Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Gebe und es wird dir gegeben werden. Nimm ungefragt und du kriegst eins auf die Finger. Aber vor dem Nehmen kommt erst mal das Geben. Wir geben es auf an der Nabelschnur zu hängen und kommen raus, wo wir es mit dem Tageslicht aufnehmen. Und dem Onkel Doktor der uns eins hinten drauf gibt, damit wir Geplärre von uns geben. Warum einige ihrer Lebzeit nicht damit aufhören ist mir noch unklar. Auf jeden Fall nehmen wir unser Leben in Angriff und irgendwann geben wir einen feuchten Furz darauf, was diejenigen sagen, die uns das Leben gegeben haben. Das nehmen uns die dann erstmal übel. Zuerst gibt es dafür einen Satz warme Ohren oder – in Zeiten, wo man gleich verklagt wird von den eigenen Kindern – eine leichte Verwarnung. Das kann ausnehmend unangenehm sein. Irgendwann gibt sich das aber auch. Man kann ja nicht alles krumm nehmen und muss auch mal vergeben können. Schliesslich haben die einem ja auch ein gewisses Mass an Benimm mit auf den Weg gegeben. Aber jetzt mal ungeachtet der Tatsache, dass ich in einigen sinnlosen Sätzen (denken einige Leute jetzt sicher) versucht habe, möglichst oft (um nicht zu sagen: bis zum übergeben) die beiden Wörter (ich gebe euch jetzt keinen Tipp, aber nehmen wir an, der Titel ist eine kleine Hilfe) in Wechselwirkung unterzubringen, wollte ich eigentlich auf einen anderen Gedanken hinaus. Wie das aber bei mir so ist, ich mache Umwege und fasle zuerst von ganz anderen Dingen oder mache Sätze wie den vorherigen, der einerseits zu lang ist und andererseits mit Einschüben überhäuft ist, so dass ihn kein Schwein mehr versteht, ohne ihn mindestens dreimal gelesen zu haben. Wie dieser grade eben auch. Im Schreibkurs habe ich gelernt, dass ein verständlicher Satz nicht mehr als 25 Wörter enthalten darf. Mit regelmässiger Verachtung umgehe ich diese Regel und teste die Aufmerksamkeitsspanne meiner Leser. Und von mir. Bei mir geht es dann aber eher da hin, dass ich den Satz mehrfach durchlese und versuche rauszufinden, was ich am Anfang eigentlich schreiben wollte. Aber am Anfang dieses Artikels wollte ich auf die Gaben hinaus. Darauf, was wir mitbekommen, wenn wir zur Welt kommen. Nein, NICHT einen Pipi oder eine Mumu, sondern etwas tiefer. Nein, NICHT die Organe. Die einen Menschen kommen zur Welt und sind Idioten. Das ist dann wohl deren Gabe (das muss aber irgendwo einen ganz gewaltig grossen Gabentisch geben). Was mag meine Gabe sein? Ist es die Fähigkeit mit meinen Halswirbeln knacken zu können, dass man es auch noch in zehn Metern Entfernung deutlich hören kann? Oder ist es die Tatsache, dass ich mit blanker Ignoranz an Weihnachten Hardcore-Techno hören kann mit ein paar Weihnachtssamples drin? Oder sind es wirklich diese verworrenen Sätze und Gedanken? Oder noch was anderes. Was unsere Gabe ist, das erkennen wir selber meist am wenigsten. Aber wir geben es weiter und unsere Mitmenschen nehmen es auf. Und vielleicht, vielleicht geben sie uns eines Tages dieses Wissen zurück. Dann nehmen wir einen tüchtigen Schluck Wein und denken: „Was? Meine Gabe ist es, bei Witzen die Pointe zu versieben?“. Ja, auch das kann es geben. Aber ich lasse den Betreffenden noch ein paar Jahre im Glauben, es sei was anderes…