Warum ICH?

Da sitze ich also, es ist morgen früh, der Tag ist im Gegensatz zu mir schon wach. Gehe die seit dem letzten Abend eingetrudelten Mails und versuche, meine Augen dem buchstablerischen Geschehen auf dem Bildschirm zu widmen. Schleppend pinseln die Worte vor mir ihren Sinn auf die Leinwand meines umnebelten Geistes und ich stelle fest, das wollte ich nicht lesen. Eine Freundin berichtet von ihrem Gynäkologenbesuch und dumpf erinnert ging es da um eine weisse glibbrige Masse, die wohl für irgendwelche Untersuchungen verwendet worden sein muss. Ich kann ja das nicht aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Weisse glibbrige Masse. Ich blicke auf den Becher mit Naturejoghurt in meiner einen Hand, auf den metallenen Löffel in der anderen und plötzlich habe ich so gar keine Lust mehr auf gesunde weisse Glibbernahrung. Ich stehe auf und schlurfe zur Kaffeemaschine, nehme einen Becher zur Hand und die sehen aus wie die Pissbecherchen in der Urologie. Spontan verliere ich die Lust auf Kaffee (es gibt Leute, die trinken daraus Zitronentee) und stelle fest, dass es Tage gibt, die zu Ende sind, bevor sie eigentlich richtig begonnen haben.

Stehe ich dann später in der Schlange der Cafeteria oder Kantine oder wo auch immer, dann bekomme bestimmt ich die Dame mit dem flüchtigsten Gedächtnis überhaupt. Ein Espressotasse auf meiner Handfläche, deute mit dem Zeigefinger der anderen Hand auf den Kaffee und sage „nur den hier“. Sie guckt mich fragend an und sagt: „Einen Expresso?“. Wobei hier ein natürlicher Schlagreiz einsetzt. ESPRESSO VERDAMMT! Das ist kein Schnellzug! Ja, nur einen Espresso oder sehen Sie noch was anderes? Dann wünscht sie mir wieder (wie immer) „En Guete“ und weg bin ich. Ich bastel mir auch demnächst ein Schild „Das ist ein Menusalat, auch wenn er nicht so aussieht“, weil ich ein Diätmenu ohne Zwiebeln bekomme, das separat zubereitet wird und entsprechend der Salat nicht genau so aussieht wie alle anderen Salate, ich aber pro Woche mindestens zweimal erklären muss, warum das so ist und warum mein Salat so aussieht, wie er aussieht. Nicht, dass wir eine so hohe Personalfluktuation hätten, nein, nur Gedächtnisfluktuation. Ein Salat?

Unterschwellige Botschaften sind glaube ich verboten. Diese Nachrichten, die in Einzelbilder verpackt in Filmen in unser Unterbewusstsein gelangen oder per Akustik versteckt ihre Steuerfunktionen in unsere Hirnlappen einätzen. Wenn die tatsächlich verboten wären, können wir dann nicht einfach mal alle Frauen verklagen? Metabotschaften gingen ja noch, die werden wenigstens mimisch und gestisch untermalt. Aber diese Nachrichten, die kein Schwein (Männer sind Schweine) erkennt, die sind fies. Können die nicht einfach sagen, was sie wollen? Das ist wie im Internet, wenn ich eine Anfrage eintippe und Enter drücke, dann kommt irgendwann sichtbar das Ergebnis. Bis da hin sind aber für mich unsichtbar schon ganz ganz ganz viele Informationen gelaufen, die ich nicht sehen kann, aber die wichtig sind. Kaum sehe ich eine Frau, dann geschieht das auch. Bloss kann ich da keinen Quelltext oder ein Nachrichtenprotokoll nachgucken, was jetzt da genau gelaufen ist oder warum eben etwas NICHT gelaufen ist. Ich plädiere für Deutlichkeit. Einfach mal so. Ach, ich weiss doch auch nicht.

Aktuell im Ohr: Rammstein – Ohne Dich

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