Das ist Ansichtskarte

Ich finde Postkarten eine gute Erfindung. Eigentlich. Oder anders gesagt finde ich die Möglichkeit der Bildmitteilung eine gute Erfindung. Jetzt mal E-Mail vergessen und so. So richtig bunte Kartonkärtchen mit Handschrift drauf und einer eigens abgeleckten Briefmarke. Briefmarkenlecken ist zwar was für geschmackliche Masochsisten, aber das ist jetzt Nebensache. Zurück zu den Karten. Ich finde die gut. Wenn sie korrekt verwendet werden. Wenn man einfach an den nächsten Kartenständer geht, lieblos eine rausrupft, drauf schreibt „Schön Grüsse aus (woauchimmer), das Wetter ist gut, das Essen auch, (Unterschrift)“, dann finde ich das KACKE! Wer sich nicht dazu überwinden kann, den Menschen, die man wohl mag (sonst würde man keine Karte senden), eine persönliche Nachricht zu schreiben, dann sollte man es lieber bleiben lassen. Ist doch nun aber auch nicht so schwer. Die boshafteren erzählen natürlich genau über all die coolen Sachen, bei denen man genau weiss, dass die zu Hause das auch gern HÄTTEN, aber eben nicht HABEN. Ein kleines bisschen fies darf man sein. Wenn man nichts dagegen hat, nach seiner Heimkehr aus dem Urlaub zehn Tonnen Sand im Vorgarten zu haben, weil Empfänger von Postkarten NOCH boshafter sein können. Egal, ich finde einfach, man sollte sich da ein bisschen anstrengen. Überhaupt kann man Karten nicht nur aus dem Urlaub schreiben, sondern von überall, wo Karten verkauft werden. Schliesslich kann man Meer abbilden als nur Berge und so. Statements, wie man sie früher auf Buttons und T-Shirts fand. Es passt auch mehr Text drauf als bloss 160 Zeichen. Das eröffnet neue Möglichkeiten. Eine ausgedruckte E-Mail auf der Pinnwand sieht nicht halb so schick aus wie eine bunte Karte mit Quietsche-Entchen. Oder man gestaltet eine ganze Wand mit Postkarten. Ihr merkt schon, das wird wieder einmal für ein Plädoyer für Kreativität, aber in dem grauen Gewintere muss man einfach ein klein wenig Farbe haben. Wenn ich welche hätte würde ich jetzt M&M’s futtern. Einfach because of the Buntness. Natürlich gibt es bei den Karten, die nicht Landschaften abbilden solche, die man NICHT jedem schicken sollte. „Leck mich“ sendet man nicht an den Chef, die rudelbumsenden Wildsäue sind bei der Grossmutter auch nicht unbedingt gut aufgehoben. Und grade an Feiertagen, wie wir sie grade hatten, muss man speziell aufpassen, denn was der eine witzig findet muss bei einem Feiertagsfanatiker nicht unbedingt auf Gegenliebe stossen. Ich habe drum die Karte (die ICH originell finde) mit folgender Aufschrift (in Gold auf edlem Papier) zu Weihnachten NICHT versendet: „Fröhliche Arschnachten, ihr Weinlöcher!“. Versteht halt nicht jeder Wortspielereien.

Aktuell im Ohr: The Mission – Never Let Me Down Again

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