Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Es fing mit leichten, kleinen Flocken an. Dann wurden es mehr und mehr. Und noch mehr. Und die kamen immer schneller und schneller. Und dann war es so richtig heftig am Schneien. Volles Rohr. Genau dann, als ich aus dem Haus musste und mir fest vorgenommen hatte, noch in der Stadt was zu besorgen. Unerschrocken wie ich natürlich bin, hielt mich das überhaupt nicht ab, ich klappte meine Puze hoch und stoffelte los. Der Schnee hatte einen klaren Vorteil gegenüber der Witterung von vorletzter (damals Regen, jetzt Schnee – Schnee trockener) und letzter (minus zehn Grad – bei Schneefall nur minus zwei) Woche. Trotzdem war die Bushaltestelle gerammelt voll und ich konnte mich grad noch so reinquetschen. Doch trotz Sardinenalarm liess ich mich nicht abbringen und machte mich auf zum Shoppen. Denn in Bus und Zug war dann wieder Platz frei. Im Winter gibt es zwei Dinge, die ich am Einkaufen nicht mag. Einerseits das dauernde Jacke auf, Jacke zu, weil man sonst entweder schwitzt wie blöde oder desgleichen friert. In Amerika ist es umgekehrt dank Klimaanlagenfreaks, da friert man drinnen und schwitzt draussen. Das andere sind diese Warmluftgebläse, die den Eingangsbereich von Kaufhäusern gegen die böse kalte Welt abschotten und von denen man genau dann getroffen wird, wenn man sich von der Unter-der-Kälte-wegduck-Haltung wieder in eine aufrechte Position begibt. Dann wird man entweder des Atems beraubt, weil sich das anfühlt wie ein Sandsturm in der Sahara an einem Sommertag oder jeglicher Ansatz einer Frisur wird sofort plattgewalzt oder – bei den ganz schrill getunten – man wird sofort zu Boden gestreckt und robbt dann erstmal die paar Meter bis zum ersten Parfümeriestand, an dem man sich entkräftet hochzieht. Dann blickt man ins Gesicht, der dortigen Verkäuferin und a) erschrickt an der gemeisselten und gepinselten Fresse der Frau und/oder b) wird von der Duftwolke, die einem entgegenschlägt sofort des Bewusstseins beraubt. Wobei das Eintreten von b) durchaus a) erleichtert. Aus Rache fragt man die Vogelsch… die Dame, wo sich denn das Kopfhautpeeling befinden würde. MÄÄÄÄP! Ein Satz und sie ist überfordert. Tests haben ergeben, dass grade mal fünf Prozent wissen, dass es sowas überhaupt GIBT! Geschweige denn, dass und ob sie es haben. Was sie eigentlich in den meisten Fällen auch nicht tun. Zur Not kann man immer noch eine Haarbürste mit so Nibbelborsten kaufen, die massiert auch und die Verkäuferin kommt sich dann unheimlich gut vor, weil sie sowas kennt. Dafür darf man sich zuhause fragen lassen, wozu man bei einer Fünfmillimeterfrisur eine Haarbürste braucht. Bräuchte ich natürlich nicht, wenn ich jemanden hätte, der… die mir den ganzen Tag den Kopf krault. Und ein bisschen den Rücken kratzt. Und mit dem Palmwedel Luft zufächert. Ab und zu ein bisschen Wein einträufelt oder mich mit Trauben füttert. Dann müsste ich das nur noch daheim UND im Büro haben. Aber ich vermute mal, meine Kollegen wären neidisch und wollten das auch haben. Aber ich glaube, Dekadenz lässt sich nicht teilen. Nö. Aber kultivieren.