Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Menschen sind seltsame Tiere. Wir halten uns gerne für die Krönung der Schöpfung, im Vergleich mit Tieren kommen wir uns ganz grossartig vor. Wir denken und planen, wir haben moralisches Empfinden, können einen Wasserkocher bedienen und auf einer komplexen Ebene kommunizieren. Warum sind wir dann nicht zufrieden? Warum hetzen wir dem Glück hinterher, versuchen uns mental wie materiell zu bereichern, nur um festzustellen, dass wenn wir etwas haben, gleich noch mehr brauchen. In Bond-Filmen lachen wir über die Bösewichte mit ihren übersteigerten Egos und ihrer Gier und ihren Machtgelüsten. Wenn wir das Ganze um einen oder zwei Hollywoodquotienten reduzieren und redimensionieren, dann sind wir schon auch bei der Frage, warum der Bürokollege jetzt den besseren Bürostuhl hat. Von Termin zu Termin hetzen um einen besseren Job zu ergattern, bei dem wir genauso unzufrieden sind wie beim alten, aber dafür mehr Kohle bekommen, die wir für Sachen ausgeben, die wir gar nicht brauchen.
Einatmen. Durchatmen. Aufatmen. Ist denn wirklich alles so schlimm, wie wir es grade sehen? Oder machen wir es nur schlimmer, weil es so geil ist zu leiden? Einleuchten. Durchleuchten. Aufleuchten. Wenn wir uns zur Abwechslung damit beschäftigen, was in uns drin vorgeht, anstatt auf die anderen zu schielen UND dabei ehrlich sind und uns auch mal sagen können, was für komplette Idioten wir eigentlich sind, möglicherweise machen wir dann einen Schritt, der uns vom Menschen wieder zum Tier macht, nämlich dahin gehend, dass wir zufrieden sind wie es ist. Loslassen. Nichts erzwingen wollen. Nicht Gleichgültigkeit, sondern Gelassenheit, ein fliessen lassen, nicht dieses sture Durchs-Leben-rennen, sondern eher ein Mäandern. Auch zur Abwechslung in einen Fettnapf (oder ein Fettbassin in meinem Fall) hüpfen und es locker und sich selber nicht so ernst nehmen. Einige Leute müssen sogar einen sehr hohes Mass davon haben, über sich selber zu lachen.
Und es schien mir letzte Woche, dass all diejenigen, die einen an der Klatsche haben, am gleichen Tag wie ich im Zoo waren. Was bei mir dann die Frage aufwirft, wenn ICH ja auch dort bin… Egal. Es herrschte Kinderwahnsinn und der Intelligenzquotient der Menschlichen Besucher – ich nehme mich da jetzt aus (nicht von den Menschen, der Gruppe als solches) – lag weit unterhalb der Temperatur im Pinguingehege. Aber vielleicht war den Besuchern wie von mir empfohlen schon in völliger Gelassenheit diese Erkenntnis ins Gehirn geglitten, dass sie es doch dabei belassen sollten. Erstaunliche Szenen spielten sich ab und gerade im unmittelbaren Vergleich zwischen Menschen und Tieren, da tritt zutage, wo es bei einigen hapert. Ein Ozelot verzehrt ein Meerschweinchen und putzt sich dabei laufend Gesicht und Pfötchen während vor der Glasscheibe ein Dummelot einen Wrap verdrückt und es noch nicht mal bemerkt, dass sich die Cocktailsauce bis zwei Zentimeter vors Ohrläppchen erstreckt. Sich danach zwar die Mundwinkel abwischt, aber mit Verzierung durch die Gegend spaziert.
Ein weiteres Faszinosum sind Schimpansen, die ihre Getränke in Bechern serviert bekommen, diese entweder in der Hand tragen, oder aber den Becherrand zwischen die Zähne klemmen, durchs Gehege zu einem Sitzplatz turnen und dort trinken. Ohne einen Tropfen zu verschütten. Draussen vor der Tür steht ein Menschenmännchen und ist zu doof, ein Calippo-Eis aus der Tüte zu drücken. Aber da, ein Weibchen mit ihrer halbwüchsigen Tochter und die alte versucht der jungen etwas zu erklären, da muss ich doch mitlauschen. Doch ich höre nur, wie Mensch(?) dauernd wiederholt: „Schlag ein Rad! Schlag ein Rad!“ (Nicht zu ihrer Tochter und mit Quietschestimme) „Schlag ein Rad! Schlag ein Rad!“ und Pfau denkt: „Ich bin ein Weibchen, du dumme Nuss“. Ich war schon fast am Ende mit den Nerven, dass diese ganzen Talkshow-Insassen ihren Weg hierhin gefunden hatten, da zeigte ein Menschenkind, dass es auch anders geht. Junge (ca. 10) (hier Sirenenlautstärke denken): „MAAMAAA! MAAAAMAAAA! GUCK DAAAAA! MAAAMAAAAA!“ und da dreht sich daneben ein Mädchen (ca. 7) um und brüllt ihm ins Gesicht „DAS GEHT AUCH LEISER, MANN!“. Also wer DIE mal abkriegt…
leider gibt es tage wie du ihn gerade beschreibst im zoo öfters… hab diese erfahrung erst kürzlich auch gemacht…
aber die kleine ist gut, sehr gut sogar :-D