Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Woran ist zu denken, bevor man in den Urlaub fährt? Einiges. Zuerst einmal muss man buchen, aber da gehe ich davon aus, dass das getan wurde. Aber spulen wir vor zum Tag der Abreise. Bügeleisen ausstöpseln. Post umleiten. Fernseher ausstöpseln. Packen. Kühlschrank NICHT ausstöpseln. Blumen nochmal so richtig zuschütten. Alle Kerzen ausstö… pusten. Katze erschiessen, damit sie während den Ferien nicht verhungert. Türe abschliessen und zum Flughafen fahren. Bescheuerte Fragen verdrängen („Wann fährst du denn?“ – „Montag“ – „Dann bist du am Sonntag noch da?“). Im Bus Schüler ignorieren, die Deutschunterricht für Zeitverschwendung halten („In dem Schule haben wir nur Zeit verliert“). Abfliegen.
Ankommen und englische Hochzeiten besuchen. Eine durchaus interessante Erfahrung. Zur Abwechslung habe ich England nicht als Tourist sondern als Freund und Gast besucht (inzwischen mehrmals, was reitet mich bloss für ein Gespenst) und da sieht man auch hinter die Kulissen. Man bemerkt zum Beispiel, dass der gemeine Engländer genetisch mutiert sein muss, denn an jeglichem festiven Anlass scheint ein Glas Bier aus seiner Hand zu wachsen. Das geht da auch nicht mehr weg. Aber die brauchen das wohl, macht die ganzen hässlichen Frauen erträglicher. Ich bin ja sonst nicht so (doch, eigentlich schon), aber ich hab da drüben prozentual ähnlich viele Unhübsche gesehen wie hier unbreite Krankenschwesterhintern (ich lasse mich aber gern auch vom Gegenteil beziehungsweise Vorhandensein überzeugen). Alles aber nicht so schlimm, denn man bekommt sofort von einem oder mehreren auch ein oder mehrere Pint in die Hand oder Hände gedrückt. Sind aber alle gut drauf.
Auch eher selten ist, dass sich die Braut in der Küche der Schwiegereltern mal eben halb aus dem Brautkleid schält, einem das Hemd übern Kopf stülpt, um Tattoo-Vergleiche durchzuführen. Jeder normale Mensch, der in eben diesem Augenblick den Raum betreten hätte, wäre durchaus in der Lage gewesen, auf alberne Gedanken zu kommen. Da auf der Insel aber kein Einziger normal ist (drum leben die da), bestand diesbezüglich keine Gefahr. Aber sie war wohl einfach erleichtert, dass das Wichtigste vom Tag schon vorbei war: Die Zeremonie. Die war in kleinem Rahmen, Verwandte, Freunde und nach fünfzehn Minuten vorbei. Die Fotografiererei dauerte vierzig Minuten und hatte was von einem Feldherrenspiel, der seine Figürchen hin und her schiebt und immer wieder anders anordnet, bis man vor lauter Renner- und Grinserei kotzen könnte. Der bei der zweiten Hochzeit, bei der ich war, der war NOCH schlimmer. Das hat allerdings ein kanadischer Kumpel durch die übelsten Grimassen, die ich jemals gesehen habe leicht entschärft.
Langsam merke ich auch, dass die beiden Ereignisse etwas ineinandergeraten, was aber grundsätzlich schnurz ist, weil der grundsätzliche Ablauf grundsätzlich gleich ist. Zeremonie – Break – Party. Erlebt man dort die Senioren, die auf Wham (Wake me up before you go go) abtanzen, macht das deutlich, das BSE keinesfalls besiegt wurde. Dass an einem solchen Anlass in einer bestimmten Altersklasse (Teeny) nur ein hormonell gesteuerter Boy auf zwei erblühende Girls losgelassen wurde, zeugte ebenfalls von leicht daneben gegangener Planung. Was macht man in dem Alter um zu protzen? Man versucht die Mädels untern Tisch zu saufen. Nun ist ER allerdings Amerikaner (die mit dem Wasserbier) und SIE sind Engländerinnen. Und zwei. Nun ja, er hat den Kopf ungefähr zwei Stunden nicht meh aus der Kloschüssel bekommen.
Da war dann auch noch etwas, wo Leute getoastet wurden und beim Abschiedsknuddel sind sämtliche Knöpfe vom Brautkleid geknallt und ein Koch hat angeboten wegen meiner Allergie sogar seine Hände zu waschen und ich hätte beim unkeuschen Betrachten der Kellnerin gerne meine Hände in Unschuld gewaschen und die Fahrpläne da drüben sind auch sehr seltsam und schlechtes Wetter findet nur dann statt, wenn der dumme Tourist aus dem Haus tritt, sonst ist schön. Warum mir das jetzt alles so schleierhaft wird und was ich sagen wollte, entgleitet mir so langsam. Hm. Was macht denn das Bier in meiner Hand? Das geht da gar nicht weg, verdammt.
"Katze erschiessen, damit sie während den Ferien nicht verhungert."
Im Bus
SchülerGleichgesinnte ignorieren, die Deutschunterricht für Zeitverschwendung halten.schöööne vorlage.. ;)
…irgendwie seltsam das alles…hab jetzt auch schon öfters die Anfrage erhalten doch mal endlich auf einen Trip nach England zu düsen…doch irgendeine innere Stimme prügelt mir jegliche Zuneigung für dieses Land augenblicklich wieder aus dem Schädel…beim Gedanken an die Insel da oben krieg ich irgendwie Pickel auf der Zunge…komisch eigentlich…