Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Wenn ich denn nicht schlafen kann, dann kommt es schonmal vor, dass ich mich auf die Couch hänge, die Multifunkions-Fernbedienung (der Horror einer jeden Frau) zur Hand nehme und dann eine kleine Reise durch die Kanäle unternehme. Wenn draussen noch der Tag leuchtet, gerät man zwischen Talkshows, Gerichtsshows, Soaps, Real Life-Soaps und Sitcoms in der achtundzwanzigsten Wiederholung. Jeden Tag das Gleiche. Andere Gesichter, gleiche Geschichten. Nachts wechselt das Programm dann aber doch noch, denn da darf man Dinge zeigen, die bei Tageslicht unter Verschluss gehören. Obwohl das meiste so übel ist, dass es besser IMMER unter Verschluss bliebe.
Ich lasse die Wiederholungen der amerikanischen Action-Billig-B- und C-Filme, in denen die Hauptakteure immer Joe, John oder Mike heissen, zur Seite. Die 0190er-Werbung ist auch überall dieselbe, das einzige was mir aufgefallen ist in den letzten Monaten, die Spots werden vermehrt angereichert durch den Einsatz von entweder Hässlichen oder Alten. Oder beides. Ich weiss, hässlich ist subjektiv. Aber guckt euch die mal an. Vorher wechsel ich das Ufer. Ein klein bisschen putziger wurde es dann bei GIGA TV, wo eine schwedische Teenie-Girlgroup performte (es heisst ja nicht mehr singen, es heisst performen, weil die billigen Synchrontanzschrittchen, die man beim Casting gelernt hat, ja immer mit dabei sind). Putziger insofern, dass die nicht total hässlich sind, aber das war’s dann auch grad. Die Mädels heissen (oder hiessen, vielleicht sind die schon wieder weg vom Fenster) Play und der Song „Us against the World“. Eigentlich hätte das eher „Us against the Playback“ heissen müssen. Ich wollte zuerst nur durchzappen, weil was mein Ohr berührte nicht tatsächlich hörenswert war und richtig süss waren die auch nicht. Als dann aber eine der Vier zur Musik ihren Mund bewegte wie ein Fisch auf dem Festland (oder wie bei Fellatiotrockenübungen für Einsteiger), da musste ich doch einen Augenblick verweilen. Chorgesang zu viert, aber nur drei machen mit, weil die vierte auf ihre Schrittfolge achten muss. Sieht lustig aus. Sieht auch lustig aus, wie die synchron einen Hüftschwung hinlegen, der jedem Pornofilm zur Ehre gereichen würde. Oder wenn die, welche grade ihren Solopart hat, wohl mitSINGT, allerdings nicht die gleichen Wörter, wie man sie grade hört. Sieht schon lustig aus.
Aber nach drei Minuten ist auch dieser Spass vorbei und ich hüpfe weiter zu DSF (oder war es Eurosport?). Da habe ich nämlich in der Programmzeitschrift was gelesen, was doch meine Neugier geweckt hat: Sexy Sport Clips. Ah? Zuerst stellte ich aber fest, dass ich noch weiter rumzappen muss, denn erst kommt eine Viertelstunde „Werbung“, was nichts anderes heisst als fünfzehn Minuten ununterbrochen 0190er-Spots. Also noch eine Runde quer durchs Programm, ein bisschen gucken, wie Mel Gibson ein paar Leute verprügelt, erschiesst und in die Luft sprengt. Dann kurz einen Schlenker über Pro7, wo der (für Deutschland) eh schon verstümmelte „From Dusk Till Dawn“ NOCH geschnittener seine Handlung abspult. Ihr wisst gar nicht, was man euch alles vorenthält, bei Action- und Horrorfilmen, oder wie man euch bei der Synchronisation von Filmen bescheisst. Bruce Willis hat in Die Hard NIEMALS Schweinebacke gesagt. So als Beispiel.
Aha, Viertelstunde um, zurück zu DSF. Sportfernsehen. Ist ja nicht der Kanal, den ich üblicherweise einschalten würde. Aber was sehe ich da? Zwei nackige Mädels auf einem rechteckigen, dunklen Naturholztisch. Im Hintergund verschwommen die Einrichtung einer eher rustikalen Wohnumgebung. Die eine liegt mit dem Rücken auf dem Tisch, die andere kniet über ihr und die beiden küssen sich mt relativ zusammengepressten Lippen. Wow, wie erotisch. Ich geh gleich ab! Dann legt die obere der unteren ihre linke auf die rechte und macht ungefähr drei Minuten dran rum. Die untere bewegt sich ein bisschen und macht wahrscheinlich AH, OH oder UH (vielleicht auch kombiniert oder gemischt), was man aber nicht hören kann, weil eine billige Musik irgendeines Keyboardanfängers über der Szenerie schwelt. Irgendwann haben die beiden dann plötzlich keine Slips mehr an, die verschwinden wie von Zauberhand, was aber immer noch besser ist, als (anderer Clip) eine, die sich vier Minuten aus einem String schält. In der Zeit kann sich eine gut organisierte Frau drei- bis viermal umziehen (am Ende ist es zwar immer noch nicht richtig, aber immerhin war der Ansatz da).
Nach weiterem AH, OH, UH geht dann die eine der anderen mit der Hand an die delikateren Stellen, was aber natürlich nicht gezeigt wir, weil das gegen das Gesetz verstösst. Keine primären Geschlechtsorgane. Was aber durchaus Ansichtssache ist, denn einem Fussfetischisten reicht ja schon der Anblick von nackten Füssen. Und angesichts der Tatsache, dass es nur so von Fetischisten wimmelt, am besten total verhüllen. Würde bei diesem erotischen Sportclip auch keinen Unterschied machen. Der Erotikfaktor wäre wahrscheinlich ungleich höher. Was ich mich immer noch fragte: Was hatte das mit Sport zu tun? Ich kam dann drauf: Bei einem der wenigen Kameraschwenks konnte ich ein paar Turnschuhe erkennen, die auf dem Boden lagen. Na also, geht doch. Müde war ich danach auch. Schad eigentlich, vielleicht hätte der folgende Clip mich mit noch mehr AH, OH und UH begeistern können.
….mindestens 8 Monate kein Fernsehgerät mehr zuhause eingeschaltet….ich bin wahrlich stolz auf mich….hab wohl nix dabei versäumt….