Auf die Verarschung gepackt.

Oder auf der Verpackung verarscht. Je nachdem. Ich liebe ja Brot. Ich finde das voll geil. Aber nicht dieses weissmehlige Gebissträgerzeugs oder die Ökokernerknuspervariante (ich bin aus dem Vogelfutteralter raus), sondern dunkles, herzhaftes Brot. Je nachdem mit Nüssen oder Kartoffeln variiert, aber meistens einfach in einer der etwa zwanzig verschiedenen Düsterversionen. Am liebsten, wenn es noch warm aus dem Laden kommt und die Kruste so richtig schön knusprig ist. Damit ich das nicht trocken runterdrücken muss (obwohl das bei richtig gutem Brot auch kein Problem ist), bestreiche ich dasselbige gern mit irgendwelchen leckeren Materialien. Nun muss ich zwischendrin noch erwähnen, dass ich in deutschen Supermärkten gerne einkaufen gehe und von dort immer Sachen mitbringe, die es bei uns (noch) nicht gibt. Wie diesesmal vom Kühlregal: Dort gab es (wahrscheinlich neu) „Bread & Dip“ von Homann in fünf verschiedenen Sorten. Drei davon durfte ich schon von Anfang weg liegen lassen, weil… eben, siehe letzten Eintrag. Aber zwei blieben übrig und die hab ich mir mit in die Schweiz genommen. Wo ich schnell feststellte, dass da der Konsument ein weiteres Mal verscheissert wurde. Produkt 1, Geflügel & Paprika, Pikanter Brotaufstrich mit Curry und Paprika. Man reiche mir die Definition von PIKANT. Scharf gewürzt, steht im Duden. Das hatte ich auch im Hinterkopf, als ich mein bestrichenes Brötchen probierte, aber leider nicht im Vorderkopf. Meine Zunge meldete Langeweile. Es hatte einfach kein Feuer. Nicht wie die Hotwings von KFC, die brennen wenigstens ZWEImal. Aber diese Pampe auf meinem Brot tat das nicht. Noch nichtmal einmal. Ganz abgesehen davon war auch kein Currygeschmack da und ich kann Curry erkennen, wenn es daher kommt. Erinnerte mich eher entfernt an Geflügelsalat an einer extrem geflügellahmen Cocktailsauce. Durchgefallen. Also das Produkt, nicht wieder mein Darm. Also ab zum zweiten Döschen: Produkt 2, Seelachs & Schnittlauch, Brotaufstrich mit Schnittlauch verfeinert. Sicherheitshalber packte ich etwas mehr davon auf die zu testende Brotscheibe (nach der dürftigen Erfahrung mit der Pikanz von Nummer 1). Glücklicherweise hatte ich genügend Eistee bei mir, um die geografische Ausrichtung meiner Geschmacksknöspchen wieder herzustellen. Es war nicht etwa scharf, nein, das nicht, aber mit der Zunge in einen gut gefüllten Salztopf eintauchen ist ein akzeptabler Vergleichswert. Nicht scharf, aber tausend mal näher an pikant als eben grade vorher. Man konnte zwar den Schnittlauch nicht rauserkennen und Seelachs hatte ich eine Spur anders in Erinnerung (aber da kann ich mich durch den Schock auch getäuscht haben). Auf jeden Fall hat das Zeugs eine geile Farbmischung, sieht so ähnlich aus wie der bunte Sand, den man in so kleinen Souvenirfläschen in Touristenorten am Meer finden kann. Ich habe dann rausgefunden, dass wenn man Produkt 2 nur ganz dünn aufträgt das durchaus geniessbar ist. Zumindest wenn man nebenher noch neutralisierende Esswaren zu sich nimmt. Oder die Brotscheibe so dick ist, dass man sie kaum zwischen die Zähne bekommt. War eine interessante Erfahrung, aber etwas, was ich bei einem weiteren Besuch nicht wieder in der Einkaufstasche mittragen werde. Da gibt es bestimmt noch andere Esswaren, die nach ausprobieren schreien. Oder bei denen ich nach dem Ausprobieren schreie. Das nächste sind wohl verschiedene Raviolivarianten. Oder… Hat der Erasco Nudeltop, der dauernd in der Werbung läuft eigentlich Zwiebeln drin? Ach ne, ich hab ja zuerst noch diese Lion-Zerealien (geiles Wort aber total realitätsfern), bei denen immer alle aus dem Büro flüchten. In der Werbung. Meine Kollegen flüchten schon vor mir auch wenn ich nichts esse. Ob ich immer noch Seelachs & Schnittlauch ausdünste?

Aktuell im Ohr: Resistance D – Human ’98 (Club Mix)

One Comment on “Auf die Verarschung gepackt.