Beobachtungen in freier Wildbahn

Der ursprüngliche Anreiz, mit dieser Schreiberei anzufangen, war die simple Feststellung, dass jeden Tag unzählige Dinge passieren, die so oder anders eigentlich ganz witzig sind. An einigen tagen passiert einem mehr, an anderen weniger, aber sobald man in Kontakt mit sich und der Umwelt ist, also immer, bieten sich Gelegenheiten. Das geht los bei Konditionierung von Angestellten im Verkauf oder an einer Kasse, die einem konsequent „En Guete“ wünschen, auch wenn man doch eigentlich nur einen Espresso auf dem Tablett hat. Auch das Vorwegnehmen von Informationen, die in einer gedrillten Abfolge von eingestanzten Fragen auftauchen, sorgt immer für völlige Verwirrung. Beim Kunden.

– Ein McChicken Menu mit Cola bitte. Zum hier essen.
– Small, medium oder gross? (Gross? warum nicht konsequent large?)
– Medium.
– Mit welchem Getränk?
– Cola. Und kein Ketchup bitte.
– Zum hier essen oder zum Mitnehmen?
– Hier essen.
– Möchten Sie Ketchup zu den Pommes?
– Ähm, nein.

Warteschlangen könnten unter Zuhilfenahme von Aufmerksamkeit durchaus verkürzt werden. Wie die am Montagmorgen früh. Hauptbahnhof Zürich, Post, direkt nach dem Öffnen, immer sehr gut besucht und da die Angestellten nur schubweise wach werden, sind zuerst nur wenige Schalter geöfnet und so verteilen sich viele Leute auf wenige Schlangen. Ich stehe also da, Laptop umgehängt und einen Umschlag in der Hand, wie immer schleicht sich alles ganz sachte dahin. Die Dame vor mir dreht sich um als sie schon fast dran ist, schaut meinen Umschlag an.
Sie: Haben Sie nur diesen Brief?
Ich: Ja, nur den.
Sie: Na dann gehen Sie doch vor, ich brauche länger.
Ich: Danke schön (und rücke vor).
Die Frau hinter ihr: Wenn Sie ja länger brauchen, ICH habe auch nur wenig.
Die nette Dame: Schon, aber SIE müssen im Gegensatz zu IHM wohl nicht zur Arbeit.
DEN Gesichtsausdruck und die schnell wechselnden Schattierungen hätte man festhalten müssen.

Das sind diese Situationen, die entstehen und auf die der Mensch einfach nicht gefasst ist. Auch das am Tag zuvor mitgehörte an der Tramhaltestelle vor dem Hauptbahnhof. Das Aufeinandertreffen einer Münz-Schnorrerin und eines sehr betagten Herrn, wohl eher vom Land, die Städter kennen die grundsätzlichen Begebenheiten.
Jung: Hätten Sie etwas Münz für mich?
Alt: Wie?
Jung: Ob Sie etwas Münz für mich hätten?
Alt: WIE?
Jung: Münz!
Alt: AAH! Zum Wechseln?
Jung: Ähm. Nein. (dezente Verwirrung)
Alt: Ja warum denn dann?
Jung: … (extreme Verwirrung)
Sowas passiert, wenn Welten aufeinander treffen.

Aktuell im Ohr: Rotersand – Hush

11 Comments on “Beobachtungen in freier Wildbahn

  1. Sehr schön. Ich habe je länger je mehr den Eindruck, dass etwa die Hälfte der zwischenmenschlichen Kommunikation in dezenter Verwirrung ausläuft. Ist es nicht so?

  2. oder neulich beim anstehen für in einen club…

    türsteher: das bist nicht du auf dem foto!
    sie: doch klar!
    türsteher: ah ja… was hast du denn für ein sternzeichen?
    sie: zwillig!
    türsteher: hab ja gesagt das bist nicht du auf dem foto! wenn man am 24.3. geburtstag hat ist man widder nicht zwilling…
    sie: *knallitomati*

    tja, dumm gelaufen *g*

  3. ?? Also das hab ich jetzt nicht verstanden!

    STEHT DA WIEDER JEMAND AUF MEINER LEITUNG?

    Komm gerade nicht auf den Zusammenhang von Foto, Sternzeichen und Knalltomati. Wobei ich da schon das Wort nicht verstehe ;))

  4. Also Herr M. : Wenn sich jemand mit falschem Ausweis versucht am Türbullen vorbei zu mogeln, dann sollte jemand auch wissen, wie die falsche Identität aussieht. Versuchs nochmal :))

    knalltomati = knallrot. beschämt.

  5. mit minirock und high heels kann man halt nicht jeden türsteher beeindrucken *g*
    aber wir haben uns amüsiert… *g*

  6. ja mei, ich sag’s ja, da lesen mehr leutz horo(r)skope als es in den sternen steht :-). und irgendwann hat mann die daten passend zu den zeichen intus ;-)