Kextourismus

Ferien ab und zu sind eine feine Sache. Dabei hat jeder Mensch so seine Vorlieben, was Reiseziele anbelangt und wie denn die wenigen freien Wochen im Jahr ausgestaltet werden. In der Schweiz haben wir übrigens vier Wochen und man ist damit zufrieden (bei 40- oder 42-Stunden-Wochen), nicht wie in anderen Ländern, wo man jede Woche weniger arbeitet und dafür noch mit mehr Freizeit in Ferienform bestraft wird. Die sollten sich aber was schämen. Also zurück zu den Ferien. Manche Menschen verreisen irgendwohin, bloss um das Hotelzimmer neben ihren Nachbarn zu erwischen und sich dann zwei Wochen darüber aufzuregen, dass man das Saupack nun nicht nur ab und zu SEHEN, sondern sie auch noch HALBNACKT sehen zu müssen. Darüber hinaus sitzt man natürlich am gemeinsamen Esstisch und geht sich so tierisch auf den Sack (unter falschem Dauergrinsen), dass man sofort nach Rückkehr Hund/Katze/Kanarienvogel der Feriennerver ins Jenseits befördert. Umgekehrt natürlich auch. Oder man liegt zwischen südeuropäischen Göttergeschenken im Ministring, die sich vorzugsweise komplett mit Olivenöl eingeschmiert haben und dann bei voller Sonneneinstrahlung den Tag durch garen. Deshalb gibt es wohl auch nur alte kleine Italiener/Innen, weil die in jungen Jahren alle einschrumpeln wie Dörrpflaumen. Aber egal, schliesslich hat man es sich so ausgesucht und verbringt seine Ferientage konsequent mit dem Zerstören von Gehirnzellen, sei es beim Sonnenbranden, beim Kampfsaufen aus dem Sangriapott (wo man ja auch nicht weiss, was durch die Strohhalme so alles ZURÜCK fliesst), beim Cora-Romane lesen oder einfach nur schon deshalb, weil im durchschnittlichen Ferienclub der durchschnittliche Intelligenzquotient auf der Höhe von Adiletten liegt und so eine Umgebung einfach abfärben MUSS.
Das Gegenstück dazu sind penetrante Kulturtripper, die von der ersten Sekunde an mit Reiseführer und Geschichtslehrbuch auf Knien ihr Urlaubsziel durchkreuzen, immer auf der Suche nach einem Relikt, das vor ihnen noch keiner der hundertbazilliarden Touristen entdeckt hat. Spassdefinition ist in diesem Falle auch eher das Überleben einer Wanderung und nicht das Wandern an sich. In den letzten Jahren vermehrt aufgetreten sind die Extremsportler, die ihren eigenen Vorrat an Energienahrung und Elektrolytgetränken mitbringen, weil das Durchfallwasser im besuchten Land keiner trinken kann und schliesslich will man sich nicht auf das nahrungstechnologische Drittweltniveau von ausserhalb (also alles ausser zuhause) hernieder lassen. Nicht viel besser sind die Gourmetreisenden, die im Gegensatz zu vorgenannter Gruppe so ziemlich alles fressen, was ihnen in den Weg kommt, egal, ob es zum Verzehr gedacht war oder halt nur so angenommen wurde („Ach, das war IHR Hund?“). Man merkt aber allen einen gewissen Zwang an, einen Druck, in ihrer Freizeitdisziplin so viel Spass rausquetschen zu müssen wie aus einer Zitrone. Genau aus diesem Grund kommen die meisten aus ihrem Urlaub noch ausgelutschter zurück, als sie hingeflogen sind. Damit meine ich jetzt nicht nur die Bangkok-Flieger.
Wie viel leichter haben es da Zugvögel im Herbst. Herbst, sagte ich. Das im Sommer sind Zugvögler, anderweitig auch Tramper genannt. Vorher. Danach nennt sich das Tripper. Also zurück zum Vögeln. Ach! Zu den Vögeln. Die versammeln sich im Herbst auf Strommasten und -kabeln und ziehen Richtung Süden. Hm. Wenn die in solchen Massen auftreten, sind das dann eigentlich Charter-Zugvögel? Und die Individualvögel fliegen einzeln? Und: Wie wissen die, wann es wo losgeht? Vielleicht verteilt da jemand Flyer (Boah, war der anspielungsreich!). Vielleicht müssen die das aber auch irgendwo im Vogelreisebüro buchen, da bekommen sie Zeit und Ort, ein wegkundiger Oberzugvogel zeigt ihnen wo es langgeht (deshalb auch immer diese scharweisen Testflüge, damit auch alle eingestimmt sind) und ab die Post. Hallo, Frau Amsel, ich hätte gerne einen Flug in die Ferien – Sehr gerne, wir haben grade ein Pauschalangebot. Geführter Flug, Aufenthalt an der Wärme und einmal pro Woche Touristenauto einscheissen. – Au ja, DAS nehm ich!

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