Unter Geiern

Obiges ist der Titel eines Buches von Karl May. Das war der mit dem Wilden Westen, der filmisch in der wilden Prärie von Jugoslawien umgesetzt wurde, was aber gar nichts machte, denn May hatte Amerika nie betreten. Also waren die Filme so im Vergleich gesehen doch sehr authentisch. Ich habe es bisher nicht geschafft, auch eines seiner Bücher zu lesen, aber das wär auch nicht das gleiche. Wenn man als kleiner Stoffel mit den Filmen von Old Chatterhand (damals schon Internet?), Old Surehand (alter Weiberheld) und dem überedlen Winnetou eins bis drei (mit seiner Silberbüchse – wobei ich auch schon fälschlicherweise angenommen habe, das sei der Name einer überteuerten Prostituierten) aufgewachsen ist, dann hat man auch beim Lesen diese Bilder im Kopf und dann wär das nicht mehr so gut. Also lassen. Bei den oben genannten Geiern ging es denn auch nicht um die Vögel, sondern um die Schurken, die Bösewichte, die Schwarzhutträger. Die opportunistischen Säue, die sich bei Siedlern und Indianern einschleimten und im richtigen (beziehungsweise falschen) Augenblick beiden in den Rücken fielen. Leichenfledderer, Aasfresser, hinterhältiges Gesocks. Die konnte ja keiner leiden. Haben immer mal Frauen und Kinder entführt (nicht erschossen, das gehörte sich in den Filmen damals nicht), Häuser in Band gesteckt, betrogen und gelogen. Hässliche Vögel. Die Geier jetzt. Die sind ja nun wirklich keine Schönheiten. Die Schurken hingegen sahen nicht unbedingt hässlich aus, waren es aber tief drinnen. Hockten irgendwo und warteten nur auf den Moment, wo sie mit ihrem Schnabel bei günstiger Gelegenheit zuhacken und beissen konnten und wenn möglich (durch Verschleppen von Aas) noch Unfrieden in ganz andere Regionen tragen konnten. Und man kann ja nicht überall hinterher räumen. Damals war das noch wildes Land und die Pioniere (sowie natürlich auch die schon Ansässigen) hatten ein hartes Leben. Meinungen trafen aufeinander („Mein Land!“ – „Nein, Meins!“ – PENG! „Meins!“) und schon ging das Gemetzel los. So ist es auch im Lande Internet, wenn mir der Vergleich erlaubt ist. An Orten wie diesem, in kleinen friedlichen Tage-Büchern („Ieh, ich schreib doch kein Tagebuch, ich BLOGGE!“ – „Tust du doch, dumme Nuss!“ – „Tu ich NICHT!“ – „Doch, aber du bist zu doof zum Schreiben, also machst du Links zu Texten anderer Leute, die du jeden Tag liest!“ – PENG!), da legen Siedler ihre kleinen Gärten an und bauen Pflanzen in Form von mehr oder weniger grossen Sprechblasen an. Die einen haben schönere Pflanzen, die anderen… naja… Gewisse Leute haben halt keinen grünen Daumen. Was ich aber in meinem Garten anpflanze ist MEINE Entscheidung. Das sieht der Geier auf dem Gartenzaun aber anders. Ne, Moment, ich nehm einen anderen Vogel, Geier picken keine Samen aus dem Garten. Oder so. Also da wartet jetzt dieser Vogel darauf, was ich aussähe. Und egal was es ist, sofort stürzt er sich drauf (ein bisschen Rücken zudrehen kann helfen) und hackt es kaputt. Oder wechseln wir nochmal das Tier. Ein Coyote. Ich pflanze eine Blume an, die mir gefällt und dann kommt der rein und setzt seinen Haufen drauf. Okay, genau so wie ICH das recht habe, Blumen zu pflanzen hat der Coyote das Recht, dort drauf zu sch…, wenn ihm das ein Bedürfnis ist. Der soll sich dann aber nicht beschweren, wenn ich den Dreck wieder wegmache, schliesslich ist es immer noch MEIN Garten. Wer kann es mir da übelnehmen, wenn ich ds stinkende, hässliche Häufchen aus MEINEM Vorgarten entferne? Ist doch logisch, oder? Fühlt sich der Coyote deswegen angegriffen? Ich meine: NEIN. Oftmals sind hässliche kleine Tiere eben doch intelligenter als Menschen. Und ja, ich weiss, Geier sorgen für Ordnung, wenn sie Kadaver entsorgen. Aber das sind nur die TIERISCHEN Geier.

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8 Comments on “Unter Geiern

  1. hehehe
    *einenkleinenhaufenhierhinmach*

    Super Text. Beide Daumen hoch. Hab doch dunkel in Erinnerung das du ein Buch schreibst??!?? Wann kommt das??

  2. das eine sobald es jemand ab papier auf pc abgetippt hat und ich es dann fertigschreiben kann. das andere sobald ich mein korrekturscript von jemandem zurück habe, damit ich fertig schreiben kann. :))

    ist beides mal gleiche jemand…

  3. Ich kann eigentlich nur dunkel erahnen, um was es hier geht…

    Rein inhaltlich ein Volltreffer – wie so vieles von Dir.

    Wenn Du wirklich an einem Buch arbeitest, so kannst Du mich schon mal als potentielle Käuferin einplanen. :-)

    Und Kay: das war doch net de Chatterhand, sondern de Shatterhand… Ts. Das kommt davon, wenn man (wohl) zu viel chattet… !?

  4. hey…wie war das mit Apanatschie…nein, das war kein Schnupfenmittel für die kleine geile langhaarige Sau, der durch meine frühkindlichen Entwicklungsträume geisterte, sondern das war das Weibstück, welches MIR MEINEN geliebten kleinen Franzosen wegschnappen wollte…

    und dann? hats peng gemacht…hihihi, hatte sie davon…was gräbt die auch den Häuptling an?

    damaris

    ps: hey, lass sie doch scheißen…so wächst und gedeiht wenigestens dein Grünzeug…billiger düngen geht nicht ;o)

  5. es würde sich schon lohnen , das tagebuch hier als gedruckte form herauszubringen. selten trifft man auf eine solche sammlung verbal sezierter alltagsprobleme…

  6. aarhgs.. ich hab zwischen "solche" und "sammlung" die worte "derart treffende" vergessen *wortenachträglichreinbastel*