Ich habe die Zeit eingezont

Es ist wieder Winterzeit, wenn’s draussen friert und drinnen schreit. Oder so ähnlich. Bei uns fiel der erste Schnee. Falsch, auch nicht. Das war der zweite, aber im Gegensatz zum ersten und zu mir, blieb dieser am Morgen liegen. Ende Oktober und die Welt um uns ist weiss. Kaum ist dieser Schock verdaut, da wird einem schon wieder mit Zeitumstellung gedroht. Irgendwann wird auch mir klar, dass es ja die Umstellung ZURÜCK ist, also wird uns die Stunde vom Frühling zurückerstattet. Nein, ihr Blödis, wir bekommen keine Stunde geschenkt, wir bekommen nur das wieder, was uns rechtmässig zusteht. Ihr erinnert euch? Umstellung Frühling? Eine vor? Und jetzt eine zurück? Wie? Zurück? Also, was heisst denn das, wenn jetzt auf meiner Uhr neun Uhr ist, was ist denn nun neu, wenn wir zurück gehen? Ich frage mich echt, was in den Leuten vorgeht, nachdem wir das nun seit ZIG Jahren machen und das immer noch nicht in die Birnen geht. Sogar die Kühe haben das inzwischen gerafft, die damals als Grund angeführt worden sind, dass die Umstellung aus melktechnischen Gründen nie und nimmer klappen würde. Und heute? Heute treten die Kühe ans Stalltor, weil der Bauer verpennt hat, weil er die Uhr in die falsche Richtung gedreht hat. Zuhause hingegen hat man banalere Fragen. Wenn ich in meiner Betthälfte meinen Wecker und mein Handy am Sonntagmorgen auf acht Uhr zurückgestellt habe und meine Freundin in ihrer Betthälfte nicht, ist sie dann in einer anderen Zeitzone? Muss sie dann – schliesslich hat sie schon neun Uhr – aufstehen und Frühstück machen? Dann kann ich auch um neun Uhr aufstehen und alles ist fertig. Ich habe versucht diesbezüglich eine Einigung zu erreichen, allerdings wollte sie nicht und redete sich raus, wir könnten ja gar nicht miteinander drüber reden, weil wenn ich um acht etwas sage, und sie schon neun hat, das doch eine Stunde braucht, bis es bei ihr ist. Da war dann genau der Punkt erreicht, wo ich nicht mehr wusste, worum es eigentlich ging. Ich drehte mich um und schlief noch eine Runde. Als ich wieder aufwachte hatte sich das Raumzeitkontinuum wieder ausgeglichen und wir haben zusammen Stück gefrüht.
Was wir ja nicht wussten: Ausser Kühen gibt es noch andere Viecher, die am Morgen bedient werden wollen. Aber wo der Mensch schläft, da lass dich nicht nieder, denn der vergisst bloss das Füttern wieder. Wenn man nicht eine konstante Überwachung der Küchenzone hätte, dann wüsste man auch gar nicht, was gewisse Bären so anstellen, wenn man sie einen Moment unbeobachtet lässt. Ich will ja nicht wissen, was zu Hause für Parties gefeiert werden, wenn wir nicht da sind. Sie haben sich zwar danach rausgeredet, sie hätten bloss Heimweh gehabt nach der Kühle des Nordpols. Glaube ich den zweien aber nicht, die schreien schon nach Wolldecken, wenn man bloss mal die Bude lüftet. Ich werde wohl in Zukunft einiges an anderen Orten aufbewahren müssen. Obwohl das bei der Nutella auch nicht geholfen hat. Es wird Zeit, dass ich mir was einfallen lasse.
Apropos Zeit: Öfters vernehme ich den Satz „Da habe ich aber schön Zeit gespart“. Das macht mich nachdenklich. Ich denkliche dann nämlich darüber nach, wie ich denn wo Zeit spare. Kann ich da auch zur Bank gehen und ein Konto eröffnen für Zeit? Keine schlechte Sache, schliesslich bekommt man auch Zinsen dafür und plötzlich hat man noch mehr Zeit. Nur, wie komme ich da ran? Ich habe bisher noch nirgends einen Zeitomaten gesehen. Also wenn ich schon Zeit sparen kann, dann möge mir doch bitte jemand erklären, wie ich das anlegen kann. Und eigentlich wäre dann ja die ganze Zeitumstellerei ein Riesenbeschiss. Schliesslich verleihen wir unsere Zeiten den grössten Teil des Jahres und bekommen genau diese eine Stunde zinslos zurück. Hallo, Herr Erfinder! Ich möchte gerne die Zinsverluste der letzten Jahre zurückfordern! Steuerfrei!

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