Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Kantinenessen hat etwas von Russisch Roulette. Nur mit umgekehrten Vorzeichen. Wenn man ganz viel Schwein hat, dann schmeckt’s. Vielleicht hätte mir der Satz „Das ist aber Wildhase, der ist nicht SO zart“ von der Küchenverantwortlichen ein warnendes Ausrufezeichen ins Gehirn beamen sollen. Ich dachte mir nichts dabei, weil Hase sonst sehr zart ist und ein bisschen was mehr würde ich schon noch vertragen können. Ich machte dann noch so „Kein Problem, ich hab noch gute Zähne“. Hah! Am Tisch angekommen widmete ich mich dem Hasenschlegel mit einer etwas genaueren Untersuchung. Zuerst war ich mir nicht ganz sicher, ob man den Mümmler nur rasiert statt gehäutet hatte, denn an der Oberfläche befand sich noch so leicht fusseliges Zeug. Was aber prinzipiell egal war, denn die Haut war so abartig zäh, da kratzte das standardisierte Kantinenmesser noch nicht mal richtig an der Oberfläche. Warum fallen einem in solchen Situationen Filmtitel wie „Texas Chainsaw Massacre“ ein? Ich hab gestern bei CSI gelernt, dass wenn etwas vor dem Begraben einbalsamiert wird, dann verrottet das nicht so schnell und wird irgendwie kompakt und fest. Gabs nicht kürzlich mal eine neue Grabaushebung in Ägypten? Waren unsere Hasenschlegel vielleicht eine pharaonische Grabbeigabe? Die Widerstandsfähigkeit liess darauf schliessen. Aber man kann ja mit Messer, Gabel, roher Gewalt und etwas Fluchen durchaus ein paar Stückchen Fleisch raussäbeln. Und dann mit Genuss verspeisen. Na gut, streicht „Genuss“ wieder. Wenn der Hase keinen trockenen Humor gehabt hatte, dann zumindest trockene Arschbacken. Oder wir haben eine versteckte Kamera im Personalrestaurant (eigentlich darf man nicht Kantine sagen, aber es ist halt schon Kantinenmampf). Ich war zumindest nicht der Einzige, der mit dem Vieh zu kämpfen hatte. Und nein, Vegetarier haben es NICHT leichter. Wer das nicht glaubt, soll bei uns mal Fenchel essen. Oder Broccoli. Oder Blumenkohl. Oder Krautstiele. Oder Auberginen. Oder Karotten. Oder Kohlrabi. Oder Zucchini. Oder… Ihr seht was ich meine.
Köstlich, dieser Eintrag! Könnte auch in unserem "Betriebsrestaurant" passiert sein – oder in jedem anderen ihrer Wahl…
Werde jetzt öfters Dein BlahBlah lesen – gefällt mir gut. Und das hab‘ ich irgendwie indirekt Lydia zu verdanken. :-)
Ich weiss echt nicht, was Du willst. In unserem Spital könnten noch ganz andere Dinge auf dem Teller landen. Und seit das "Free-Flow-System" zum Essen fassen eingeführt wurde, schmeckts doch in unserer "Adventure-Food-Hall" (alles, nur nicht "Kantine")noch besser. Und zwar Schibli für Schibli, oder?