Weiblich, ledig, jung sucht…

Was würden wir eigentlich jetzt tun, wenn es das Internet nicht gäbe? Ich meine, JETZT in diesem Augenblick. Ihr statt lesen und ich statt schreiben. Ich würde wahrscheinlich trotzdem schreiben, aber dann an was anderem. Ihr würdet bestimmt trotzdem lesen, aber auch was anderes. Ein Buch zum Beispiel oder Zeitung. Aber ihr wärt möglicherweise nicht an einem Computer, sondern würdet an einem Ort lesen, an dem man auch sein kann, wenn es dort keinen Computer gibt. Auf einer Picknickdecke am Waldrand. Im Zug. Auf dem Klo. Wenn esgeht, versuche ich meine Zeit unterwegs in Zug und Bus möglichst durch lesen (oder wie jetzt schreiben) auszufüllen. Wenn es mir dann nicht vergönnt war, am Kiosk oder in der Buchhandlung etwas zu mir passendes zu finden, dann greife ich auch gerne auf liegen gebliebene Zeitungen zurück, die man in öffentlichen Verkehsmitteln so findet. Weil wenn ich gar nichts finde, dann fange ich an, auf meinem Palm Tetris zu spielen und das macht mich in den höheren Levels tierisch nervös. Also lieber lesen. Was aber, wenn NICHTS da liegt? Passiert zum Glück selten, aber es kommt vor. Heute glüklicherweise nicht, da lächelte mich doch tatsächlich ein Zeitungsteil an und sofort krallte ich ihn mir. Über den Fang war ich allerdings nicht gerade glücklich, denn ausgerecnet mit dem Sportteil kann ich nun absolut GAR nichts anfangen (vielleicht, wenn ein Anna-Kournikova-Bildchen drin wär, aber das starrt man auch nicht länger als eine Minute an). Also dachte ich, wenigstens die Anzeigen könnte ich ja lesen. Da gab es in dem Teil des Druckerzeugnisses genau drei verschiedene Kategorien: Autos. Volltreffer, ich hab keinen Führerschein, was bringt mir das also? Ich habe auch absolut keine erotische Affinität zu Fahrzeugen (ausser es liegt eine Halbnackige quer über der Kühlerhaube). Zweitens: Wohnungen. Zweiter Volltreffer. Bis vor vielleicht drei Wochen hätte mich das noch halbwegs interessiert, inzwischen habe ich allerdings ein neues Zuhause gefunden. Drittens – und jetzt schliessen wir den Bogen zum Titel – Erotikanzeigen. HAH! Irgendwas MUSSTE doch zu finden sein, was dem keks Vergnügen bereitet. Daran konnte ich nicht vrbei gehen und euch muss ich natürlich teilhaben lassen. Der Titel ist vielleicht nicht ganz richtig gewählt, denn in den Anzeigen bieten nicht nur weibliche Personen an, sondern auch willige junge Herren. Ledig sind einige auch nicht, denn es gibt ja diese versauten Hausfrauen, die das Haushaltsgeld etwas aufpeppen, wenn Männchen im Büro sitzt. Jung sind auch schon lange nicht mehr alle, aber so lange sich jemand findet, der Geld bezahlt dafür. Beispiele? Aber gerne:
„Wir sind jung, hübsch + motiviert. Gegenseitiges Geniessen und Verwöhnen. ½ Stunde: ORGASMUS à DISCRETION“ – Völlig falsch. Wenn ich „à discrétion“ zum Beispiel essen gehe, dann darf ich so oft und so viel ich will. Also verarscht mich nicht mit einer halben Stunde.
„Susi Wong 180cm Chinesin“ – Das ist bestimmt eine ehemalige chinesische Olympiaschwimmerin bei der Grösse. Wie erotisch. Kann ich ja gleich meinen Kleiderschrank vögeln.
„Aufgestellte, schlanke, vollbusige Tirolerin. Angenehme Preise.“ – Für sie oder für den Kunden? Obwohl Dienstleistungen in Österreich ja generell billiger sind als in der Schweiz. Allerdings kenne ich das bisher nur aus der Gastronomie, nicht dass mir hier wieder was unterstellt wird.
„Dame mit grossem Busen (39)“ – What you see is what you get. Dann hoffe ich mal, die 39 ist nicht der Umfang.
„Zum Gnüsse und Entspanne die erotisch, klassisch Massage i ländlich pflägte Atmosphäre.“ – Ferien auf dem Bauernhof kannte ich ja, aber das ist neu. Da werden Erinnerungen an die alten Lederhosenfilme wach. Geh Zenzi, mach ma hoit d’Ledrhosn auf!
„Statt nur die Schulbank zu drücken, kannst du dich bei mir runterbücken, dann verstehst du wovon man spricht, beim Französisch Unterricht.“ – Die ficken nicht nur, die dichten auch! Ich bin von den Socken. Horizontalpoesie, das muss man erst mal so geschliffen hinbekommen! Ich krieg mich nicht mehr ein.
„ANAL FATAL“ – Hm. Ich weiss nicht, ob der Slogan clever gewählt ist. Ich kenne Kanal Fatal, das war lustig, das hier klingt eher schmerzhaft.
„NINA (20): Sexhungrigstes CH-Girl, sehr schlank, schöner Busen, super Figur.“ – Nicht einfach hungrig, nein, HUNGRIGST. Aha? Und woher will die das wissen? Gab’s da Miss-Sexhungrig-Wahlen? Abstimmungen? Schweizer stimmen ja über jeden Schwachsinn ab, warum also nicht über DAS?
„Boy’s für Herren. Auch zu zweit. Hotel- und Hausbesuche möglich.“ – Haaaach, Boooys! Sind das dann GameBoys?
Und zum Abschluss noch ein Highlight:
„Stiefellecker und Putzsklaven gesucht!“ – Ich hoffe mal nicht, dass ich aus Versehen beim Umzug ein Putzinstitut anrufe und ich bekomme DIE vermittelt. Ich stelle es mir etwas seltsam vor, dem Verwalter die Wohnung zu übergeben und (ohne zu lügen) zu sagen: Sieht doch aus wie geleckt, oder?

Aktuell im Ohr: OMD – Maid of Orleans

6 Comments on “Weiblich, ledig, jung sucht…

  1. *pruuust* Danke! Der Tag fing grad an, verdriesslich zu werden.

    Ich frag mich so langsam, ob du im RL auch so hübsch quere Gedankengänge hast. Deine Umgebung dürfte in dem Fall wenig Probleme mit dem Bauchmuskeltraining haben ;-)

  2. ich würde sogar behaupten, die im RL sind noch ein bisschen verworrener. noch eigent sich nicht alles zum aufschreiben, aber wer weiss, vielleicht reift das noch :)

  3. …ja, die Sachen die der liebe Keks wohl schriftlich hier ablässt, sind sozusagen nur die Spitze des Eisberg…aber Hallo…

  4. Hey, super Texte seit ioch fürdie Firmenzeitung "lustiges" schreibe bleibt das private Geschreibsel ein bissl auf der Strecke, aber hier macht es echt Laune.

    Aber sag mal aus den 80ern hörts Du auch jeden Ohrenbluter?

    rollinger