit einem Flug über den geröteten Herbstwald und Soundtrackuntermalung von Marilyn Manson, was allein schon reicht, um im Raume anwesenden Personen die Gänsehaut in den schweisskalten Nacken zu treiben (und ich rede nicht von mir). Dann wird freundlicherweise am unteren Rand „Ungekürzte Version“ eingeblendet und neben mir schrillt der Memmenalarm. Ob es denn auch anders ginge. Nein, wenn dann richtig. Wechselweise werden nn beim Vorspann in die schönen beruhigenden Waldbilder irgendwelche weniger beruhigenden Folterszenen geschnitten und Marilyn intoniert „Disposable Teens“, was ich im Zusammenhang mit dem Film eine sehr witzige Titelwahl finde. Und grad als es so richtig schön freaky zu werden beginnt da haut der Blitz in irgendeinen Schutzverteiler (was weiss ich wie die Dinger heissen, ich bin bloss Strom-User) und mit einem POOF sitzen wir im Dunkeln. Perfektes Timing. Perfekt auch, dass mein Nebenmir noch keine zu langen Fingernägel hat. Wir haben danach dann umgestellt auf „Shrek“ und stocken unsere Kamillentee-Vorräte auf. Ich glaube, wir müssen die Sache langsamer angehen. Kein Horror nach zwanzig Uhr, bevor wir nicht die Nerven abgehärtet haben. Ich glaube, ich schicke sie zum Konzert von DJ Bobo. Ungeschnitten, live und kein Ausweg, weil die Halle von kreischenden Teenies zugepfropft ist. Und RAndy, der auch irgendwo sitzt und sich ein Alibi ausdenkt, wie er erklären kann, wo er an diesem Abend war. Oder eben NICHT war.
Aber zur Ehrenrettung: Es gibt auch Filme, nach denen ICH auch nicht mehr geschlafen habe. Als ich acht Jahre alt war, da konnte ich nach „Tanz der Vampire“ kaum mehr ins Bett gehen, ohne nicht vorher Sherlock-Holmes-mässig mein ganzes Zimmer (sämtliche Seiten des Betts und alle Schränke, hinter der Tür, unterm Pult, etc.) auf den Kopf gestellt habe. Interessanterweise ist das ja eigentlich eine Komödie, nur hatte ich wohl damals dem Humor nicht ganz folgen können. Danach fällt mir ausser „Arachnophobia“ lange nichts mehr ein. Den man sollte bei Spinnenangst meiden, sag ich jetzt mal. Aber wenigstens sass ich nicht an der Stelle im Parkett, wo die herabgelassene Gummispinne vom Balkon gelandet ist, ich hätte einen fünffachen Herzinfarkt erlitten. Die Frau eben AN dieser Stelle war dem wohl auch nahe, dem Gekreische nach zu urteilen. Das letzte Beispiel, wo es mir nicht einfach ein bisschen schlecht wurde, sondern wo ich ECHT Alpträume hatte, das war „Das Experiment“. Nicht deshalb, weil es ein deutscher Flm ist, sondern generell. Vielleicht war es die Szene mit der Hand. ABer ich sag jetzt nicht zu viel drüber, falls jemand den Film noch nicht gesehen hat. Au ja, „Verfluchtes Amsterdam“ am Vorabend der Amsterdam-Reise zu sehen ist auch ein geiler Einfall. Oder „Anatomie“ ein paar Tage vor einer Operation. Meiner Mutter musste ich nach dem weissen Hai auch erklären, dass sieben Meter lange Killerfische auf Mallorca keine echte Gefahr darstellen.

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