Finster war’s…

Erster Oktober, halb sechs Uhr morgens und ich stehe das erste Mal mit Herbstjacke und Schal bekleidet vor dem Haus und warte aufs Taxi. Es ist arschkalt. Oder saukalt. Eigentlich egal, denn weder Arsch noch Sau sind im eigentlichen Sinne kalt, aber einen Grund wird das schon haben, dass diese Bezeichnungen existieren. Aber kalt war es. Aber nich tgenug damit, nein, es war auch noch stockdick neblig (auch wieder so was, ein Stock ist ja nun nicht sonderlich dick und trotzdem… aber egal). Unwillkürlich wurde ich dadurch an einen Film erinnert, nämlich „The Fog – Nebel des Grauens“, wahrscheinlich mein erster richtig gruseliger Horrorfilm, neben Alien und Sissi. Tote Seeleute, die aus dem Nebel kommen (bei The Fog, nicht bei Sissi) und die Einwohner einer Küstenstadt meucheln. Da hatte John Carpenter noch was drauf und freundlicherweise gibt es den Film bald als Collectors Edition auf DVD. In Amerika. Super. Aber die Sissi-Trilogie bekommt man dafür nachgeschmissen. Hm. Halt, nein, Nebel des Grauens war erst später, in jüngeren Jahren durfte ich mir schon auf Südwest3 50er-Jahre B-Movies anschauen, die waren für mein damaliges Alter auch schon recht gruselig. „Tarantula“ oder „Formicula“ zum Beispiel, wo mutierte Rieseninsekten über die immer gleichen abgelegenen Wüstenkäffer herfallen. Da waren Männer noch heldenhaft (oder tot) und Frauen konnten noch richtig schreien und in Panik ausbrechen, was ja in Zeiten der Emanzipation nicht mehr salonfähig ist. Das Dumme war nur, dass die Filme so um die neunzig Minuten dauerten und um 19:45 Uhr begannen. Ich durfte allerdings immer nur bis Neun aufbleiben. Menschen mit leichter mathematischer Begabung können nun erkennen, dass mir dadurch der Showdown komplett entging. Ich weiss bis heute nicht, wie die meisten der Filme ausgegangen sind. Wie „Tanz der Vampire“ ausging weiss ich hingegen. Den durfte ich auch mal sehen. An und für sich ist der Film ja mehr komödiantisch ausgelegt als horrorig. Hat mich aber nicht abgehalten, erst in jeden Schrank, hinter alle Türen und mein Bett zu sehen und ein Kreuz neben dem Bett aufzubewahren. Mit meinem ersten Taschenmesser habe ich mir im Wald auch gleich einen hübschen Pflock zugeschnitzt. Man konnte ja nie wissen. Wirklich nicht. Man konnte wirklich nie wissen, ob nicht plötzlich so eine angeheiratete österreichische Kaiserin aus dem Schrank sprang. Gruselig…

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One Comment on “Finster war’s…

  1. Ich durfte schon ab und zu einen Film zu Ende ansehen. Wenn ich frech war, musste ich zur Strafe in mein Zimmer und durfte nicht zu Ende schauen. Ich schlich mich dann aber trotzdem noch heimlich in die Diele, um durch den Türspalt den Film noch sehen zu können. Allerdings quietschte an einigen Stellen in der Diele der Holzboden und somit musste ich in der Diele Umwege gehen, und zwar nur auf Stellen treten, die nicht ganz so arg oder gar nicht quietschten – also schön aussen herum an der Wand entlang. Meine Mutter, die meine Mühen natürlich mitbekam, war so fies und wartete, bis ich endlich mühsam an der leicht geöffneten Türe angekommen war und erst dann schickte sie mich wieder in mein Zimmer.