Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Unsere Eltern haben uns früher ziemlichen Scheiss erzählt. „Iss Spinat, da ist viel gesundes Eisen drin“. Stimmt nicht, schmeckt keinem Kind und verleitet wegen dem Hinweis auf gesundes Eisen eigentlich noch mehr dazu, irgendwelche Versuche Zunge vs. Verkehrsschild zu forcieren. Oder „Keine Kirschkerne schlucken, sonst wächst dir ein Kirschbaum im Bauch“. Funktioniert auch nicht, macht aber Panik, ähnlich nachhaltig, wie einem Fünfjährigen nach dem Konsum eines Käfers die Sequenz aus Alien zu zeigen, wo das Vieh durch die Bauchdecke bricht. Von sowas kommt sowas. Wenn wir die Märchen aus frühen Zeiten aber weglassen, dann gibt es doch noch genügend Möglichkeiten, wie Mütter und Väter die Lebenstauglichkeit ihrer Sprösslinge vehement unterminieren können. Meine Mutter schickt mich vor vielen Jahren in unseren Quartierladen, um einen Kohl zu kaufen. Das war eine bei uns zu Hause gängige Bezeichnung für dieses runde grüne Gemüse. Fröhlich pfeifend hopsehüpfte also dieser Knirpskeks zum Laden, stellte sich vor die Gemüsetheke, und verlangte einen Kohl. „Einen WAS?“ fragte die Verkäuferin. „Einen Kohl!“ wiederholte er, in der Annahme, der Wunsch sei akustisch nicht bis ans Ohr der Grünzeugfachverkäuferin gedrungen, da ja die Distanz von knapp über dem Boden (ich war ein kleines Kind) bis zum Gehörgang der Salatschubserin doch eine gewisse Länge aufwies. Allerdings sagte er das natürlich auf schwiizerdüütsch, also „en chööl“. Er wiederholte seinen Wunsch etwas deutlicher, nur um von einem noch deutlicheren „Ein WAS?!?“ in die Schranken geschmettert zu werden. Kommunikation ist etwas Schönes. Mit einem leicht weinerlichen Unterton deutete ich auf den Kohl und sagte „Das da!“. Die Profigurkenhandhaberin drehte sich um, nahm den Kohl in die Hand und sagte vorwurfsvoll „Das ist aber ein WIRZ!“ Scheisskantonale Dialektfuckingunterschiede. Zerknirscht begab ich mich mit dem WIRZ nach Hause und warf meiner Mutter vor, dass sie mich so quasi im Wissen um die Tatsache, dass wir einen WIRZ wollten und keinen KOHL, mich dahin geschickt und mich blamieren wollte. Stimmte natürlich nicht. Ich habe dann aber auch später festgestellt, dass ich in den Ladne die einzige Tomatenjongleuse erwischt hatte, die nicht kundig war über die verschiedenen Bezeichnungen des Zielobjektes meines damaligen Einkaufes.
Heute morgen hat RAndy erzählt, auch er hätte früh die Erfahrung machen müssen, dass man in einem kleinen Laden als Kleinstshopper (altersmässig) nicht zur Verkäuferin brüllen sollte, wenn man bei einem Produkt auf dem von Mama erstellten Einkaufszettel bei etwas nicht weiss, was es ist. „Hallo, Frau Müller! Was sind denn bitte Damenbinden!?!“ führte denn auch (zumindest damals, kurz nach der Steinzeit) zu einem grundsätzlichen Kollektiverröten bei der erwachsenen Besucherschaft und einem dedizierten Erklärungssnotstand bei der Verkäuferin. Endergebnis von solchen Einflüssen sind dann meistens erste Aufklärungssversuche. Sollte von Eltern grundsätzlich vermieden werden, wenn sie Dinge nicht benennen können, da ansonsten der Verwirrungsgrad ins Unermessliche steigen kann. Beim Kind. Es gibt bestimmt Menschen, die versuchen heute noch, ein Date mit einem Storch zu bekommen. Bienchen und Blümchen. Stell ich mir das so vor, dass ein Bienchen mit ausgefahrenem Stachel über die Wiese fliegt und „Bsss! Bssss!“ macht? Und unten legt eine Blume ihre Blätter in die Hüfte, dreht den Kelch lasziv nach hinten und säuselt hoch „Los, nimm mich, du Sau!“. „BSSSS! BSSSSSS!“. Und dann rammelt das kleine Bienchen auf dieser Blume rum, reitet der Blume den Stempel wund und gönnt sich anschliessend die Polle danach? Nö, oder? Überhaupt haben wir doch gelernt, dass die Bienchen, die da so rumschwirren eigentlich Weibchen sind (weil die im Gegensatz zur menschlichen Variante einen Orientierungssinn haben). Nun sind die Blümchen doch aber auch weiblich. Also wie soll das zu Kinderkriegen führen? Und gibt’s dann kleine Blümchen oder kleine Bienchen? Das sagt einem KEINE SAU! Flora-Fauna-Lesbenorgien auf der Wiese veranstalten lassen und den Kiddies davon erzählen, aber die Filme, wo sie wirklich lernen würden, wie es geht ab 18 freigeben. Das hat man gerne. Wobei dann wahrscheinlich eher hochhackige Schuhe kaufen würden, statt Kondome, weil man die ja anscheinend essentiell benötigt. Wenn man den Aufklärungs… ähm… Naturfilmen so glauben darf.