Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Das Wort Club bedeutet im Englischen unter anderem Knüppel. Bedeutet das dann, dass man in der Fussgängerzone die vom Buchclub mit einem ebensolchen argumentativ überstimmen darf? Diese penetranten, jedem hinterher-psspss-senden Schleimer aus dem missratenen Genpool unfähiger Verkäufer. Landen dort eigentlich die Randexistenzen, welche von der Schalterkasse bei Denner/Aldi wegdegradiert wurden? „Hallo, hallo! Sie tragen einen Walkman, da hören Sie doch sicher Musik!“ – Leider nicht laut genug. „Nein, wie kommen Sie darauf? Eigentlich lasse ich mir die Schachzüge rezitieren vom Weltmeisterschaftsspiel Karpov gegen Kasparow anno 84/85. Direkt danach werde ich Stephen Hawkings Geschichte der Zeit anhören und zwar rückwärts gelesen wegen der Geheimbotschaften!“. Die fragen einen dann ja immer, ob man einen Moment Zeit hat. Sobalb man NEIN sagt, fangen sie an, einen zuzutexten. Gegen das Schienbeintreten könnte man eventuell noch als Versehen durchgehen lassen, für einen direkten Faustschlag ins Gesicht käme man wohl in einen leichten Erklärungsnotstand. Obwohl: Kann es sein, dass das Niederschlagen eines Buchclubverkäufers schon im Gesetzbuch generell milder behandelt wird als Tätlichkeiten gegen normale Verkäufer? Die haben sich jetzt einen neuen Trick einfallen lassen. Sie schicken nicht mehr diese frisch mit Schweinemalz gegelten Jünglinge auf die Piste sondern junge Frauen in engen Kostümchen und tiefem Ausschnitt. Gezielt eingesetzt auf Männer, deren einziger Wunsch es ist, möglichst schnell ihr Gesicht in der plakativ zur Schau gestellten Auslage zu versenken, kommen so Unterschriften für Verträge rein von Leuten, die noch nie ein Buch von innen gesehen haben. Ebensowenig wie sie es mir der Bluse der Verkäuferin jemals tun werden. Aber mir kann das nicht passieren. Ich habe einen Buchclub-Detektor. Und falls mich doch mal jemand schief anquatschen sollte, dann schliesse ich die Augen, schreie „Lasst mich mit Konsalik-Schinken und Shakira-Scheiben in Ruhe! Ihr seid des Teufels!“. Dann bekreuzige ich mich und renne in Richtung Kirche, zeige hinter mich und kreische „Dämonen! Sie wollen eure Seele, unterschreibt NICHT!“. Oder so ähnlich. Oder ich kurve einfach in den nächsten Laden rein und tue so, als ob ich tierisch beschäftigt bin mit aussuchen. Dabei sollte man aber aufpassen, wo man rein gerät. Hier in der Fussgängerzone gibt es einen Laden, der nennt sich „Kleidi – Extravagante Damenmode“. Extravagant. Aha. Nennt man das nun so? Ich habe Gänsehaut bekommen. Nein, fast schon Gänse. Aber nicht, wie wenn ich in der Unterwäscheabteilung vom Kaufhaus stehe, das ist anders. Hier war es eher die Frage, welche Frau um Himmels Willen zieht derart hässliche Fummel an? SO extravagant kann man doch gar nicht sein! Wie kann so ein Laden auf dem Markt überleben? Die Antwort ist wohl so, dass extravagante Frauen nicht nur viel Geld sondern auch keinen Geschmack haben. Das gute Beispiel war die unglaublich unsympathische… öhm… Frau, die den Laden betrat. Hässliche Klunker am Ohr (wahrscheinlich echt) und eine beschissene Frisur (möglicherweise falsch), aber zielstrebig aufs Regal zusteuern. Ich konnte den Anblick nicht ertragen und drüber hinaus ging nebenan die Tür zum CD-Laden endlich auf. Gruselig. Die Schabracke hat dann draussen sicher noch beim Buchclub unterschrieben und sich den schleimigen Jüngling nach Hause geordert. Wieso kommt im Wort Kaufrausch eigentlich das Wort FRAU vor?