Begriffsstutzig

Da liest man nichts Böses ahnend Zeitung und dann steht da auf einmal „metrosexuell“. Häääh? Genau, so ging es mir auch. Was soll denn das wieder sein? Ein U-Bahn-Fetischist? Nein, viel besser. Metrosexuelle sind Männer, die zwar schwul leben, es aber nicht sind. Häääh? Genau. ALso Männer, die sich pflegen, gut gekleidet sind, Geschmack haben und so weiter, aber trotzdem mit Frauen in die Kiste steigen. Bloss einmal im Jahr Vivaldi hören, den Unterschied zwischen einem Chardonnay und Camembert kennen oder beim Pizzaessen den kleinen Finger abspreizen qualifiziert einen zu nichts. Also eher was dandyhaftes haben, mit Stil und so. Dabei wird der Beckham als Beispiel geführt, dieser englische Fussballfutzy, der mit den Lederbällen von Madrid und den Silikonbällen von Posh Spice spielt. Beides für Geld. Ach ja, ein kleines Bisschen protzen gehört auch dazu. Aber mit Stil. Metrosexualität sei ein neuer Trend, habe eigentlich mit Sex gar nichts zu tun, aber – wen wundert’s – der trendy Trend kommt wiedermal aus dem Land, wo man in einem Tag vom Tellerwäscher zum Minensucher in der irakischen Wüste aufsteigen kann und es so verkauft bekommt, als sei es ein Abenteuercamp für grosse Jungs. Nach mehreren Monaten Sand im Mund und Sandflöhen am Sack müsste man denen wahrscheinlich nichts von Stil, Etikette und Metrosexualität erzählen.
Apropos Sack: In der Schweizer Armee gibt’s diese lässigen Sackmesser, weil wir Hosensäcke haben und keine Taschen, also auch keine Taschenmesser. Die Schweizer Armee hat Probleme, die dergestalt sind, dass sie grossartig angekündigt haben, wie schwer es diesen Frühling logistisch und finanziell werden würde, weil irgendwie ein paar Tausend mehr Rekruten einrücken würden. Pffft. Ja, klar. Und die Hälfte der Weicheier wird in den ersten Tagen wieder nach Hause geschickt, weil sie sich das Knie aufgeschürft haben oder eine Blase haben (am Fuss, nicht die andere) oder einen Arzt kennen, der sich zu einem Zeugnis hat beschwatzen lassen oder weil sie Gewissensgründe anführen können. – Pause – . HAHAHAHAHAHA! Bitte? Hallo, wir sind in der Schweheeeeiz! Die Begründung, man könne aus Gewissensgründen keinen Menschen töten ist HIER etwa so sinnvoll wie zu sagen, man könne wegen Meteoritenabsturzgefahr nicht vors Haus gehen. Gewissen. Und dann im Wochenendurlaub besoffen mit hundert durch die Dörfer brettern und die in der Disco aufgerissene Tussi besoffen nach Hause fahren, ohne Gummi durch die Betten turnen und Gras rauchen bevor Sie im Schützenverein an Knarren rumhantieren, die sie unter der Woche im Militär wegen moralischer Bedenken nicht anfassen. Apropos Gras: Ich fand es damals so spassig, dass eine unbedingt seine Kiffermatte und das verfusselte Zeug im Gesicht behalten wollte, was er Bart schimpfte und aussah wie ein totgetrampelter Türvorleger. Es gibt da nämlich diesen einen Tag, wo jeder eine Gasmaske aufsetzen darf und alle sich gemeinsam in einen kleinen Raum setzen. Da ist es extrem hilfreich, wenn man rasiert, frisiert und die Maske dicht ist. Das ist für den Gesichtsfilzträger sonst nämlich Tränengras.

Aktuell im Ohr: Delerium feat. Jaël – After All (Svenson & Geilen Remix)