Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Winter ist es und erneut brettern die menschlichen Werbeschilder die mit Kunstschnee imprägnierten Berghänge hinunter. In verschiedenen Disziplinen messen sich Männchen und Weibchen beim versuchten Nicht-auf-die-Schnauze fallen. Weil wer auf die Schnauze fällt, kann sich im Zielraum – noch während dem Einfahren – nicht sofort die Skier von den Füssen reissen und dem ersten Reporter plakativ vor die Kamera halten. Das kostet Werbegelder. Das Grundprinzip ist aber immer das Gleiche: Menschchen steht oben, muss aber unten sein. Also runterfahren, aber nicht egal wie. Entweder man hüpft suizidär über eine Sprungschanze oder aber bleibt auf dem Boden (abgesehen vom quer durch die Gegend in die Botanik fliegen bei ekligen Kurven) und versucht dort, so schnell und korrekt wie möglich ins Ziel zu kommen. Bei Abfahrtsrennen ginge es auf breiten Pisten ziemlich unspektakulär bergab, wäre da nicht die abartige Geschwindigkeit. Mit 110 in einem Auto kann es ja schon unangenehm sein, aber mit 110 in einem bunten Strampelanzug zwischen Felsen und Bäumen durch brettern, da darf der IQ nicht allzu weit oberhalb der Schneetemperatur angesiedelt sein. Eigentümlicherweise wundern sich immer alle, wenn einer der Abfahrer wieder mal quer in einem Fangnetz oder einer Tanne hängt. Wie konnte sowas aber auch passieren? Für weniger Kamikaze-Bedürftige stehen noch Super-G (ist kein Stringtanga für Fette) und Riesenslalom auf dem Programm. Dort geht es gemächlicher zu, weil man mehr Kurven fahren muss, jeweils zwischen zwei Toren durch. Wenn man eins verpasst hat man verloren. Aber man kann es verstehen, wenn eins verpasst wird. Ncht, wenn der Busfahrer wie heute die Haltestelleneinfahrt verpasst. Da hätte er nur zwischen zwei grossen Verkehrsschildern durchfahren müssen. Er hat es dann vorgezogen, über das Trottoir (=Bürgersteig) weiter zu fahren und dabei mit dem Heck schrammend eins der Schilder halb umzusäbeln. Hoffentlich fährt der nicht öfters diese Strecke und irgendwann mal noch Slalom, ich würde es nicht mögen, wenn der uns in ähnlicher Art um irgendwelche Stangen wickelt, wie es bei Slalomfahrern ab und zu passiert. Mir nicht. Ich mach sowas nicht. Hab ich auch nie. Ausser einmal einen kleinen Riesenslalom. Da wurde ich Dritter von zwanzig. Ansonsten war ich Sport eine Null. Immer. Naja, fast immer. Zumindest bei Ausdauersport wie Laufen war ich unter aller Sau. Für einen Kilometer brauchte ich im Gegensatz zu den anderen generell doppelt so lange. So um die fünf bis sechs Minuten. Auf hundert Meter war ich okay, aber weiter? Näääh. Ich staune dann auch, wenn Tschäikb sagt, er will an einem 21-km-Lauf teilnehmen. Dafür bräuchte ICH ungefähr achtzig Stunden. Zwei bis drei Stunden fürs Laufen und den Rest fürs Koma. Abwechslungsweise. Bei Hochsprung dagegen war ich spitze und hab mal an einem Schulsporttag aller Schulen des Ortes den ersten Preis meiner Altersklasse mit nach Haus genommen. Dabei war ich damals noch einer der Klassenkleinsten. Frustrierend für die anderen war nur, dass die mit ihren fünf Sprüngen schon fertig waren und ich noch nicht mal angefangen hatte, weil die Latte noch nicht weit genug oben lag. Ich wollte halt hoch hinaus. Ausser bei Volleyball. Da hab ich mich gedrückt. Nach jedem Spiel haben alle Finger mehr oder weniger geschwollen in verschiedenste Richtungen geschaut. Das hat mich dann doch irgendwie abgehalten. Dann lieber Hochsprung. Oder Mattenball. Das ist eine Abart des Baseballs mt Malen, aber ohne Schläger. Der Ball wird abgeschlagen und wenn man weit genug schlägt, dann hatte man Zeit, loszurennen. Und ich hatte einen perversen Abschlag. Entweder hoch in die Hallenecke, dass ihn die Gegner per Kletterstange runterholen mussten oder weit ins Feld. Oder mit einer blödsinnigen Geschwindigkeit auf Kopfhöhe. Ich war gefürchtet. Das war ein überaus netter Anblick, die Angst in den Augen und die schon im voraus halb eingezogenen Köpfe wenn ich nur den Ball in die Hand nahm. Aber die Zeiten sind vorbei. Heute ist es mir lieber, wenn die Leute den Kopf einziehen und einen panischen Ausdruck in den Augen bekomme, wenn ich einen Block und Schreiber zücke. Das ist etwas subtiler. Und nachhaltiger.
abschlag ähnlich wie beim volleyball. mit links ball halten, dann mit rechts PENG! oder umgekehrt :)
*duck* ;))
Also dieses Mattenball. Wie kann man einen Ball ohne Schläger schlagen??
"… und ich noch nicht mal angefangen hatte, weil die Latte noch nicht weit genug oben lag"
Normal, odr.
ich hab mich ja gefragt, wie lange es geht, bis der erste schweinische kommentar dazu kommt…
Wo denn. Zeig mal.
…oh heldenhafte Lydia, wie verzücken mich deine Worte. Hätte ich selbst kaum schweinchenmässiger ausdrücken können. Ich bin zutiefst beeindruckt und vollkommen fasziniert…*tiefenverneigermach*…