Ich bin nur der Betreff

Beim Briefeschreiben gab es gewisse Regeln mit Abständen, Einzügen, Betreff und so weiter. Das war in Korrespondenzhandbüchern festgelegt und keinem wäre eingefallen, daran rütteln zu wollen (ausgenommen denjenigen, welche die Adresse von eingezogen plötzlich auf linksbündig haben wollten, aber das ging ja in den meisten Fällen wieder unter). Dann kam E-Mail und schon vergass man alles. Oder zumindest fast. Eigentlich ist es ja wurscht, ist ja ein anderes Medium, wenn da nicht dieser eine Punkt wäre, der mich nervt. Warum, frage ich mich, schreiben einige Absender den Inhalt der Mail in die BETREFFZEILE? „In dieser Mail geht es darum, wer wann wieso was getan hat und warum ich meinen Job nicht erledigen konnte, weil ich allen anderen Scheiss zu tun hatte“. Im Inhaltsfeld dann so etwas wie: „Schöne Grüsse“. Hm. Logisch denkenden Menschen und solchen, welche einigermassen aus ihren Augen raussehen sollte eigentlich auffallen, dass das Grössenverhältnis zwischen dem Betreff und dem Nachrichtenfeld ganz unwesentlich differiert. Wenn auf dem Tisch ein kleines Glas steht und eine Schüssel, dann versucht man auch nicht, den Zweiliterkrug in das kleine Glas zu entleeren. Oder? Warum dann beim Mail schreiben? Kann man eigentlich einen Filter setzen, der automatisch Mails dem Absender zurück sendet, wo der Inhalt des Betreffs fünf Wörter überschreitet? Das Weglassen von Leerschlägen um die Wortzahl zu reduzieren würde mit einer Mailbombe geahndet. Hat doch früher in einem Brief auch niemand zwei oder drei Zeilen Betreff geschrieben, oder? ODER? Sowas macht mich betreffen… betroffen.

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