TV Dinner

Von ZZ Top in den Achtzigern besungen, damals noch wirklich neu auf dem Markt, eroberten Fertigmahlzeiten spätestens in den Neunzigern die Haushalte. Eigentlich gedacht für Singles, für die normale Packungen zu gross waren und normale Rezepte zu kompliziert, weiteten sich die Produktgruppen auch auf die verschiedensten Zielgruppen aus (inklusive der zwei nervenden Schwulen, die dank Fertigfrass gar nicht mehr aus dem Haus kommen – und gleich zum Klarstellen, die würden mich auch nerven, wenn es ein Heteropärchen wäre…). Aber die Menüs an und für sich sind praktisch. Als einzelne Portion vorgefertigt, nur noch schnell (mehr oder weniger, je nach technischer Ausstattung) in Backofen, Wasserbad oder Mikrowelle erhitzen und auf einem Tellerchen anrichten. Warum? Weil wenn schon Katzenfutter auf einem Tellerchen mit Petersilienbüschelchen kredenzt wird, warum dann nicht auch Essen für Menschen? Theoretisch. Kann man tun, wenn man einen Hang zu Ästhetik hat. Habe ich generell (ausser bei meinen Klamotten, ich sollte dringend wieder mal einkaufen gehen), aber beim Essen und Kochen überwiegt der unterschwellige Drang zum Praktischen. Oder zu Faulheit. Ich gestehe, ich bin ein Aus-der-Packung-Fresser. Oder aus-der-Hand. Bei ihr wisst schon wem. Aber normalerweise ist es so, dass ich zum Beispiel das Nasi-Goreng in der Plastikschale in der Mikrowelle nuke, die vorher durchstochene Deckfolie unter Fluchen abrupfe (Achtung, austretender Dampf), mit der Gabel ein-, zweimal mische und mich damit Vor die Glotze haue. Nach dem Essen bloss noch eine Gabel abwaschen, statt auch noch einem Teller. Pizza aus dem Karton, am besten nach der Behandlung mit dem Pizzarad, dann fallen schon Messer und Gabel weg. Rösti (sprich Rööschti) aus der Tüte in die Pfanne, brutzeln und… Mist, da brauch ich einen Teller, ich scharre nicht mir Metall in beschichteten Pfannen rum. Dafür sind bei mir ALLE Pfannen beschichtet, das reduziert die Abwaschdauer ENORM. Warum für eine Person zu viel Aufwand betreiben? Ich habe leider sogar den Hang dazu, in Gesellschaft daran zu denken, einfach mal Bratkartoffeln mit zweckentfremdeter Pastetchenfüllung zu machen, einfach weil beides schnell aus der Tüte geschüttelt werden könnte. Singlefood. Schnell, einfach, billig. Wie der Koch. Dafür stell ich mich dann schon auch gerne mal ausführlich in die Küche und versuche mit dem Ergebnis zu protzen. Da fällt mir ein, ich sollte meine Kochbücher von Betty Bossi (eine schweizer Institution mit Vertretung in wahrscheinlich 99 Prozent der Haushalte) entstauben und mal wieder zeigen, was ich kann. Indem ich ein Bildchen angucke, das Rezept dazu lese, achtzig Prozent der Zutaten auswechsle, aber es trotzdem schaffe, dass es am Ende wie auf dem Bild aussieht. Plus/Minus. Was soll’s, so lange es schmeckt. Plus/Minus.

Aktuell im Ohr: Allannah Myles – Black Velvet