Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Eigentlich könnte ich jetzt ein Glas schweren Rotwein trinken, das passt ja zu rotem Fleisch. Das wiederum habe ich, weil ich beim Badewsser einlassen wieder nicht aufgepasst habe. Wir aber wieder normal. Dafür bin ich kuschelweich dank Dove Supreme Silk. Nur weil ich ein Mann bin muss ich mich ja nicht anfühlen wie ein Stapel Brennholz. Der Mann von heute pflegt sich, hegt sich und schneidet seine Fussnägel nicht am Esstisch. Woher kommen diese Gerüchte eigentlich? Oder sind das gar keine uns es gibt tatsächlich Angehörige meiner Gattung, die das tun? Oder vorm Fernseher und zielen dann an der Chips-Schüssel vorbei? Gruselige Vorstellung. Das müsste ich nicht haben. Eine Wohnung hat mehrere Räume und jeder hat so seinen eigenen Zweck. Den man durchaus hinter einer Türe verstecken kann. Erfahrungsgemäss gibt es Zeitgenossen, die lassen die Klotür IMMER offen, man darf teilhaben und schliesslich stammt man aus einer offenen Familie. Auch offene Familien können Türen zu machen.
Nägel. Bei einem Preisausschreiben habe ich ein Maniküre-Set gewonnen. Haben die mich letztens mit dem bunten Schirm gesehen oder was? Nicht, dass ich undankbar bin, aber warum ich. Warum gewinnt sowas nicht die Sissi von gestern im Coop (Lebensmittelabteilung)? Sissi war ein etwa 190 cm grosser Mann im schicken Anzug, modisch, nicht übel aussehend und trug ein Einkaufskörbchen. Vor ihm stakste seine Tussi im schwarzen Kleidchen und fingerte jeweils umständlich Packungen aus den Regalen, die sie in vorgenanntes Körbchen legte, das devot hinterher trottete. Bis hierher noch eine ganz normale Szene. Einigermassen. Dann sagte sie: „Wir brauchen noch Chips“. Er stoffelte hinter ihr her um die Regale rum und dann sagte sie zu ihm relativ laut: „Stell das Körbchen da ab, sonst wird dir das noch zu schwer“. Noch eleganter kann man einem Mann doch keinen Dolch zwischen die Rippen stecken.
Mir war, als hätte mir jemand ein Grinsen mit der Schrotflinte ins Gesicht geschossen. Das ganze vermischte sich mit einem leicht ungläubigen Gesichtsausdruck, als ich ihn anstarrte. Er wusste wohl nicht so richtig, was er tun sollte (ausser im Boden versinken) und entschuldigend lächelte er mich an. DEM würde ein Maniküre-Set passen. Da kann er die schon nicht mehr sichtbaren Kanten völlig glattbügeln. Ich musste mich dann ab- und der Fleischabteilung zuwenden, um ein Stück totes Tier zu kaufen. Testosteron-Schubser. Der setzt sich bestimmt hin beim Pinkeln. Auf dem Pissoir (Urinal). Trägt zu Hause eine geblümte Schürze überm Anzug, während er den Abwasch macht. Ob DIE Frau sich zwischen den Beinen kratzt und auf der Strasse ausspuckt?
Müsste ich nicht haben. Auch Leute, die grundsätzlich jeder Aussage, die man tätigt, mit einem Negativum begegnen. Gibt’s nicht! Man muss ja nicht den gleichen Geschmack oder die gleiche Meinung haben, aber man kann ja auch mal nur zuhören. Und/oder nachdenken. Oder eine Bemerkung stehen lassen. Einfach mal nichts sagen, gerade wenn man gar keine Ahnung hat, wovon eigentlich die Rede ist und nicht sofort aufs Maul hauen. Obwohl, Sissi hätte ruhig sagen dürfen, dass sie… er das Körbchen durchaus zu tragen in der Lage ist und dass sie Zicke sich nicht so anstellen soll. Aber die Aussicht auf drei Wochen keinen Sex und vier Wochen angeschwiegen werden, da hatte er wohl keine Lust zu. Er sah zwar einigermassen betucht aus, da hätte er ja nach einer Woche Versöhnungsshopping betreiben können. Schuhe. Klamotten. Pelzmäntel. Warum wollen eigentlich Frauen immer Nerze? Weil Nerze acht Stunden Sex haben können am Stück. Könnte ja abfärben.
lustig lustig *lol*. Ich glaube für diese zivilisierte Sorte Mann (im ersten Teil deiner Geschichte) wurde sogar ein neues Wort geschaffen: metrosexuell. Oder gabs das Wort schon vorher und man hat nur den Mann dazu neu erfunden…?