Nicht jeder der dichtet muss auch ganz dicht sein

Immer wieder trifft man auf Selbstgedichtetes. Dabei ist Dichtkunst klar in zwei Kategorien zu unterscheiden: Gereimt und Ungereimt (sorry für das Fehlen prägnanter Fachbegriffe und Fremdwörter, aber ich beweise gerne mal wieder, dass ich nur durch Halbintelligenz glänze). Die Ungereimten sind simpel, da stellt man mal eben ein paar herumwuselnde Gedanken zusammen und voilà!

Oh, es schneit
Weiss fällt vom Himmel
Wir frieren
Oh, Winter weiche

Für sowas streckt man den Finger angefeuchtet in die Luft und nimmt die dran kleben bleibenden Wörtchen. Anspruchsvoller sind dann aber die Gedichte mit Reimen. Bloss berücksichtigen die meisten Ersteller solcher Machwerke nicht, dass auch eine gewisse Melodie darin liegen sollte, keine völlig unterschiedlichen Silbenzahlen und so. Das sind diejenigen, die bei irgendwelchen Magazinen ihre Leserbriefe in Reimform abliefern und sich (zumindest in meinen Augen) der Lächerlichkeit preisgeben. Scheisse wird auch gereimt nicht besser. Zur Verdeutlichung die Silbenzahlen in Klammern.

Oh, es schneit, wie schön (5)
Dann können wir nach draussen ins Weisse gehn (11)
Aber frieren tun, tun wir schon feste (10)
Ich glaub‘ drinnen bleiben wär‘ das Allerbeste (12)

Natüüürlich reimt sich das. Aber es ist SCHLECHT. Wenn schon reimen, dann hinsetzen und sich ein bisschen Mühe geben. Keine schludrige Arbeit abliefern, soviel Stolz muss sein.

Draussen schneit es, hach wie schön (7)
Will wohl heissen, s’ist kein Föhn (7)
Die Kälte bissig, grau der Himmel (9)
Ziemlich klein wird da der Pimmel (8)

Man bemerke den Unterschied von 9 zu 8 im letzten Beispiel. Eine Silbe weniger, aber die Melodie stimmt nach wie vor. Allerdings würde ich in diesem konkreten Fall eine zweite Strophe anschliessen, sonst ist das Ende zu offen. Also merke:

Gar nicht so einfach ist das Dichten
Das lässt sich nicht mit Reimen richten
Wenn Zeilenenden gleich ausgucken
Können sie noch immer sucken

Und für die Kommentare strengt euch bitte ein bisschen an.

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