Das "Tage"-Buch historisch und hysterisch
Die ollen Krümel von früher
Die Kamera schwenkt und gibt den Blick auf eine Szenerie der frühen Menschheitsgeschichte frei. Saftige Auen und Wälder, Wasserfälle, dicht gewachsene grosse Bäume, Trampelpfade einer frühen Zivilisation, ein Säbelzahntiger, der sich einen Homo Erschrectus aus den Zähnen puhlt. Idylle. Am Berghang dort drüben eine Höhle, bewohnt von einigen unserer Vorgänger. Hätten sie damals das Rad schon erfunden gehabt, es wären unsere Vorfahren gewesen. Gut möglich, dass Säbelzahntiger zu einer anderen Zeit als Homo Irgendwus gelebt haben und es vor allem zu einer anderen Zeit war als das Dingsbums im Titel, aber ihr wisst, meine Folgerungen und Schlussfolgerungen sind zeitlich nicht verbandelt. Entweder es gilt immer oder gar nicht.
Zurück zur Höhle. Da sitzen also die gen-retypischen Frauchen um die Feuerstelle und brutzeln das von den Männchen erlegte Mammut. Damals hatte der Mann noch nicht dieses dringende Bedürfnis, sich an den Grill zu stellen und Männlichkeit zu beweisen. Und, dass man trotz Bierbauch keine Brandspuren um den Bauchnabel haben muss. Höchstens weggeschmürzelte Bauchhaare. Wenn’s stinkt, bitte zurück treten. Aber früher waren die Möglichkeiten noch beschränkt, man teilte sich die Feuerstelle, entweder zum Kochen oder zum Reinstarren. Letzteres wurde später durch Fernseher abgelöst. Kommunikation fand damals durch Grunzen und gegenseitiges Aufs-Maul-hauen statt. Ein findiger Kopf entdeckte schliesslich, dass Trommeln nicht nur zum Nerven der Nachbarn gut sind, sondern surch lautstarkes Bearbeiten auch über grössere Distanzen vernommen werden konnten. Ferngespräche wurden möglich.
Nun konnten der Homo Connectus ja noch gar nicht sprechen, also erfand er die Morsezeichen und den rhythmischen Ausdruckstanz, wenn ein anderer die Trommel benutzen wollte, aber nicht dran durfte. Inzwischen konnten sehr viele Feuer machen, aber wenige Trommeln basteln, deshalb erfand der Homo Abfaclus die Rauchzeichen. Machte weniger Lärm, dafür war es wetter- und tageszeitabhängig. Noch findiger ist ja kaum vorstellbar und doch: Wenn man sich über kleinere Distanzen unterhalten wollte, ohne durch Grunzen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, so zündete man sich eine Luftwurzel an, zog tief daran und blies Rauchzeichen in die Luft. So waren also die ersten Rauchartikel nicht die Vorläufer der Zigaretten sondern der Handys.
So entwickelte der Homo Entdecus sich langsam weiter, erfand die Sprache, verlernte sie wieder, ey weisst du, Mon! Der ganze Techschnickschnack wurde über viele hilfreiche Zwischenstufen zu Nutzwert getrieben (leichte Einbrüche waren im Mittelalter erkennbar, wo von römischen Fussbodenheizungen und Kanalisation wieder zu Aussenklos und Durchzug gewechselt wurde). Doch jetzt kommen wir so weit, dass die Errungenschaften der Neuzeit mit Anleihen der Ur-Ur-Urbewohner dieses Planeten kombiniert werden. Der Laptopgrill. Zusammengeklappt sieht das Teil aus wie ein Laptop, aufgeklappt ist es ein Gasgrill und schon haben die Männchen gleich mehrere Gründe, wieder ins Pseudofeuer zu starren. Das ist auch tatsächlich ein Grill und nicht wirklich ein Laptop, der so heiss ist, dass er einem auf dem lap das Würstchen verbrennt (in den USA schon passiert und beklagt). Läuft nicht unter Windows, sondern unter BratApple. Aber seltsam, was wir alles erfinden. Homo Becloptus.
Hhhmmmmm, da kommt bei mir ein kleines Hungergefühl auf…………….die Mammutohren interessieren mich weniger. Weiss nur nicht ob nun das Lap-Grill-Bild oder der Gedanke an angesengte Bierbauch-Härchen knuspriger ist????
Ganz, ganz toll wie du immer schreibst. Vergnügen pur!!
hm… laptop-grill kombi wär doch aber auch mal ne idee wert?! so kann der gestresste workaholic zu hause bei frau und kind am grill stehen und gleichzeitig die aktienkurse beobachten… homo multifunctionalus
Kühlschrank mit Surffunktion gibt’s ja schon.