Adventsmasochismus

Am Abend zwischen Feierabend und Ladenschluss den MediaMarkt zu betreten ist Blödsinn. Da will jeder auf dem Heimweg noch eben was einkaufen gehen. Entsprechend platzen die Parkplätze aus allen Nähten und alle sind so richtig schön aggressiv. Die ganzen Frustrierten, die dann zehnmal um den Block gefahren sind und immer noch keinen Platz gefunden haben, die nehmen sich dann vor, am Samstag herzukommen, wenn ihr freier Tag ist. Rechne: Frustrierte gibt es an jedem Tag von Montag bis Freitag, also total laufen am Samstag die Bekloppten von fünf Abenden ein. Konzentriert so quasi. Die Essenz der Genervten, deren Ärgerpegel schon auf dem Weg von zu Hause bis zum Laden einige Schübe bekommen hat, weil sich auf der Strasse nur Asis (danke eLLeLL), Arschlöcher und Wixer tummeln, die die wöchentlichen Einkäufe nachholen wollen. Lustigerweise tut das aber keiner im Laden gleich um die Ecke sondern in einem Shoppingcenter, das minimal eine halbe Autostunde von zu Hause weg ist. Weil es dort billiger ist. Und alles an einem Ort. Da braucht man beim Shoppen weniger Nerven. Ja, ja. Und Elton John ist hetero. Nun gibt es aber zum Samstags-Brutalo-Shopping noch eine Steigerungsvariante: Ein Adventssamstag! Dann nämlich, wenn man nicht nur für sich selber einkaufen geht, sondenr auch noch unter dem jährlich wiederkehrenden Zwang leidet, für ANDERE was zu finden. Selbstverständlich kann man sich nicht schon das ganze Jahr durch etwas überlegen und schon zum Beispiel im August einkaufen, schliesslich besteht ja jedes Jahr die Chance, dass Weihnachten verschoben oder abgeschafft wird. Also ab geht’s ins Geschäft. Wer darf natürlich nicht fehlen an einem solchen Tag in einem solchen Laden? Ich! Hab ich gestern mit root durchgezogen. Schliesslich wollte ich für mein Schnucki (ich erinnere: Laptop, NICHT Freundin) was zum Anziehen kaufen (das würde ich für meine Freundin ganz bestimmt nicht bei MM machen). Ich hatte dort nämlich beim letzten Besuch eine kleine Tasche gesehen. Bloss hatte ich keine Ahnung von den Abmessungen des Geräts und habe drum den Kauf hinausgeschoben. Diesmal hatte ich in meinem Palm die Masse notiert, um sie mit der Beschriftung auf dem gewünschten Produkt zu vergleichen. Mit einem roten Einkaufskörbchen unterm Arm steuerten wir erst durch Küchenwagen, Föhne… Föhns… Haartrockner und Kühlschränke, dann wurde ich von einem CD-Regal angefallen, vom DVD-Gestell verfolgt und knapp konnte ich an den XBOX-Titeln vorbei flüchten. Unter Gewedel mit einem MagLite konnten wir uns durch die schieren Massen bis zur Expresskasse (dank Barzahlung – wie ungewohnt) durchprügeln und irgendwie erleichtert dem Ausgang zustreben. Draussen war es zwar schweinekalt, aber wenigstens nahm die Anzahl der Leute immer mehr ab, je weiter wir uns entfernten. Als ich dann wieder im Büro sass (Zusatzschicht im Stollen) fiel mein Blick auf meinen Laptop. Hm. Ich WUSSTE, ich hatte irgendwas vergessen. Aber beim nächsten Mal klappt es bestimmt. Ich weiss auch schon, wann ich den starten könnte. Es gibt zum Adventssamstag noch EINE Steigerung: Die Stunden vor dem letzten Ladenschluss vor Heiligabend. Dem ultimativ letzten Zeitpunkt um noch an Geschenke zu kommen. Panik in den Gesichtern, kalter Angstschweiss auf der Stirn im Hinblick auf die Tatsache, am Abend unterm Baum zu sitzen mit LEEREN Händen, wilde Bewegungen, hastige Bewegungen zwischen den Regalen, beinahe greifbare Adrenalinschwaden. Und mittendrin ICH, mit stoischer Ruhe, völlig relaxt, ich gehe wie in Zeitlupe quer durch den Laden, die Bewegungen neben mir frieren ein, zerlaufen von hastig zu still und bleiben als bunte Streifen in der Luft hängen, der Lärm blendet aus, Pachelbels Canon schwebt mir zu und losgelöst von allem drum und dran hole ich mir meine Laptoptasche. Ja, wenn man RICHTIG shoppt, braucht man keine Drogen.

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