Kleidungsstücke, die ich nie mehr sehen will

Aus vergangenen Jahrzehnten gibt es ja andauernd wiederkehrende modische Grabschändungen. Egal ob Koteletten, Schlaghosen oder Netzshirts, Plateaustiefel, Leggins oder dreissig Zentimeter lange Hemdkragenspitzen, es gab für alles seinen Grund, warum es von der Bildfläche zu verschwinden hatte. Auch die Dinosaurier sind nicht einfach so ausgestorben, da gab es wohl einen Grund für. Bloss kehren DIE – im Gegensatz zu den fürs Auge schmerzhaften Entgleisungen – nicht zurück. Ausser im Film. Dort aber auch immer wieder, obwohl es nach dem ersten Teil eigentlich gut gewesen wäre. Inzwischen finden wir uns damit ab, dass Moderevivals regelmässig wiederkommen. Allerdings gab es mal einen Mindestzeitraum, der verstreichen musste, bevor etwas wiederbelebt wurde. Wenn wir jetzt aber anfangs des Jahrzehnts schon die 80er revivalen… reviveln… rifeifeln, kommen dann in zwei oder drei Jahren die 90er dran? Und in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts wiederholen wir dann die erste Hälfte? Und dann? Recyclieren wir uns im momentanen Zustand oder greifen wir vor und ziehen uns Klamotten an, bei denen wir uns vorstellen, wie sie in einer nicht allzu fernen Zukunft aussehen könnten? Was uns wieder zurück in die 60er/70er bringen würde mit den futuristischen Plastiksesseln und dem psychedelisch angehauchten Science-Fiction-Kram. Päng, wir sitzen in einer modischen Zeitschlaufe. Aber eines verbannen wir dann hoffentlich: Moon Boots. Diese Urväter der hässlichen Schuhe, geboren aus dem kranken Hirn eines klamottenfanatischen NASA-Freaks. Solche Teile mögen ja gut sein, wenn man Spaziergänge auf dem Mond machen will, aber hallo, prozentual gesehen, wieviele von uns werden in absehbarer Zeit DAZU Gelegenheit haben? Also setzt man in der SciFi-Euphorie der ausgehenden 70er (Danke, George Lucas, danke Stanley Kubrick, etc.) diese riesigen Treter ein, die vielleicht bei Überschwemmungen hilfreich sind, weil man daraus ein Rettungsboot machen kann, aber ansonsten einfach nur zum Schreien. Gefertigt waren die Dinger grundsätzlich aus Kunststoff (Plastik ist gut für alles, dachte man damals), also hat man bei Kälte darin nicht einfach nicht gefroren, sondern man hat geschwitzt. Dann hat sich dieser Schaumstoff, der zur Polsterung verwendet wurde vollgesaugt und schon war es wunderbar feucht und irgendwann klamm da drinnen. So sah man nicht nur scheisse aus (die hatten dann ja auch noch so penetrante Musterungen), sondern fühlte sich auch so. Man konnte es nicht erwarten, die Dinger loszuwerden. Dieser Drang hielt bis zum nächsten Tag an, wo man die Füsse wieder reinstöpselte, weil die waren ja cool. Und warm. Hah! Wenn die Plastiksohlen wenigstens nicht ausgesehen hätten wie russische Belagerungspanzer. Meine waren damals dunkelblau und oben hatte es Goldstreifenverzierungen. Sah so ähnlich aus wie die Uniformstreifen bei Captain Kirk auf dem Pullover. Die hatten auf der Enterprise keine Moon Boots an sondern diese halbschwuchteligen Aliennuttenstiefelchen. War auch nicht das Gelbe vom Ei. Aber zumindest heule ich den Boots keine Träne nach. Aber ich habe heute Morgen gehört, die kämen wieder und würden etwas seltsam ausgerichteten Leuten gefallen. Ich fange schon mal an, mich zu fürchten. Vielleicht schaffen es dann auch die Hardcore-JetSet-Versionen wieder ins sich mit Grauen abwendende Antlitz des Tageslichts: Die Yeti- beziehungsweise Neandertaler-Ausgaben, die aussen nicht mit Plastik, sondern FELL bezogen sind. Dieses lange zottelige Zeug, das aussieht, als ob man aus Versehen in zwei Yorkshire Terrier reingetreten ist. Gruselig. Möge sie der Yeti holen.

Aktuell im Ohr: Frankie goes to Hollywood – Rage Hard