Die Qual der Wahl

Im Film High Fidelity stellt John Cusack fest, dass es überaus schwierig ist, eine richtig gute Compilation (auch Sampler genannt) zusammenzustellen. Dass es vor allem auch zeitaufwendig ist, will man sich wirklich durch die eigene Sammlung wühlen um Stücke ans Tageslicht zu befördern, die wie kleine Perlen der Bedeutsamkeit schimmern. Vielleicht haben sie auch nur einen geilen Beat oder eine ultrageniale Textpassage, auf jeden Fall sind es für den Zusammensteller aus irgend einem Grund Kleinode, auf die man jemanden hinweisen möchte. Also kriecht man stundenlang über den Boden, stapelt CD-Kisten um, flucht, weil man vergessen hat, diese ganz bestimmte CD alphabetisch einzureihen und bekommt Schreikrämpfe, weil man dieses EINE Lied wegen Kopierschutz nicht verwenden kann. Mit kalt glänzenden Schweissperlen auf der Stirn hält man am Ende triumphierend das entstandene Produkt in den Händen, streckt es gen Himmel und ein gleissender Lichtstrahl fällt auf den Wolken darauf und eine Stimme sagt: GENIAAAAAAL! Eine vollbusige Frau in zerrissenen Kleidern schmiegt sich an das Bein des Helden und himmelt ihn an. Dann geht die CD an den Empfänger und PLOPP sind Himmel, Stimme und Vollbusige weg, denn plötzlich heisst der Film nicht mehr „Heldenhaft gebrannt“ sondern „Kampf der Musikgeschmäcker“. Dann stellt man mit Bedauern (alias Entsetzen alias OhUngläubiger alias SteckMirDenDolchInDieBrust) fest, dass Sender und Empfänger nicht zwangsweise die gleichen Frequenzen bedienen. Unsere Lehrlinge beispielsweise finden alles Scheisse, was nicht HipHop ist (ausser de eine, der findet auch noch Mariah Carey gut). Da ist aber zumindest noch klar umrissen. Was aber, wenn Empfänger nur genau DIE Sachen nicht gut findet, die man eben unter Aufbietung aller Register auf Silberscheibe geätzt und mit Herzblut versiegelt hat? Wenn alle Lieder eines Interpreten zwar als Gottesgabe gelten ausser demjenigen, das man eben ausgesucht hat? Oder man darauf hingewiesen wird, dass das Tape von neulich auf der Autobahn tierisch aggressiv macht (als ob jemand mitbekommt, wenn ein Smart aggressiv gefahren wird…)? Was nun, was tun? Resignieren? Geschmack ändern oder verleugnen? Weiter versuchen (allenfalls mit Aufkleber „Bei Nichtgefallen austauschen – gegen Wildecker Herzbuben“)? Winterswap ahoi, was DA wohl so an CD’s reinschwirrt und wie die wohl bewertet werden? Vielleicht beziehe ich dann die nächstens Songs aus meiner Ecke für Akustikperversion. Mal sehen.

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5 Comments on “Die Qual der Wahl

  1. Ich für meinen Teil habe nicht geschaut, was den Empfängern gefallen könnte, sondern was mir selbst gefällt – denn man kann es niemandem recht machen.
    Wem das nicht passt, kann sich die CD meinetwegen in den Hintern stecken :)

  2. Nimm einfach die, die dir gefällt. Und gegen Kopierschutz hilft Omas Hausmittel: Ein Streifen undurchsichtiges Klebeband über den Datentrack, der sich als silberner (eher unnütz-gräulicher) Streifen am Ende der CD befindet. Wirklich genialer, unknackbarer Kopierschutz, zumindest, wenns nach Sony geht. Die anderen kann man mit der richtigen Software cracken. Was gegen unterschiedliche Musikgeschmäcker hilft, davon hat Oma leider nichts gesagt. Man könnte aber mal Ohrenstöpsel probieren…

  3. Man bekommt natürlich nicht immer Musik des eigenen Geschmacks. Teils recht skurrile Sachen. Aber auch Interpreten, von denen man selbst noch nie etwas gehört hat. Und wenn’s dann doch gefällt, umso besser. Horizonterweiterung!

    Auf Deine wäre ich übrigens sehr gespannt, aber ich bekomme bestimmt wieder eine von so einem Indepedent-Liebhaber… ;o)

  4. eigentlich hat mich auch eher die tatsache bewogen, dass das gutfinden sich umgekehrt proportional zur wichtigkeit der person verhält :) oder so.