Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Gesunder Geist in einem gesunden Körper propagierten damals schon die alten Griechen. Was damals funktioniert hat, kann heute ja nicht sooo abwegig sein. Griechenland zeichnet sich zwar heute mehr durch Smog und Massentourismus aus als durch geistige Meisterleistungen, aber das muss wohl das Schicksal aller ehemaligen Hochkulturen sein. Ich glaube zwar, dass damals auch die Denker und die Sportler in zwei verschiedenen Körperkategorien untergebracht waren. Diogenes zum Beispiel in einem Fass und die Olympioniken in den Wasserträgern. Meine Absicht allerdings war jedoch, in mir einen Ausgleich zu schaffen und mich wieder fit zu machen, also ab ins Fitnessstudio und wieder trainieren. Ich hab da nebenbei im Büro mal von erzählt und dass dort an den Maschinen mindestens knielange Hosen gefordert werden.
HooBee nahm das etwas befremdet auf und wollte wissen warum. Ich wies ihn darauf hin, dass ich (und viele andere sicher auch nicht) nicht das Bedürfnis habe, anderer Leute Gehänge bei so kurzen Turnhosen mitansehen zu müssen (im Übrigen finde ich auch diese Fleischmurmeln betonenden Spandexradlerhosen verbietenswürdig). Antwort: Du musst da ja nicht hinsehen. Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass mein lieber Kollege noch kein Fitnesscenter von innen gesehen hat, dann kann ich darüber mal hinwegblicken. Für alle anderen, die an diesem Kenntnisstand ebenfalls kranken: Die Trainingsgeräte stehen sich öfter mal direkt gegenüber. Das ist nett, wenn es umu die Brustmuskulatur von Damen geht, aber nicht, wenn es ein Beinspreizer ist und der Typ trägt eben diese Freiheit-für-die-Klöten-Hosen. Je nachTrainingsintensität hat man EINEN ganz bestimmten Blickwinkel und hat eine konzentrierte Blickrichtung. Wenn ich jetzt mit genügend Gewicht unter Belastung stehe und werde in eben diesem Moment von einer Eier und Würstchen-Pfanne erschreckt werde, dann ist das gefährlich, denn wenn ich keinen Gegendruck mehr gebe, will ich bestimmt nicht mit Anlauf um die Maschinerie gewickelt werden.
Nach massiver Ertüchtigung wurde ich dann zur Förderung meiner Kondition erstmals auf ein Laufband gestellt. Laufen, aber sich nicht vom Fleck bewegen war eine ganz neue Erfahrung. Besonders, was die Koordination meines Gleichgewichtsorgans betrifft. Wenn ich normal gehe oder laufe, kann ich in jede erdenkliche Richtung sehen. Auf einem Laufband kann ich das nicht. Das hat insofern den Nachteil, dass ich nicht einfach neben mir trainierende Frauen begaffen kann, ohne unmittelbar auf die Fresse zu fallen. Diese Gerätschaften hat sich bestimmt eine Frau ausgedacht. Also Blick geradeaus und abtraben. Nach dem dritten Mal habe ich auch gemerkt, dass man mit der richtigen Musikkulisse viel schneller läuft, einfach weil sich die Füsse dem Rhythmus anpassen. So musste ich das Band je länger je schneller stellen, von Walking zu flottem Gehen. Spätestens bei Thomas D.’s „Wish“ rannte dann nicht nur Lola, sondern auch der keks.
Was passiert nun am Ende der Lauferei? Man steigt vom Band und rennt erstmal gegen die Wand. Ich zumindest. Es fühlt sich an wie in die Füsse implementierte Rollschuhe, man denkt, man rollt, fliesst, gleitet. Ähnliches Feeling, wie wenn man in den Flughäfen auf diesen Transportbändern nicht stehenbleibt, sondern ausschreitet. Bizarr! Wenigstens konnte ich auf der zweiten Treppenstufe noch meine Füsse wieder unter Kontrolle bekommen und nicht das ganze Stockwerk runterpurzeln. ABer auch das bekomme ich noch in den Griff. Dann kann ich auch die Pulsmessgriffe umfassen ohne über die eigenen Füsse zu stolpern.
Der Vorteil ist dann, dass ich nach genug Training nicht mehr das Gefühl habe, ich würde meine Lunge in den Bus kotzen, wenn ich wieder zu spät von zuhause losgegangen bin. Apropos Geist und kotzen: Bei der ersten Schweizer Castingshow… Falsch, ist ja schon die Zweite. Also, bei der zweiten Schweizer Castingshow namens MusicStar prägte ein Jurorenspruch unsere aktuelle Dialektwelt: „Meh Dräck“ (= mehr Dreck). Damit wollte der sympathische Herr einem Kandidaten mitteilen, dass seine Präsentation zwar okay war, aber halt das raue Urtümliche, das Markante vermissen liess. Gestern las ich etwas in diesem Zusammenhang auch über das Schreiben.
Man solle echt schreiben, wie es in einem hochbrodelt, weil dann das Leben auf das Papier trieft, unverfälscht, ohne eigene Kopfzensur, einfach schreiben und nicht überlegen, ob das jetzt passt oder nicht. Mit meh Dräck eben. Eigentlich korrekt. Wenn meine Gedanken losschiessen wie rausgerotzt, dann treffen die den Punkt irgendwie besser, als wenn ich daran rumfeile. Muss nicht für jeden passen, für mich konnte ich das durchaus unterschreiben. Was klingt echter von Bruce Willis in „Die Hard“ (= Stirb langsam): Yippiekayeh Moddafacka oder Jippieieh Schweinebacke. Hätte Bruce das wirklich gesagt? Uuuh, I feel dirrrty now. Und schön, dass wir mal drüber geredet haben.
Hm. Ob ich das da oben so stehen lassen kann?